Gedenkort in Mannheim: Bahn erinnert an getöteten Zugbegleiter

Im ersten Halbjahr 2026 wurden bei DB Regio 989 körperliche Übergriffe gezählt, darunter 22 schwere Körperverletzungen. (Archivbild) | Foto: Carsten Koall/dpa
  • Im ersten Halbjahr 2026 wurden bei DB Regio 989 körperliche Übergriffe gezählt, darunter 22 schwere Körperverletzungen. (Archivbild)
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Mannheim. Reisende am Mannheimer Hauptbahnhof sehen ab Freitag, 18. September, auf Gleis 1 einen offiziellen Gedenkort für den im Dienst getöteten Zugbegleiter Serkan Calar. Die Tafel wird um 15.30 Uhr freigegeben. Erwartet werden Bahnchefin Evelyn Palla und Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU), außerdem Angehörige, Freunde und Beschäftigte der Deutschen Bahn.

Calar stammte aus Ludwigshafen und hatte seinen Dienstort in Mannheim. Der 36-Jährige wurde Anfang Februar in einem Regionalexpress nahe Landstuhl in der Westpfalz von einem Fahrgast ohne gültigen Fahrschein angegriffen. Er erlitt eine Hirnblutung und starb. Calar hinterließ zwei minderjährige Kinder.

Was sich für Fahrgäste und Personal ändert

Die Bahn verbindet das Gedenken mit neuen Sicherheitsmaßnahmen. Für Fahrgäste kann das im Alltag vor allem mehr sichtbare Präsenz im Zug, Bodycams bei Beschäftigten und zusätzliche Sicherheitskräfte bedeuten. Ziel ist nach Angaben des Konzerns, Konflikte bei Kontrollen früher zu erkennen und besser zu deeskalieren.

Bei DB Regio haben nach Bahnangaben inzwischen mehr als 90 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Schulung für Bodycams absolviert. Im Fernverkehr und an Personenbahnhöfen wurde die Bodycam im Sommer eingeführt. Von Oktober an soll bei DB Regio Mitte zusätzlich die Tonaufzeichnung der Kameras getestet werden.

Die Bahn setzt dabei nicht nur auf Beweise nach einem Vorfall. Die Kameras sollen auch abschrecken, bevor eine Kontrolle eskaliert. Deeskalationsschulungen sind für Beschäftigte verpflichtend. Bei DB Regio gibt es zudem ein Training zur Selbstbehauptung im Zug, im Fernverkehr ein Selbstschutztraining.

Mehr Personal bei Kontrollen

Eine Kamera kann einen Angriff dokumentieren, aber nicht immer verhindern. Deshalb erprobt DB Regio bis Ende des Jahres auf ausgewählten Strecken Doppelbesetzungen von Kundenbetreuern. In weiteren Pilotprojekten sollen Teams aus Kundenbetreuung und Sicherheitskräften gemeinsam unterwegs sein.

Auch Vollkontrollen werden anders organisiert. Sechs bis acht Kundenbetreuer können gemeinsam durch einen Zug gehen. Die Idee dahinter ist einfach: Wer in einer schwierigen Situation nicht allein ist, kann schneller Hilfe holen und besser reagieren. DB-Regio-Chef Harmen van Zijderveld sagt: „Wir tun alles, um die Sicherheit unserer Mitarbeitenden bei Kontrollsituationen zu erhöhen und mit der verstärkten Personalpräsenz auch brenzlige Situation besser deeskalieren zu können“.

Schutzwesten, Helme und Hilfe per App

Seit Juli testen Kundenbetreuer bei DB Regio stichhemmende Westen. Die Mobile Unterstützungsgruppe von DB Sicherheit erprobt bis Jahresende Schutzhelme. Von Freitag, 18. September, an soll außerdem eine neue App starten. Damit können Beschäftigte freiwillig Kolleginnen und Kollegen in DB-Regio-Zügen unterstützen, bis DB Sicherheit oder Polizei eintreffen.

Der Konzern begründet die Maßnahmen mit steigenden Belastungen für das Personal. Im vergangenen Jahr wurden konzernweit 3.264 körperliche Übergriffe auf Beschäftigte registriert. Rund 70 Prozent davon betrafen Zugbegleitpersonal. Allein bei DB Regio waren es 1.659 Fälle. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden dort bereits 989 körperliche Übergriffe gezählt, darunter 22 schwere Körperverletzungen.

Urteil nach tödlicher Ticketkontrolle

Das Landgericht Zweibrücken verurteilte den 26 Jahre alten Täter wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Gefängnis. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Fall löste bundesweit Entsetzen aus und verschärfte die Debatte über Sicherheit im öffentlichen Verkehr.

Personalvorstand Martin Seiler betont, Calars Tod dürfe nicht vergessen werden. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) will härtere Strafen für Angriffe auf Bahn-Beschäftigte. Für die Bahn soll der Gedenkort auf Gleis 1 deshalb mehr sein als eine Erinnerung. Er steht auch für den Anspruch, Beschäftigte und Fahrgäste besser zu schützen. dpa/red

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dpa content aus Ludwigshafen

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