Radrouten in Rheinland-Pfalz: Ausbau stockt weiter
- Pendler sollen auf der Strecke schnell mit dem Rad zum Wohnort und Arbeitsplatz fahren können.
- Foto: Helmut Fricke/dpa
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Rheinland-Pfalz. Wer in Rheinland-Pfalz fürs Pendeln aufs Rad umsteigen will, muss auf viele durchgängige Schnellverbindungen weiter warten. Von den sieben geplanten Pendler-Radrouten ist nach Angaben des Verkehrsministeriums in Mainz bislang keine komplett fertiggestellt.
Die Idee hinter den Pendler-Radrouten ist ein alltagstaugliches Netz für Wege zur Arbeit, zur Ausbildung oder zum Bahnhof. Vorgesehen sind durchgehende Radwege, die möglichst mindestens drei Meter breit sind und getrennt von anderen Verkehrsteilnehmern geführt werden. Das Land hat dafür eigene Standards entwickelt.
374 Kilometer Radnetz für Berufspendler
Die sieben Routen sollen dort entstehen, wo besonders viele Menschen zwischen Wohnort, Arbeitsstelle, Schule, Hochschule und Bahnhof unterwegs sind. Insgesamt ist ein Netz von 374 Kilometern geplant.
- Worms bis Wörth über Ludwigshafen und Speyer
- Landau bis Neustadt an der Weinstraße
- Kaiserslautern bis Landstuhl
- Konz, Trier und Schweich
- Koblenz bis Boppard
- Koblenz bis zur Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen
- Mainz bis Bingen in Rheinhessen
Möglichst viele vorhandene Radwege sollen genutzt werden. Viele Abschnitte müssen dafür aber ausgebaut oder an die Standards angepasst werden. Zuständig sind jeweils die Baulastträger vor Ort, meist also die Kommunen, durch deren Gebiet die Strecken laufen.
Warum der Ausbau so lange dauert
Das Verkehrsministerium verweist auf einen hohen Abstimmungsbedarf. Viele Einzelmaßnahmen müssten geplant und koordiniert werden. Nach Angaben des Ministeriums sind die fachlichen Details „sehr aufwändig und komplex“. Konflikte mit anderen Nutzern der Wege, etwa Landwirten oder Fußgängern, müssten ausgeschlossen werden.
Auch die Finanzierung ist ein Knackpunkt. Kommunen können Fördermittel von Land und Bund beantragen und sich vom Landesbetrieb Mobilität beraten lassen. Einen eigenen jährlichen Etat nur für Pendler-Radrouten gibt es im Landeshaushalt aber nicht.
Der ADFC Rheinland-Pfalz und der Verkehrsclub Deutschland kritisieren diese Struktur. Weil die Routen durch viele Kommunen führen, seien Planung und Umsetzung auf viele Akteure verteilt. ADFC-Geschäftsführer Robert Wöhler und VCD-Vertreterin Claudia Kunz sehen darin einen wichtigen Grund für die langen Verfahren.
Verbände fordern mehr Verantwortung beim Land
ADFC und VCD sprechen sich für eine zentralere Planung aus. Wöhler verweist auf den Wiederaufbau des Ahr-Radwegs. Dort habe sich gezeigt, dass der Landesbetrieb Mobilität gebündelte Verantwortung beim Bau von Radwegen tragen könne. Auch die grüne Fraktionschefin Katrin Eder fordert, Pendler-Radrouten künftig in Landeszuständigkeit zu planen und zu bauen. Das könne Kommunen auch bei der Instandhaltung entlasten.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die kommunale Prioritätensetzung. Radverkehr sei für Kommunen keine Pflichtaufgabe, betonen VCD und ADFC. Bei angespannten Haushalten rutsche der Ausbau der Pendler-Radrouten deshalb häufig nach hinten. Der VCD bemängelt zudem, dass die Strecke in Bingen vor allem am Rhein entlangführe und nicht ausreichend zu Wohnorten, Arbeitsplätzen und Gewerbegebieten in den Stadtteilen.
Erste Abschnitte sind offen, Kritik bleibt
Nach Angaben des Ministeriums sind Planung und Umsetzung bei den sieben Routen zu unterschiedlichen Zeitpunkten gestartet. Einzelne Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, etwa in Koblenz, in der Verbandsgemeinde Rhein-Mosel und in Speyer. Die Route zwischen Konz und Schweich über Trier wird seit 2023 schrittweise ausgebaut.
In Betrieb ist seit zwei Jahren ein Teilabschnitt der Verbindung zwischen Mainz und Bingen. Der zweite Abschnitt bis Mainz soll ab 2027 sukzessive folgen. Der VCD sieht aber auch bei bereits eröffneten Bereichen Mängel. Die vorgesehene Breite von drei Metern werde nur auf wenigen Abschnitten erreicht. Teilweise seien Wege nur 2,20 Meter breit. Außerdem müssten Radfahrer an Kreisverkehren und Straßenquerungen Autos die Vorfahrt lassen, was zügiges Pendeln erschwere.
Fertigstellung bis 2030 ist offen
Im Radverkehrs-Entwicklungsplan Rheinland-Pfalz 2030 steht das Ziel, alle sieben Pendler-Radrouten bis 2030 fertigzustellen. Das Verkehrsministerium macht inzwischen aber keine belastbare Zusage mehr für den Abschluss aller Strecken. Wegen bestehender Unwägbarkeiten seien genaue zeitliche Aussagen derzeit nicht möglich. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |