Regenwasser sammeln: Zisterne schützt knappes Gut und spart Geld – so einfach geht es

Regenwasser sammeln: Wer in trockenen Wochen den Garten wässern muss, kann mit gesammeltem Regenwasser sparen | Foto: Niks Ads/stock.adobe.com
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Regenwasser sammeln. Wasser ist ein immer knapper werdendes Gut. Manche Kommunen mussten bereits im Dürresommer 2022 die Wassermenge begrenzen, die Haushalte in Hitzemonaten entnehmen durften. Mit einer Zisterne im Garten sichern und schützen Sie die Ressource und sparen bares Geld – auch mit Blick auf steigende Kosten durch Verknappung. Woraus bei Kauf und Installation laut Verbraucherzentrale zu achten ist. 

Nach einer Schätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften hat Deutschland seit 2000 pro Jahr 0,76 Kubikkilometer Grundwasser verloren. In heißen, längeren Sommern verdunstet mehr und es regnet wenig. Gleichzeitig nehmen ausgetrocknete Böden Regen schlechter auf, er fließt im Kanal ab. Gleichzeitig schwinden seit Jahren die Gletscher, wodurch Flusspegel sinken. Während in Städten direkt am Rhein Pegel durch Flussnähe hoch sind, ist die gesamte Vorderpfalz westlich von Limburgerhof stark betroffen von niedrigen Pegeln. Verstärkt wird Trend durch Landwirtschaft, die Wasser nicht zurückhält sowie fehlende Waldflächen. 

In vielen Regionen Deutschlands fehlt durch die Klimaerwärmung im Sommer das Sickerwasser, das die Grundwasserkörper wieder füllt. Die hohen Niederschläge im Winter reichen oft nicht mehr aus, um die Grundwasserpegel wieder aufzufüllen. Städte entsiegeln nach dem Schwammstadtprinzip und leiten das Wasser auf Grünflächen um. Im Neubau sind Zisternen daher seit Jahren Pflicht, auch um die Kosten für die Gartenbewässerung für Bürger niedrig zu halten. Auch im Bestand lässt sich Regenwasser auffangen und sammeln, um damit die Vegetation im eigenen Garten bei anhaltender Trockenheit zu bewässern. In Trockensommern tragen Bürger damit zur Regenwasserversickerung bei.

Tanks für Regenwasser verhindern zudem eine Überlastung der Kanalsysteme, die in Städten und Kommunen bei Starkregen, der als typische Klimafolge gilt, an ihre Grenzen kommen.

Regenwassernutzung für Waschmaschine und Gartenbewässerung spart Geld

Mit dem gesammelten Regenwasser lässt sich nicht nur der Garten gießen. Es darf nach den Vorgaben für Regenwassernutzung auch für Toilettenspülung und Waschmaschine genutzt werden. Sobald weniger Regen, also Oberflächenwasser, in den Kanal abfließt, sinken die Abwassergebühren. Wer der Kommune mitteilt, wie viel Wasser über das Dach in die Zisterne läuft, und die Angaben über die Dachfläche und Zisternengröße belegt, kann Geld sparen. Die Kanalisation wird so nachhaltig entlastet. Die Mitteilung und damit die Senkung der Gebühren klappt allerdings nicht immer. Das gesammelte Wasser ist allerdings kein Trinkwasser. Wird eine Leitung für das Regenwasser angelegt, muss diese gemeldet werden. Trinkwasser und Grauwasser dürfen nicht vermischt werden und daher nicht über eine Leitung laufen.

Regenwasser sammeln: Regentonne, Container oder Zisterne?

Fürs Sammeln von Regenwasser ist die Regentonne die pragmatischste, günstigste Lösung. Über ein Fallrohr lässt sich das Wasser vom Dach auffangen. Alternativ nutzen viele Eigentümer IBC-Behälter, wie sie auch die Industrie einsetzt. „Die Container sollten mit Überzügen, die im Handel zu haben sind, überzogen werden, um Lichteinstrahlung und damit Algenbildung zu vermeiden“, erklärt Referentin Bettina Niestrath. „Auch das Wasser in der Tonne ist vor Mücken zu schützen.“

Die gängigsten Lösungen sind Zisternen, die sich mit einem bestellten Kleinbagger oder per Hand leicht in den Boden einbringen lassen. Sie unterirdischen Tanks nehmen keinen Platz weg, liegen kühl und abgedeckt. Sie fassen deutlich mehr Wasser als Tonnen und Container, bis zu 75.000 Liter, je nach Größe. „Mit der Größe steigen aber auch Aufwand und Kosten“, erklärt Niestrath, „wer beide niedrig halten will, kann zwei oder mehrere Tonnen aufstellen, die sich unten verbinden lassen. Nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren ist der Wasserspiegel immer gleich hoch.“

Eine Kunststoffzisterne lässt sich leichter transportieren und einbauen als eine Betonzisterne, die im Bestand kaum hinter das Haus zu transportieren ist. Eine kleine Zisterne aus Kunststoff lässt sich per Hand einbauen, eine größere mit mehr als 15 Kubikmetern mit einem Minibagger.

Bei sehr hohen Grundwasserpegeln sollte eine feste Betonzisterne bevorzugt werden, die nicht auftreibt. Nur Betonzisternen sind zudem mit einem Auto befahrbar. Plastikzisternen eignen sich unter Parkflächen daher nicht. Der Vorteil von sogenannten Flachtanks ist, dass nicht tief gebaggert werden muss.

Regenwasser sammeln: Die passenden Filtersysteme für die Zisterne und die Tonne

  • Wichtig ist, die Zisterne einmal in der Saison überlaufen zu lassen, damit eingedrungenes Laub nach draußen kommt und sich nicht am Grund ablagert.
  • Ein guter Filter ist unbedingt notwendig, um Pollen, Staub und Blätter, die durch die Regenrinne eingespült werden, abzuhalten.
  • Der Filter muss zur Zisterne passen und sich einfach reinigen lassen, es darf keinen Rückstau geben. Ist die Reinigung aufwendig und erfolgt daher selten, wird die Zisterne verschmutzen.
  • Wenn der Filter gestört ist, muss das Regenwasser ungehindert ablaufen können und wieder dem Fallrohr und Kanal zugeführt werden.

Das Wasser wird in den meisten Filtersystemen im Zulauf gefiltert. Der Zulauf sollte möglichst tief in Regentonne oder Tank münden, um das Wasser nicht umzuwühlen und so oben schwimmende Pollen und Blätter an den Grund zu bringen, wo sie sich nicht mehr entfernen lassen. Ganz sauber halten lässt sich das Wasser in den Gefäßen nicht. Die Entnahme sollte nicht tiefer als 10 Zentimeter über dem Boden des Gefäßes erfolgen, weil es am Boden am wenigsten sauber ist.

Regenwasser sammeln: So funktioniert ein zugängliches Filter, allerdings sollte der Zulauf besser tief liegen. Über die Pumpe lässt sich das Wasser in Tonnen im Garten pumpen oder abpumpen, wenn die Zisterne zu voll wird.  | Foto: Julia Glöckner
  • Regenwasser sammeln: So funktioniert ein zugängliches Filter, allerdings sollte der Zulauf besser tief liegen. Über die Pumpe lässt sich das Wasser in Tonnen im Garten pumpen oder abpumpen, wenn die Zisterne zu voll wird.
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Regenwasser versickern lassen, wenn Tonne oder Tank voll sind

Fasst der Speicher kein Wasser mehr, sollte man das Wasser am besten über eine Mulde versickern lassen. „Von Vorteil ist dabei ein hoher Überlauf, der das Wasser vom Speicher in eine Mulde leitet. Hat der Garten dagegen keine Mulde, sollte der Überlauf das überschüssige Regenwasser in den Kanal ableiten. Bei einer Tonne passiert das meist übers Fallrohr vom Dach ins Kanalsystem“, erklärt Niestrath. „Ein Regensammler mit Überlaufstopp sorgt dafür, dass das Wasser richtig ablaufen kann und durch zu hohen Druck keine Blätter und Pollen in die Tonne gelangen.“

Regenwasser sammeln: Welche Zisternengröße passt zum Dach?

