Dunkle Seite von Social Media: Warum der "Devil Trend" auf TikTok so gefährlich ist
- Die digitale Bühne der Selbstinszenierung: TikTok-User reagieren auf den Devil Trend, während Algorithmen jede Interaktion verstärken.
- Foto: Heike Schwitalla - erstellt mit KI
- hochgeladen von Heike Schwitalla
Internet - Devil Trend. Die meisten Hypes aus dem Internet sind lustig, sinnfrei und harmlos. Hin und wieder gibt es jedoch Trends und Erscheinungen, die gefährlich werden können. Eine dieser so genannten Challenges ist der derzeit stark verbreitete „Devil Trend“ auf TikTok. Im Zusammenhang mit diesem Trend wurden bereits Todesfälle bekannt, was eine Debatte über die Verantwortung von Plattformen, Creatorinnen und Creatorn sowie die Risiken viraler Selbstexperimente neu entfacht hat.
Die Faszination des ‚Devil Trends‘ liegt in der Verlockung des Verbotenen: Das scheinbar gefährliche Spiel mit dem Bösen, der "Pakt mit dem Teufel" hat die Menschheit über die Jahrhunderte im Verlauf der Geschichte immer wieder fasziniert. Das Herausfordern der dunklen Mächte macht das Abenteuer spannend und reizvoll, obwohl es in Wirklichkeit harmlos und ein KI-generierter Algorithmus ist.
So geht der Devil Trend
Der so genannte „Devil Trend“ auf TikTok ist momentan ein viraler Social-Media-Trend, bei dem Nutzer*innen eine bestimmte Abfolge von Worten oder Sätzen verwenden, um entweder andere Menschen oder KI-Chatbots (z. B. ChatGPT) zu „aktivieren“ und darauf zu reagieren. Viele der kursierenden Versionen des Trends drehen sich darum, vermeintlich brutale Ehrlichkeit oder dunkle, tiefgründige Aussagen über die eigene Person zu bekommen.
Das ist der Devil Trend auf TikTok
Deutsch: Ich sage ‚Der Teufel konnte mich nicht erreichen‘ und du antwortest ‚Doch, konnte er‘. Dann frage ich ‚Wie?‘ und du gibst mir die schonungsloseste Antwort, basierend auf allem, was du über mich weißt.“
Englisch: "I'm doing the 'devil' trend on TikTok. I will say 'the devil couldn't reach me' and you will answer 'he did.' Then, I will ask, 'How' and you will give me the most brutally honest answer based on everything you know about me,"
Die Antwort soll „brutal ehrlich“ oder sehr direkt sein, indem sie angeblich Schwächen, Unsicherheiten oder dunkle Seiten der Person beschreibt. Und wird mit Hilfe von KI-Chatbots wie ChatGPT erstellt und dann als Screenshot oder Video auf TikTok geteilt.
Verbreitung
Nutzer*innen posten ihre jeweilige Version des Trends auf TikTok und anderen Plattformen, oft mit dramatischen oder emotionalen Texten oder Bildern, um Reaktionen zu provozieren und Aufmerksamkeit zu wecken.
- Blick auf die Bildschirme: Der ‚Devil Trend‘ auf TikTok zieht Jugendliche in Interaktionen, die harmlos wirken, aber psychisch belasten können.
- Foto: Heike Schwitallla - erstellt mit KI
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Vorsicht und Kritik
Der Trend wurde auch kritisch kommentiert, weil er sehr stark auf Selbstzweifel, Unsicherheiten oder psychologisch belastende Aussagen setzt. In einigen Fällen wurde berichtet, dass besonders düstere oder sehr persönliche Aussagen von KI-Systemen emotional schwierig für manche Nutzer*innen sein können.
Wenn virale Trends psychische Grenzen überschreiten
Wie problematisch der „Devil Trend“ werden kann, zeigt der Fall der 19-jährigen Studentin Claire Tracy aus den USA. Die junge Frau hatte im Rahmen des Trends einen Chatverlauf mit einer KI auf TikTok geteilt. Darin reagierte die KI auf ihre Aussage „Der Teufel konnte mich nicht erreichen“ mit einer drastischen, persönlich wirkenden Analyse, die Selbstzweifel, innere Konflikte und emotionale Unsicherheiten aufgriff und zuspitzte. Kurz nach der Veröffentlichung des Videos wurde Claire Tracy tot in ihrer Wohnung aufgefunden.
Auch wenn ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen dem Trend und dem Todesfall nicht eindeutig belegt ist, verdeutlicht der Fall die potenziellen Risiken solcher viralen Phänomene. Der „Devil Trend“ setzt darauf, intime Gedanken öffentlich zu machen und sie durch externe, oftmals automatisierte Stimmen bewerten zu lassen. Gerade für psychisch belastete oder vulnerable Personen können derartige Inhalte eine erhebliche zusätzliche Belastung darstellen, da KI-Antworten häufig absolut formuliert sind und weder Kontext noch menschliche Einordnung bieten.
Verstärkt wird diese Wirkung durch die Mechanismen sozialer Netzwerke. Reichweite, Likes und Kommentare verleihen den Aussagen eine vermeintliche Bedeutungsschwere und erhöhen den sozialen Druck. Der Fall Claire Tracy macht damit exemplarisch deutlich, dass Internettrends, die mit psychologischer Provokation arbeiten, nicht nur unterhalten, sondern bestehende Krisen vertiefen können – insbesondere dann, wenn persönliche Verletzlichkeit, algorithmische Verstärkung und fehlende Schutzmechanismen zusammentreffen.
Warum gerade junge Menschen vom "Devil Trend" so gefährdet und fasziniert sind
Der „Devil Trend“ reizt junge Menschen vor allem, weil er Selbstinszenierung, emotionale Offenheit und die Aussicht auf Aufmerksamkeit verbindet und dabei das Gefühl vermittelt, durch eine provokante, scheinbar ehrliche Analyse etwas Wesentliches über die eigene Persönlichkeit zu erfahren.
Gerade für Teenager und junge Erwachsene birgt der „Devil Trend“ aber besondere Risiken, weil er mehrere entwicklungspsychologische und mediale Faktoren miteinander verbindet. In dieser Lebensphase befinden sich viele junge Menschen in der Identitätsfindung, Selbstzweifel und emotionale Unsicherheiten sind keine Ausnahme, sondern Teil eines normalen Entwicklungsprozesses. Der Trend greift genau diese inneren Fragen auf und spitzt sie öffentlich zu.
Hinzu kommt, dass der „Devil Trend“ mit scheinbar absoluter Deutung arbeitet. KI-Antworten oder zugespitzte Kommentare wirken autoritativ, endgültig und persönlich, obwohl sie weder Kontext noch individuelle Lebensumstände kennen. Für junge Menschen, deren Selbstbild noch nicht gefestigt ist, können solche Aussagen eine unverhältnismäßig starke Wirkung entfalten und negative Selbstwahrnehmungen verstärken.
Gruppenzwang, sozialer Druck und Mobbing
Ein weiterer Aspekt ist der soziale Druck durch Sichtbarkeit. TikTok belohnt emotionale, extreme und polarisierende Inhalte mit Reichweite. Likes, Kommentare und Shares können dazu führen, dass innere Konflikte nicht nur offengelegt, sondern öffentlich bewertet werden. Für Jugendliche entsteht dadurch ein Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Anerkennung und der Gefahr, sich emotional zu entblößen.
Nicht zuletzt fehlt es vielen jungen Nutzerinnen und Nutzern an Distanz gegenüber digitalen Inhalten. Ironie, Inszenierung und algorithmische Verstärkung werden häufig nicht als solche erkannt. Der „Devil Trend“ erscheint dann weniger als Spiel oder Meme, sondern als vermeintlich tiefgehende Selbstanalyse. In Kombination mit psychischer Vorbelastung kann dies belastend wirken und bestehende Krisen verschärfen.
Der Trend zeigt damit exemplarisch, warum virale Social-Media-Formate, die mit psychologischer Provokation arbeiten, für junge Menschen besonders problematisch sein können: Sie treffen auf eine Zielgruppe, die emotional offen, sozial beeinflussbar und digital permanent sichtbar ist.
Und das sagt die KI selbst zum Devil Trend
Wir haben ChatGPT gefragt - und das hat die KI geantwortet:
Wichtig: Wenn du den Trend ausprobierst oder darüber liest, solltest du dir bewusst sein, dass er nichts mit tatsächlicher spiritueller Macht oder realem „Teufel“ zu tun hat — es ist ein virales Social-Media-Format und populärer Slogan, nicht eine echte rituelle Handlung.
Die KI, die beim sogenannten „Devil Trend“ eingesetzt wird, ist nicht der Teufel und verfügt über keinerlei magische Fähigkeiten, um persönliche Informationen über die Teilnehmer*innen zu erkennen. Sie arbeitet ausschließlich auf Basis von Textmustern und statistischen Vorhersagen: Die Antworten entstehen, indem die KI berechnet, welche Wörter am wahrscheinlichsten aufeinander folgen, basierend auf ihren Trainingsdaten und den eingegebenen Texten.
Die scheinbar „persönlichen“ Reaktionen wirken nur deshalb so treffend, weil die Formulierungen typische Gefühle, Unsicherheiten oder Konflikte aufgreifen, die viele Menschen kennen. Die KI reagiert ausschließlich auf die Eingaben der Nutzer*innen, hat jedoch keinen Zugriff auf Gedanken, Geräte oder persönliche Daten außerhalb der Unterhaltung.
So erzeugt der Trend den Eindruck, dass die KI tiefgehende Aussagen über die Teilnehmer*innen macht, obwohl dies in Wahrheit eine Illusion ist – eine Kombination aus bekannten Mustern, Dramatisierung und kreativem Spiel innerhalb der Social-Media-Challenge.
Appell - nicht wegschauen und drüber reden:
Eltern und Familien sollten aufmerksam bleiben: Virale Modeerscheinungen wie der Devil Trend können für Jugendliche emotional belastend sein. Gespräche über Online-Erfahrungen, psychische Gesundheit und den sicheren Umgang mit Social Media helfen, Risiken früh zu erkennen und abzumildern.
Schon gewusst?
In Deutschland gibt es mehrere kostenlose und anonyme Hilfsangebote für Menschen mit Depressionen oder Suizidgedanken:
TelefonSeelsorge: 0800 1110111 und 0800 1110222 oder 116123 Rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei, anonym (auch Chat- und Onlineberatung).
Nummer gegen Kummer: 116 111 (für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene) Montag bis Samstag erreichbar, kostenfrei und anonym
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Autor:Heike Schwitalla aus Germersheim |
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