Hitze- und Hochwasserschutz an der Elbe: Was „mehr Raum“ bringt

Symbolbild: Mehr natürliche Überflutungsflächen an der Unterelbe sollen Wasser besser speichern und Hochwasser- sowie Hitzefolgen abpuffern. Das Projekt „Krautsand“ zeigt, welche Maßnahmen dahinterstehen und wer sie finanziert. | Foto: mpix-foto/stock.adobe.com
  • Symbolbild: Mehr natürliche Überflutungsflächen an der Unterelbe sollen Wasser besser speichern und Hochwasser- sowie Hitzefolgen abpuffern. Das Projekt „Krautsand“ zeigt, welche Maßnahmen dahinterstehen und wer sie finanziert.
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Hitze- und Hochwasserschutz Elbe. Mehr natürliche Überflutungsflächen, wiederangebundenen Nebenarme und Feuchtgebiete können Wasser länger in der Landschaft halten und damit Hitze- und Hochwasserfolgen abmildern.

Wenn nach Starkregen Pegel steigen oder ein trockener Sommer wochenlang anhält, entscheidet oft die Landschaft selbst, wie gut sie Wasser aufnehmen und speichern kann. Genau hier setzt das Naturschutzgroßprojekt „Krautsand“ an der Unterelbe an, das das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) beschrieben hat: Die Tidedynamik soll naturnäher werden, und Wasserflächen sollen wieder stärker „mitarbeiten“, statt nur durch Deiche und abgetrennte Nebenarme begrenzt zu sein.

Konkret geht es um ein rund 2.825 Hektar großes Gebiet am Westufer der Unterelbe zwischen Wischhafen und dem Asseler Sand im Elbeästuar. Das Elbeästuar ist der Übergang zwischen Flussökosystem der Elbe und dem Küstenökosystem des Wattenmeers, also ein Bereich, in dem Fluss- und Meerwasser aufeinandertreffen und Ebbe und Flut Lebensräume prägen.

Was sich im Alltag durch solche Maßnahmen verändern kann

Das BMUKN ordnet die Maßnahmen als Beitrag zur Vorsorge gegen Extremfolgen des Klimawandels ein. Für die praktische Einordnung sind vor allem drei Effekte wichtig, die in der Meldung genannt werden.

  • Wasser aufnehmen, wenn es zu viel ist. Wenn wieder mehr Flächen regelmäßig überflutet werden können, verteilt sich Wasser eher in die Fläche statt nur schnell in einer vertieften Rinne abzufließen. Das kann Hochwasserspitzen abpuffern, ersetzt aber nicht den technischen Hochwasserschutz an einzelnen Orten.
  • Wasser speichern, wenn es zu wenig ist. Wiedervernässte und naturnahe Feuchtgebiete speichern Wasser länger. Das kann in Hitze- und Trockenphasen helfen, die Umgebung zu stabilisieren. Gleichzeitig wird damit auch Kohlenstoff gebunden, weil Feuchtgebiete und Auen als natürliche Speicher wirken.
  • Kühlere Landschaft statt „aufgeheizter“ Flächen. Mehr Wasser in der Landschaft wirkt bei Hitze oft wie ein Puffer. Das ist keine Klimaanlage, kann aber lokal zur Abkühlung beitragen, wenn Wasserflächen, Auen und Grünland-Wasserlandschaften zunehmen.

Welche Maßnahmen am Beispiel „Krautsand“ geplant sind

Im Kern soll eine naturnähere Tidedynamik wiederhergestellt werden, sodass Ebbe und Flut Teile des Fördergebietes stärker prägen können. Genannt werden unter anderem:

  • Wiederanbindung von Prielen und Nebengewässern
  • Revitalisierung von Gewässern
  • Entwicklung artenreicher Grünland-Wasserlandschaften
  • Pilotprojekte für ein naturnahes Wassermanagement

Das BMUKN verweist außerdem darauf, dass solche Maßnahmen auch zur Wiederherstellung der Natur im Sinne der EU-Wiederherstellungsverordnung beitragen.

Wer das Projekt finanziert und was die Zahlen bedeuten

Für die Umsetzungsphase stellt der Bund laut BMUKN rund 12 Millionen Euro aus dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) bereit. Zusätzlich sind rund 2 Millionen Euro vom Land Niedersachsen sowie rund 2 Millionen Euro durch die Projektnehmer WWF und NABU-Stiftung Nationales Naturerbe vorgesehen. Fachlich und administrativ wird das Projekt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) betreut.

Die Summe ist vor allem ein Hinweis auf die Größenordnung. Aus den genannten Daten lässt sich keine direkte Aussage ableiten, wie stark sich Hochwasserstände oder Hitzeeffekte an einzelnen Orten verändern, weil solche Wirkungen stark von Wetterlagen, Tide, Flussausbau und lokalen Gegebenheiten abhängen.

Warum ausgerechnet Ästuare besonders wichtig sind

Das Elbeästuar gilt laut BMUKN als größtes Ästuar Deutschlands und als Lebensraum für spezialisierte Arten, darunter der weltweit nur an der Unterelbe vorkommende Schierlings-Wasserfenchel sowie die seltene Elbe-Schmiele. Gleichzeitig gehören Ästuare zu den Lebensräumen, die durch menschliche Eingriffe besonders stark verändert wurden, etwa durch Deiche, abgetrennte Nebenarme und Vertiefungen der Fahrrinne.

Praktisch bedeutet das: Wenn wieder mehr Überflutungsflächen, Nebenarme und feuchte Übergangszonen funktionieren, kann das Naturschutz, Wasserhaushalt und Vorsorge gegen Extremwetter gleichzeitig unterstützen, ohne dass es eine einzelne Maßnahme geben muss, die allein alle Risiken löst.

Weitere Projektinfos: www.wwf.de/themen-projekte/projektregionen/tideelbe/naturschutzgrossprojekt-krautsand

Einordnung: „Mehr Raum für Wasser“ ist in der Praxis ein Baustein, der Landschaften widerstandsfähiger macht, aber Hochwasser- und Hitzeschutz immer nur im Zusammenspiel mit örtlichen Schutzkonzepten verbessert.

Autor:

Meike Jakob aus Landau

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