Mit wie vielen Litern man rechnen kann, lässt sich mit einer einfachen Faustformel ausrechnen:

Jahresertrag = Dachfläche m² × Niederschlag (mm, entspricht l/m²) × Ertragsbeiwert

Als Größe nimmt man die Dachfläche, als ob man ein Flachdach hätte. Denn die Menge Regen, die fällt, ist bei Walm- und Spitzdach die gleiche. Der Ertragsbeiwert variiert je nach Oberfläche. Auf glatten Solarpanels fließt der Regen am schnellsten ab. Solardächer haben einen Ertragsbeiwert von 0,9, also 90 Prozent. Auf Ziegeldächern fließen 80 Prozent ab (Ertragsbeiwert 0,8), auf Gründächern 50 Prozent, bei intensiver Begrünung sogar nur 30 Prozent (Ertragsbeiwert 0,5). Bei Bitumendächern sollte man auf Regentonnen und Zisternen verzichten, weil organische Stoffe sich ausspülen und die Zisterne zusetzen. Der Jahresertrag hängt auch von der jährlichen Niederschlagsmenge ab. Diese ist auf der Website der Kommune ausgewiesen oder beim Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen ersichtlich. Es gibt weitere Formeln, die auch den Verbrauch berücksichtigen sowie einige Online-Rechner. 

Regenwasser sammeln: Was kann die Zisterne leisten?

Wer einen mehr als 200 Quadratmeter großen Nutzgarten hat, kommt mit der Zisterne nicht hin, wenn es vier Wochen am Stück trocken und heiß ist. In manchen Teilen des Gartens lassen sich hitzeresistente Pflanzen setzen. Wer die Regenwassernutzungsanlage für Toilettenspülung und Waschmaschine betreibt, sollte dies in Perioden tun, in denen es regnet. jg

Schon gewusst?

Hitze und Trockenheit setzen Pflanzen in der warmen Vorderpfalz immer stärker unter Druck. Der Trockenheitsindex zeigt, wie oft Böden weniger als 30 Prozent des Wassers speichern, das Pflanzen unter guten Bedingungen zur Verfügung steht. In der Vorderpfalz stieg die Zahl solcher trockenen Tage seit den 1950er-Jahren von 71 auf bis zu 99 pro Jahr. Obwohl im Winter mehr Regen fällt, fehlt während der Vegetationszeit oft Wasser. Das spüren viele längst im eigenen Garten. Hohe Grundwasserspiegel kommen in Städten ausschließlich direkt am Rhein nur tiefer wuzelnden Bäumen zugute, beispielsweise den Platanen auf der Parkinsel. In anderen Stadtteilen Ludwigshafens hat man dieselben Probleme wie in der gesamten Vorderpfalz. Landau und Dürkheim sind besonders betroffen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Der Tank oder die Regentonne müssen zur Dachgröße passen. Qualitätsfiltersysteme, die zu Regensammelspeicher passen sind wesentlich, damit sich kein Schmutz sammelt.
Wer auf lange Sicht Geld sparen will, sammelt Regenwasser nicht nur für den Garten. Waschmaschine und Toilette lassen sich damit nutzen. Allerdings braucht es dafür eine eigene Leitung, die zu melden ist. Grau- und Trinkwasser dürfen nicht vermischt werden.
Wichtig ist, dass das Regenwasser versickern kann, wenn der Tank voll ist. Dass Wasser sollte kontrolliert in eine Mulde laufen oder in den Kanal.
Die Tanks, um Regenwasser zu sammeln, sind daher am Neubau Pflicht. Wer sich eine Zisterne oder Regentonnen besorgt, tut etwas, um Städte und ländliche Regionen klimaresilient zu machen.
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Julia Glöckner aus Ludwigshafen

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