Moskau: Berufungsprozess gegen Satiriker Tilly beginnt

Der Karnevalswagenbauer Jacques Tilly ist in Moskau in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden - nun ist ein Revisionsprozess angekündigt. (Archivbild) | Foto: Oliver Berg/dpa
  • Der Karnevalswagenbauer Jacques Tilly ist in Moskau in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden - nun ist ein Revisionsprozess angekündigt. (Archivbild)
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Moskau. Der in Russland verurteilte Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly steht erneut im Fokus der Justiz. Vor dem Moskauer Stadtgericht beginnt am Dienstag, 9. Juni, ein Berufungsprozess gegen den deutschen Satiriker. Tilly war zuvor in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Unklar ist bisher, worüber das Gericht konkret verhandeln will. Tilly erklärte im Vorfeld, er wisse nicht, ob die Staatsanwaltschaft oder seine Verteidigung Revision eingelegt habe. Die Pflichtverteidigerin hatte zuvor Freispruch aus Mangel an Beweisen gefordert. Die Staatsanwaltschaft verlangte in dem Verfahren neun Jahre Straflager.

Nach Angaben der Verteidigung gelang es nicht, direkten Kontakt mit dem Angeklagten aufzunehmen. Auch die deutsche Botschaft in Moskau konnte den Austausch nicht herstellen. Beobachter der Botschaft verfolgen die Verhandlung dennoch vor Ort.

Putin und Patriarch Kirill Ziel der Satire

Ein Moskauer Gericht hatte im April entschieden, dass Tilly mit seinen Karnevalswagen religiöse Gefühle verletzt und Falschinformationen über die russischen Streitkräfte verbreitet habe. Hintergrund sind satirische Darstellungen aus dem Düsseldorfer Rosenmontagszug. Darin griff Tilly wiederholt den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Angriffskrieg gegen die Ukraine an. Auch der russisch orthodoxe Patriarch Kirill wurde in den Motiven verspottet.

Im Verfahren spielte besonders ein Wagen aus dem Jahr 2024 eine Rolle. Darauf wurden Figuren von Putin in Uniform und Kirill in einer provokativen Szene dargestellt.

Tilly selbst zeigte sich vor dem neuen Gerichtstermin gelassen. Er sei davon ausgegangen, dass das Urteil aus dem April die Angelegenheit abgeschlossen habe. Eine direkte Information über das Berufungsverfahren habe er nicht erhalten.

Keine Auslieferung aus Deutschland

Eine Auslieferung des Künstlers nach Russland ist nach deutschem Recht nicht zu erwarten. Probleme könnten jedoch bei Reisen in Staaten entstehen, die gesuchte Personen an Russland überstellen. Moskau könnte Tilly international zur Fahndung ausschreiben.

Die Bundesregierung hatte das Urteil aus Moskau zuvor scharf kritisiert. Der deutsche Botschafter in Russland sprach von einem „absurden Schauspiel“ und verwies auf die Bedeutung der Kunst und Meinungsfreiheit.

Tilly ist international für seine politischen Mottowagen im Düsseldorfer Karneval bekannt. Viele seiner Arbeiten greifen politische Konflikte und autoritäre Regime satirisch auf. Immer wieder stehen dabei auch Motive rund um den russischen Präsidenten Putin im Mittelpunkt. dpa/red

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Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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