„Landtag goes Berufsschule“ zeigt messbare Wirkung auf junge Menschen

Der im Mai aus dem Amt geschiedene Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) hatte sich stets für das Programm starkgemacht. (Archivfoto) | Foto: Hannes P Albert/dpa
  • Der im Mai aus dem Amt geschiedene Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) hatte sich stets für das Programm starkgemacht. (Archivfoto)
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Mainz. Politische Bildung an Berufsschulen zeigt Wirkung. Ein Demokratie Projekt des rheinland-pfälzischen Landtags hat laut einer wissenschaftlichen Auswertung das Interesse junger Menschen an Politik gestärkt. Das Programm „Landtag goes Berufsschule“ führt zudem zu einer positiveren Bewertung der Demokratie.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Johannes Gutenberg Universität Mainz. Landtagspräsident Matthias Lammert bezeichnete das Projekt als wichtigen Baustein politischer Bildung.

Seit dem Start im Jahr 2022 hat der Landtag 16 Berufsbildende Schulen im Land jeweils drei Tage lang besucht. Dabei wurden nach Angaben des Parlaments fast 9.000 Schülerinnen und Schüler erreicht. Rund 500 Workshops fanden statt.

Workshops, Diskussionen und Graffiti Projekt

Ein Besuch des Landtags an einer Berufsschule umfasst mehrere Formate. Dazu gehören Workshops zur Demokratie sowie eine Diskussionsrunde mit einem Mitglied des Präsidiums des Landtags.

Zum Programm gehört auch ein gemeinsames Graffiti Projekt mit einem Künstler. Die entstandenen Bilder werden anschließend mit den Schülerinnen und Schülern besprochen.

Auswertung mit mehr als 700 Teilnehmenden

Für die wissenschaftliche Untersuchung wurden Schülerinnen und Schüler der Berufsbildenden Schule Wissen im Landkreis Altenkirchen befragt. Dort war der Landtag am Dienstag, 9. Dezember zu Gast gewesen.

Verglichen wurden die Einstellungen von Jugendlichen, die an Workshops teilnahmen, mit denen von Jugendlichen ohne Teilnahme. Mehr als 700 Personen wurden dafür einbezogen.

Zusätzlich nahmen knapp 1.700 Schülerinnen und Schüler anderer Berufsschulen im Land an der Befragung teil. Darunter waren sowohl Teilnehmende des Programms als auch Jugendliche ohne Kontakt zum Projekt.

Mehr Vertrauen in politische Mitwirkung

Die Auswertung zeigt mehrere Effekte des Projekts:

  • Teilnehmende glauben häufiger, selbst Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen zu können.
  • Das Vertrauen in demokratische Prozesse wächst.
  • Populistische Vorbehalte nehmen bei Teilnehmenden tendenziell ab.

Weniger deutlich sind die Effekte bei Einstellungen gegenüber verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Zwar zeigt sich eine offenere Haltung gegenüber unterschiedlichen Religionsgruppen. Bei Themen wie sexueller Orientierung oder Nationalität konnten jedoch keine vergleichbaren Veränderungen festgestellt werden.

Auch Vorurteile lassen sich durch einen einzelnen Workshop kaum reduzieren. Solche Einstellungen entstehen oft über längere Zeit und lassen sich nur schwer durch eine 90 Minuten Einheit verändern, heißt es in der Studie.

Der Leiter der empirischen Politikforschung an der Universität Mainz, Professor Sascha Huber, zeigte sich dennoch positiv überrascht von den Ergebnissen.

Berufsschulen bislang selten im Fokus

Nach Einschätzung des Landtags werden Berufsschulen bislang seltener von Angeboten politischer Bildung erreicht als andere Schulformen. Gleichzeitig zeige Forschung, dass dort ein besonderer Bedarf besteht.

Bei Besuchen werde häufig deutlich, dass viele junge Menschen mit Politik bislang wenig Berührung haben. Ziel des Programms sei es deshalb zu zeigen, dass Politik auch ihren Alltag betrifft.

Rund 150.000 Euro hat der Landtag bisher in das Projekt investiert. Das Programm soll künftig weiter ausgebaut werden. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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