Ausbildung in Moschheim: Warum Leonie aufs Handwerk setzt
- Leonie Bothe ist im ersten Ausbildungsjahr zur Tischlerin. (Archivbild)
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Moschheim. Wer einen krisensicheren Beruf mit sichtbaren Ergebnissen sucht, findet im Handwerk weiter gute Chancen. Das zeigt die Ausbildung von Leonie Bothe im Westerwald, die sich bewusst für das Tischlerhandwerk entschieden hat.
Die 19-Jährige ist im ersten Ausbildungsjahr bei Schreiner Wolf in Moschheim. In dem Betrieb ist eine weibliche Auszubildende eine Premiere. Für ihre Berufswahl spielte auch die Familie eine Rolle: Ihr Stiefgroßvater war Tischler. Ausbilder Olaf Wolf lernte einst bei ihm und erinnert sich an dessen handwerkliche Qualität.
Beruf mit Zukunft
Nach dem Abitur suchte Bothe nach eigenen Angaben einen Beruf, der auch in unsicheren Zeiten Bestand hat. Sie wollte eine Ausbildung wählen, die nicht bei der nächsten Krise an Bedeutung verliert. Auch der Blick auf Künstliche Intelligenz war für sie wichtig. Im Tischlerhandwerk sieht sie die Arbeit von Menschen weiter im Mittelpunkt.
Diese Einschätzung teilt ihr Ausbilder. KI könne im Betrieb zwar bei Angeboten, Schreiben oder der Materialplanung helfen. Das Entwerfen von Möbeln, die Auswahl von Holz und die handwerkliche Umsetzung blieben aus seiner Sicht aber Aufgaben von Fachkräften.
Mehr als nur Tische
Zum Alltag im Tischlerhandwerk gehören nach Angaben des Betriebs nicht nur Tische. Auch Fenster, Türen, Einbauschränke und individuelle Möbel werden gefertigt. Gerade Holz macht den Beruf für Bothe attraktiv. Jede Bohle unterscheide sich in Maserung und Farbe. Dadurch entstünden immer wieder Einzelstücke.
Wolf betont, dass ein Tisch weit mehr als ein Gebrauchsgegenstand sei. Er sei oft Mittelpunkt des Familienlebens, etwa beim Essen, Reden oder Feiern. Der Unterschied zwischen Schreiner und Tischler ist laut Wolf regional: Im Süden werde eher Schreiner gesagt, im Norden Tischler. Die Bedeutung sei gleich.
Frauenanteil steigt im Handwerk
Vorbehalte gegen das Handwerk gibt es nach Einschätzung von Wolf weiterhin. Auch Bothe erlebte nach ihrer Entscheidung zunächst Überraschung in ihrem Umfeld. Dass Frauen im Handwerk keinen Platz hätten, kann sie aus eigener Erfahrung aber nicht bestätigen. Sie beschreibt die Arbeit als abwechslungsreich und sieht für sich gute Entwicklungsmöglichkeiten.
Nach Angaben der Handwerkskammer Koblenz ist der Frauenanteil im Tischlerhandwerk in der Region gestiegen. Im Kammerbezirk sank die Zahl der Auszubildenden von 441 im Jahr 2016 auf 358 Anfang 2026. Gleichzeitig stieg der Anteil weiblicher Lehrlinge von 6,6 auf 15,4 Prozent.
Für Betriebe bleibt die Suche nach geeignetem Nachwuchs laut Wolf schwierig. Häufig fehlten schon grundlegende Mathekenntnisse. Zugleich wirbt er dafür, alte Klischees hinter sich zu lassen. Bothe hofft ebenfalls, dass sich mehr junge Menschen für das Handwerk entscheiden. Für sie zählt vor allem, dass am Ende eines Arbeitstags sichtbar ist, was geschafft wurde. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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