80. Geburtstag in Rheinland-Pfalz: Autor Schami sorgt sich um Syrien
- Schamis Werk zeichnet die Überzeugung aus, dass Geschichten Menschen verbinden können.
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Rheinland-Pfalz. Kurz vor seinem 80. Geburtstag blickt der Schriftsteller Rafik Schami mit Sorge auf die Entwicklung in seiner syrischen Heimat. Der seit Jahrzehnten in Deutschland lebende Autor sieht nach dem Sturz des Assad Regimes bislang kaum Anlass zur Hoffnung.
Der in Damaskus geborene Schriftsteller sagte der Deutschen Presse Agentur, viele Erwartungen hätten sich bisher nicht erfüllt. Auf die Frage, ob die Veränderungen eine Rückkehr nach Syrien möglich machten, antwortete er klar. „Leider nein.“
Wäre er jünger, hätte er den Schritt vielleicht gewagt. Doch mit Blick auf sein Alter und die politische Lage sei das Risiko zu groß. „Ich bin 80 und habe kein Vertrauen, dass ich unbeschadet zurückkomme. Da ich den Mund nicht halten kann. Sonst wäre ich nicht über 50 Jahre im Exil“, sagte Schami. Der Autor kam 1971 nach Deutschland.
Besorgt äußerte er sich auch über die Situation religiöser Minderheiten. Islamistische Gruppen würden Christen immer wieder belästigen. Die Regierung greife nach seiner Einschätzung nicht ausreichend ein.
Leidenschaftlicher Verteidiger der Erzählkunst
Kritisch äußerte sich Schami zudem über den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al Scharaa. Seine anfängliche Hoffnung habe stark nachgelassen. „Meine Begeisterung für Ahmed al Scharaa verblasst Tag für Tag.“
Der Autor kritisierte unter anderem dessen Umgang mit Frauen. Dass al Scharaa Frauen nicht die Hand gebe, gleichzeitig aber internationalen Politikern wie Wladimir Putin oder Donald Trump, bezeichnete Schami als Opportunismus. „Das hat mit dem Islam nichts zu tun.“
Geboren wurde Rafik Schami am Montag, 23. Juni, in Damaskus. Nach seiner Ankunft in Deutschland promovierte er in Heidelberg zunächst in Chemie. Um die deutsche Sprache zu lernen, schrieb er große Werke der Literatur mit der Hand ab. Darunter Thomas Manns „Buddenbrooks“ sowie Texte von Heinrich Heine, Kurt Tucholsky und Anna Seghers.
Rafik Schami ist ein Künstlername und bedeutet „Damaszener Freund“. Sein bürgerlicher Name lautet Suheil Fadél. Seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und machten ihn zu einem der bekanntesten Erzähler deutscher Sprache.
Neue Bücher auch mit 80 Jahren
Den literarischen Durchbruch schaffte Schami 2004 mit dem Roman „Die dunkle Seite der Liebe“. Auch Jahrzehnte nach seiner Flucht bleibt Syrien ein zentrales Thema seines Lebens und seiner Werke.
Erst vor wenigen Wochen erschien sein neuer Roman „Das Mosaik der Frauen“. Das Buch schaffte es auf die Spiegel Bestsellerliste. Darin verbindet Schami Erinnerungen, Sehnsucht und Hoffnung zu einem vielschichtigen Bild.
Auf Lesereisen wird der Autor mit dem neuen Buch allerdings erstmals seit Jahrzehnten verzichten. Die Tourneen hätten ihm immer große Freude bereitet, sagte er. Das unmittelbare Erlebnis mit dem Publikum sei für ihn etwas Besonderes gewesen.
Seinen 80. Geburtstag am Montag, 23. Juni, will Schami zunächst mit seiner Familie feiern. Sein Verlag organisiert dazu eine Feier in München. Danach plant der Schriftsteller einige ruhige Tage mit seiner Frau in der Umgebung. „Als erste Übung auf die kommenden Jahre“, sagte er mit einem Lächeln. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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