Notfallplan in Rheinland-Pfalz: Mehr Kühlmöglichkeiten für Tote gefordert
- Die Bestatter hatten in diesem Sommer viel Arbeit. (Symbolbild)
- Foto: Andreas Arnold/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Rheinland-Pfalz. Angehörige könnten bei kommenden Hitzewellen länger auf Freigaben und Bestattungen warten, wenn Kühlräume für Verstorbene nicht kurzfristig erweitert werden können. Der Bestatterverband Rheinland-Pfalz fordert deshalb ein Notfallkonzept, um Kühlkapazitäten bei großer Hitze oder anderen Lagen mit vielen Toten schnell aufzustocken.
Verbandsvorsitzender Patrick Merscher sagte in Mittelreidenbach im Kreis Birkenfeld der Deutschen Presse-Agentur, im Sommer habe es bei der Kühlung Engpässe gegeben. In Rheinland-Pfalz habe es rund 2.000 Hitzetote gegeben. Bestatter hätten übereinstimmend von überfüllten Kühlkapazitäten in kommunalen Einrichtungen und einzelnen Kliniken berichtet.
Einige Lösungen seien improvisiert gewesen und „weder fachlich noch hygienisch tragbar“, sagte Merscher. Es gehe nicht darum, zu dramatisieren. Die Abläufe müssten aber vorbereitet sein, bevor die nächste Hitzeperiode komme.
Bestatter wollen Teil der Vorsorge sein
Nach Angaben Merschers können Bestatter Expertise bei Bergung und Identifizierung von Toten einbringen. Auch eigene Kühlmöglichkeiten könnten genutzt werden. Er habe das Innenministerium dazu angeschrieben, aber noch keine Rückmeldung erhalten.
In Rheinland-Pfalz gebe es ein Notfallteam der Bestatter, das bei großen Lagen unterstützen könne. Möglich sei außerdem mobile Kühlung über den Bundesverband. Über den Verein „DeathCare“ könnten Kühlcontainer organisiert werden.
Wichtig seien aus Sicht des Verbands vor allem klare Abläufe:
- wer im Notfall Kühlkapazitäten meldet
- wer mobile Kühlung anfordert
- wo kommunale und klinische Kapazitäten verfügbar sind
- wie Freigaben und Überführungen ohne unnötige Verzögerung laufen
Merscher berichtete, dass es im Sommer Verzögerungen bei Überführung und Versorgung Verstorbener gegeben habe. Notwendige Freigaben und kommunale Lagerkapazitäten seien nicht immer rechtzeitig bereitgestanden. In einigen Fällen hätten Angehörige länger warten müssen, weil eine zeitnahe Todesfeststellung nicht möglich gewesen sei.
Mehr Einäscherungen im Sommer
Auch das Rhein-Taunus-Krematorium in Braubach-Dachsenhausen meldete eine deutlich höhere Auslastung. Juniorchefin Judith Könsgen sagte, im Juni und Juli habe es rund 20 Prozent mehr Einäscherungen gegeben als im Vorjahreszeitraum. Verzögerungen habe es dort nicht gegeben. „Wir arbeiten rund um die Uhr“, sagte sie.
Das Krematorium ist nach eigenen Angaben das größte in Rheinland-Pfalz und verfügt über acht Einäscherungsanlagen. Die sonst im Sommer üblichen Wartungen seien wegen der Auslastung in spätere Monate verschoben worden. Ziel sei es, Bestattern und damit Angehörigen die Urne schnellstmöglich zurückzugeben.
Könsgen verwies auch auf Erfahrungen aus der Flutkatastrophe im Ahrtal. Damals habe das Krematorium der Kriminalpolizei Kühlkapazitäten zur Verfügung gestellt, damit Tote identifiziert werden konnten. Entscheidend sei, dass alle Beteiligten die Abläufe kennen, Kapazitäten im Blick haben und wissen, wer im Notfall angerufen werden muss. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |