Abwahl nach Wahlerfolg: Jan Bollinger verliert Abstimmung um AfD-Fraktionsvorsitz

Jan Bollinger wird nicht Oppositionsführer.  | Foto: dpa
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Fraktionswechsel. Mainz erlebt wenige Tage nach der Landtagswahl einen überraschenden Machtwechsel in der AfD-Fraktion. Der bisherige Vorsitzende und Spitzenkandidat Jan Bollinger wurde abgewählt.

Nach Angaben aus der Fraktion entschied sich die deutlich erstarkte AfD am Dienstag in Mainz für den bisherigen Geschäftsführer Michael Büge als neuen Fraktionschef. Wie viele Stimmen Büge bei der Kampfkandidatur erhielt, wurde nicht mitgeteilt. Bollinger zeigte sich selbst überrascht und sprach von Erklärungsbedarf.

„Ich bin nicht davon ausgegangen, dass man drei Tage nach dem größten Wahlerfolg in der Geschichte der AfD in Westdeutschland den Fraktionsvorsitzenden und Spitzenkandidaten nicht mehr wählt“, sagte der 49-Jährige. Er kündigte an, sich weiterhin konstruktiv in die Fraktionsarbeit einzubringen.

Landesverband wird von Münzenmaier geprägt

Als prägende Figur des rheinland-pfälzischen Landesverbands gilt seit Längerem der stellvertretende Landeschef Sebastian Münzenmaier. Der Bundestagsabgeordnete tritt bei öffentlichen Auftritten oft gemeinsam mit Bollinger auf. Auch der künftige Landtagsabgeordnete Robin Classen hatte zuletzt eine sichtbare Rolle im Landesvorstand.

Bollinger selbst Sieger früherer Machtkämpfe

Bollinger war 2022 aus einem parteiinternen Machtkampf als Sieger hervorgegangen. Damals übernahm er den Landesvorsitz von Michael Frisch und anschließend auch den Fraktionsvorsitz im Landtag. Wie lange er Landeschef bleibt, ist offen.

Bei seiner Wahl zum Spitzenkandidaten im vergangenen Sommer hatte es ebenfalls Gegenkandidaten gegeben. Bollinger erhielt dennoch 71,33 Prozent der Stimmen.

Politische Positionen und Werdegang

Im Wahlkampf hatte Bollinger unter anderem angekündigt, eine AfD-geführte Landesregierung würde Ausreisegewahrsam und Abschiebehaft einführen. Zudem nannte er den Flughafen Hahn als möglichen Abschiebeflughafen für ein nationales Pilotprojekt. Weitere Ankündigungen betrafen den Rundfunkstaatsvertrag, die Windkraft und einen Einstieg in die Atomkraft.

Bollinger studierte Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre in Greifswald, Bonn und Koblenz und promovierte in Kassel. Er arbeitete als Unternehmensberater und als Verwaltungsleiter in der Jugendhilfe. Der gebürtige Koblenzer sitzt seit 2016 für die AfD im rheinland-pfälzischen Landtag und lebt in Neuwied. dpa/red

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Cornelia Bauer aus Speyer

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