Tödlicher Unfall in Runkel: Drei Arbeiter sterben in Lederfabrik
- Nach dem folgenschweren Arbeitsunfall mit drei Toten und zwei lebensgefährlich Verletzten bleibt die Lederfabrik geschlossen.
- Foto: Sascha Ditscher/dpa
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Runkel. Nach dem tödlichen Arbeitsunfall in einer Lederfabrik trauert die Stadt Runkel im Kreis Limburg Weilburg um drei Männer. Am Freitag, 17. April, kamen erneut Einsatzkräfte zu dem Firmengelände am Stadtrand. Bei Ermittlungen der Polizei wurde ein ungewöhnlicher Geruch festgestellt. Die Feuerwehr sperrte den Bereich vorsorglich ab.
Nach Angaben von Feuerwehrsprecher Jörg Martin konnte die Herkunft des Geruchs zunächst nicht bestimmt werden. Spezialisten des Landkreises führten Messungen auf dem Gelände durch. Ziel war es zu klären, ob möglicherweise ein gefährlicher Stoff austritt. Nach bisherigen Angaben wurde niemand beeinträchtigt. Die Maßnahmen gelten als reine Vorsichtsmaßnahme.
Drei Männer sterben bei Arbeiten in einer Grube
Der schwere Unfall ereignete sich am Donnerstag, 16. April, in der Lederfabrik und Pelzgerberei der Kleinstadt mit rund 9500 Einwohnern. Drei Arbeiter im Alter von 38, 58 und 59 Jahren wurden aus einer Grube geborgen. Für sie kam jede Hilfe zu spät. Zwei weitere Männer wurden lebensgefährlich verletzt. Nach Angaben der Polizei befanden sie sich auch am Freitag weiterhin in kritischem Zustand.
Verdacht auf Kohlenmonoxidvergiftung
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen. Nach Einschätzung der Behörden könnte eine Kohlenmonoxidvergiftung in der Grube zum Tod der Arbeiter geführt haben. Darauf verwies auch Hessens Innenminister Roman Poseck.
Untersucht wird nun, welche Chemikalien sich in der Grube befanden und wie es zu der Verkettung der Ereignisse kommen konnte. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Gießen ist zudem unklar, wer den Schacht zuerst über eine Leiter betreten hatte. Ein Experte des Regierungspräsidiums aus dem Bereich Arbeitsschutz und Umwelt verschaffte sich am Freitag vor Ort ein Bild der Lage. Auch Vertreter der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie waren auf dem Firmengelände.
Betroffenheit in der Nachbarschaft
Anwohner zeigten sich am Freitag erschüttert. Ein Paar aus der Nachbarschaft berichtete, man habe von dem Unglück erst aus den Nachrichten erfahren. Die Betreiber der traditionsreichen Gerberei kenne man von Begegnungen im Alltag. Von dem Betrieb selbst habe man sonst nur gelegentlich Geruch wahrgenommen. Die rund 200 Jahre alte Firma beschäftigt weniger als zehn Mitarbeitende. Zuletzt war der Betrieb im November 2023 von der Arbeitsschutzbehörde überprüft worden.
Trauergottesdienst am Freitagabend
Für die Opfer ist am Freitag, 17. April, ein ökumenischer Trauergottesdienst geplant. Zwischen 18 Uhr und 20 Uhr können Bürgerinnen und Bürger gemeinsam innehalten. Ab 19 Uhr sollen in Runkel und im Stadtteil Schadeck die Kirchenglocken läuten. Die Stadt kündigte zudem an, die Fahnen auf halbmast zu setzen.
Bürgermeisterin Antje Hachmann erklärte, die Gedanken der Stadt seien bei den Opfern, ihren Angehörigen sowie den Einsatzkräften. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |