Entscheidung zu O-Bussen in Solingen: Rat berät erst im November
- Ein Oberleitungsbus fährt durch die Innenstadt von Solingen. (Archivbild)
- Foto: Henning Kaiser/dpa
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Solingen. Für Fahrgäste gibt es bei den Oberleitungsbussen vorerst keine unmittelbare Änderung: Die Entscheidung über die langfristige Zukunft des Systems soll erst im November fallen. Eine Studie empfiehlt der Stadt, den Nahverkehr auf Dauer vollständig auf Batteriebusse umzustellen.
In Solingen fahren Oberleitungsbusse seit den 1950er Jahren. Die Fahrzeuge beziehen während der Fahrt Strom aus Leitungen über der Straße und können mit zusätzlichen Batterien auch Abschnitte ohne Oberleitung zurücklegen. Die Stadtwerke verweisen für die O-Bus-Flotte auf Strom aus erneuerbaren Energien.
Studie sieht Vorteile bei Batteriebussen
Die Machbarkeitsstudie bewertet einen ausschließlich batterieelektrischen Betrieb langfristig als wirtschaftlichste Variante. Als Gründe nennt sie niedrigere Betriebs- und Unterhaltungskosten sowie weniger komplexe Infrastruktur. Für das O-Bus-System sind spezielle Fahrzeuge, Ersatzteile und Oberleitungen nötig. Nach Angaben der Stadtwerke erschwert das die wirtschaftliche Beschaffung.
Ein schneller Wechsel steht jedoch nicht bevor. Sollte Solingen sich für Batteriebusse entscheiden, soll die Umstellung laut Stadtwerke über rund 20 Jahre erfolgen. Dabei würde das technische Nutzungsende der vorhandenen Anlagen berücksichtigt.
Gemischte Flotte fährt weiter
Derzeit betreibt Solingen eine gemischte Busflotte. Dazu gehören 36 O-Busse mit Batterie für oberleitungsfreie Strecken. Weitere 24 dieser Fahrzeuge sind bestellt. Außerdem sind 27 O-Busse mit Diesel-Hilfsmotor sowie 46 Dieselbusse im öffentlichen Nahverkehr im Einsatz.
Deutschlandweit gibt es O-Bus-Systeme nur noch in Solingen, Eberswalde und Esslingen am Neckar. Ein Systemwechsel in Solingen würde deshalb die Zahl der Städte mit diesem Verkehrsmittel auf zwei senken.
Esslingen hält an Oberleitungen fest
Esslingen hat sich bereits vor knapp zwei Jahren für die Fortführung seines Batterie-Oberleitungsbuskonzepts entschieden. Dort soll der städtische Busverkehr bis Ende 2026 vollständig elektrisch fahren. Nach einer Vergleichsrechnung erwartete die Stadt für die Fortführung des bestehenden Konzepts eine geringere jährliche Belastung.
Der Wuppertaler Elektromobilitätsforscher Benedikt Schmülling hält einen Systemwechsel in Solingen nicht für unausweichlich. Oberleitungen verursachten zwar Kosten, böten aber Vorteile wie das Laden während der Fahrt, kleinere Batterien und eine hohe Verfügbarkeit. Langfristig könnten Batteriebusse wegen steigender Stückzahlen und sinkender Kosten dennoch wirtschaftlicher werden. Welche Lösung passt, hängt laut Esslingen vor allem von Infrastruktur, Streckenprofil, Betrieb und Förderbedingungen vor Ort ab. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |