Bessere KI-Bewerbung: 5 Fehler, die Jobsuchende vermeiden
- KI kann Bewerberinnen und Bewerber unterstützen - vorausgesetzt die digitale Assistenz wird richtig gebrieft.
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KI-Bewerbung. KI kann Anschreiben, Lebenslauf und Bewerbungs-Mails in Sekunden formulieren. Doch wer Chatbots nur als schnelle Schreibhilfe nutzt, verschenkt oft entscheidende Chancen im Bewerbungsprozess. Karrierecoaches beobachten immer wieder typische Fehler, die darüber entscheiden können, ob eine Bewerbung überzeugend wirkt oder im Einheitsbrei untergeht.
Chatbots können Stellenanzeigen analysieren, Formulierungen verbessern und Argumente strukturieren. Laut Karrierecoach Silke Grotegut werden diese Möglichkeiten jedoch häufig nur oberflächlich genutzt. Zusammen mit Berater, Speaker und KI-Experte Marcel Zimmermann beschreibt sie in ihrem Buch „Mit KI zum Karrieresprung“, welche typischen Fehler bei KI-gestützten Bewerbungen auftreten.
Ohne klare Ziele beginnt die KI-Arbeit auf wackliger Grundlage
Der häufigste Fehler passiert laut Grotegut schon vor dem ersten Prompt. Viele Bewerberinnen und Bewerber starten direkt mit der Formulierung eines Anschreibens, ohne ihre eigenen Ziele, Stärken und Werte klar zu definieren.
„Der größte Fehler ist oft, dass Bewerberinnen und Bewerber sich entweder keine oder nur wenig Zeit dafür nehmen, sich zu fragen, wohin sie eigentlich wollen und was sie einem potenziellen Arbeitgeber zu bieten haben“, sagt Silke Grotegut.
Fehlt diese Selbstreflexion, zieht sich die Unsicherheit durch den gesamten Prozess. KI kann jedoch auch bei dieser Vorbereitung helfen. Werden berufliche Erfolge, Erfahrungen und Kompetenzen eingegeben, kann ein Chatbot dabei unterstützen, prägnante Aussagen über Stärken und Profil zu formulieren.
Gute Ergebnisse entstehen nur mit klaren Informationen
Ein weiterer häufiger Fehler ist ein zu knappes Briefing der KI. Wer nur wenige Informationen liefert, erhält meist auch nur allgemeine Antworten.
Grotegut beschreibt das mit einem Vergleich: „Wenn ich einen Vertreter von mir in ein Bewerbungsgespräch schicken würde, würde der nur so gut performen, wie er vorher von mir gebrieft wurde.“
Je mehr Details zu Berufserfahrung, Erfolgen, Fähigkeiten und Zielen vorhanden sind, desto eher kann ein Chatbot Texte erstellen, die tatsächlich zur Person passen.
Ein Chat für alles führt oft zu unklaren Ergebnissen
Viele Nutzer erledigen alle Aufgaben in einem einzigen Chatfenster. Nach Beobachtung der Coachin führt das häufig zu weniger präzisen Ergebnissen.
Stattdessen kann es sinnvoll sein, mehrere Chats mit unterschiedlichen Rollen anzulegen. Beispielsweise für Lebenslauf, Unternehmensanalyse oder Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch.
Eine mögliche Rollenbeschreibung könnte lauten: „Du bist ein erfahrener Bewerbungscoach mit vielen Jahren Berufserfahrung als Recruiter. Du hast bei top Outplacementberatungen gearbeitet und kennst die Anforderungen von Headhuntern und Recruitern.“ Solche Rollen helfen, Antworten stärker auf eine konkrete Aufgabe auszurichten.
Dialog statt Einmal-Anweisung verbessert die Ergebnisse
Viele Bewerbungen entstehen mit einem einzigen Auftrag an die KI. Grotegut hält das für eine verpasste Chance.
„Wenn ich der KI einfach nur sage 'Schreib mir ein schönes Anschreiben, hier ist die Ausschreibung‘, nutze ich die Magie, die KI liefert, überhaupt nicht aus.“
Stattdessen kann ein Austausch sinnvoll sein. Beispielsweise indem eine Stellenanzeige und der Lebenslauf gemeinsam analysiert werden. Die KI kann dann mögliche Stärken, Risiken oder offene Fragen herausarbeiten und Hinweise geben, worauf bei einer Bewerbung besonders zu achten ist.
Persönliche Beispiele bleiben entscheidend
Durch KI entstehen heute viele formal sehr ähnliche Bewerbungen. Laut Grotegut erhalten Unternehmen auf eine Stelle häufig mehrere hundert Bewerbungen. Wenn viele Texte ähnlich formuliert sind, wird es schwieriger, sich abzuheben.
Persönliche Erfahrungen, konkrete Beispiele und individuelle Bezüge zum Unternehmen können deshalb entscheidend sein. „Die KI kann mir Vorschläge machen, aber das Persönliche – das muss auf jeden Fall ich noch liefern.“
Zugleich bleibt die Kontrolle durch Menschen notwendig. Grotegut empfiehlt das Prinzip „Human in the Loop“. KI kann Formulierungen liefern, doch Bewerberinnen und Bewerber sollten jede Bewerbung prüfen und anpassen, bevor sie versendet wird.
Richtig eingesetzt kann KI den Bewerbungsprozess strukturieren und beschleunigen. Entscheidend bleibt jedoch, dass persönliche Ziele, Erfahrungen und Entscheidungen weiterhin von Menschen selbst eingebracht und überprüft werden. dpa/red
Autor:Sarah Isele aus Mannheim-Nord |