Kuckuck, Fuchs und Hahn: Warum früher andere Tiere die Ostereier brachten
- Zu Ostern bringt der Hase die Eier. Das war allerdings nicht schon immer so.
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Ostern. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum ausgerechnet ein Hase die Ostereier bringt? In der Schweiz war dafür lange Zeit der Kuckuck zuständig, in Westfalen der Fuchs. Dass wir heute fast nur noch den Osterhasen kennen, hat überraschende Gründe, die bis in das Jahr 1682 und die Anfänge der modernen Zuckerindustrie zurückreichen.
Heute ist es für uns selbstverständlich: Am Ostersonntag suchen Kinder im Garten nach bunten Eiern und Schokohasen. Doch das war nicht immer so. Die Geschichte des Osterhasen ist weitaus kurioser, als viele vermuten.
Fuchs, Kuckuck oder Hahn? Die vergessenen Eierbringer
Bevor sich der Hase als „Monopolist“ durchsetzte, gab es regional starke Unterschiede. Je nachdem, wo man aufwuchs, brachte ein anderes Tier die Gaben:
- In der Schweiz war lange Zeit der Kuckuck zuständig.
- In Teilen Westfalens lieferte der Fuchs die Eier aus.
- Andernorts galten der Hahn oder sogar der Storch als Überbringer.
Dass der Hase das Rennen machte, verdanken wir unter anderem einem Frankfurter Arzt namens Johannes Richier. Bereits im Jahr 1682 erwähnte er den Osterhasen erstmals schriftlich in seiner Dissertation. Er schilderte, dass in der Pfalz und im Elsass ein Hase die Eier lege und im Garten verstecke – eine „Fabel“, wie er damals schon betont, um Kindern eine Freude zu bereiten.
Der süße Durchbruch im 19. Jahrhundert
Warum aber breitete sich dieser Glaube plötzlich so rasant aus? Die Antwort liegt nicht in der Religion, sondern in der Industrie. Im 19. Jahrhundert gelang der „industrielle Sprung“ durch die Gewinnung von billigem Rübenzucker.
Erst dadurch wurde es möglich, Schokolade und Zuckerfiguren in Massen zu produzieren. Der Schokohase wurde zum erschwinglichen Genuss für jedermann und festigte das Bild des Hasen als das Symbol für Ostern in den Köpfen der Menschen.
Das Rätsel der drei Ohren: Christliche Symbolik
Doch der Hase hat auch eine tiefere, geistliche Ebene. Der römische Bischof Ambrosius sah im Hasen bereits früh ein christliches Symbol. Ein besonders spannendes Relikt dieser Zeit ist das „Dreihasenbild“:
Dabei sind drei Hasen im Kreis angeordnet. Das Kuriose: Die Zeichnung nutzt nur drei Ohren insgesamt, doch durch die geschickte Anordnung scheint jeder Hase zwei Ohren zu haben. Heute gilt dies als Symbol für die Dreieinigkeit, auch wenn die genauen Ursprünge dieses Bildrätsels bis heute unter Historikern diskutiert werden. Zudem passt die enorme Fruchtbarkeit der Hasen perfekt zum Frühlingsfest und dem Erwachen der Natur.
Vom „Easter Bunny“ zum australischen „Bilby“
Auch international hat der deutsche Brauch Karriere gemacht – wenn auch mit kleinen Anpassungen:
USA: Deutsche Auswanderer brachten den Brauch nach Amerika. Dort wurde aus dem „Easter Hare“ (Osterhase) jedoch der „Easter Bunny“ (Osterkaninchen).
Australien: Hier geht man einen ganz eigenen Weg. Da Kaninchen in Australien zur Plage wurden und heimische Arten verdrängten, erfand man den „Easter Bilby“. Der Verkauf von Schokoladen-Beutler-Hasen (dem Kaninchennasenbeutler) dient dort sogar dem Artenschutz, um das Aussterben dieser bedrohten Tiere zu verhindern.
Ob nun als Hase, Kaninchen oder Bilby – die Freude an der Suche im Garten ist geblieben. Und wenn Sie dieses Jahr ein Ei finden, denken Sie daran: Es hätte theoretisch auch von einem Fuchs stammen können!
Autor:Laura Lüttmann aus Neustadt/Weinstraße |
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