Millionenbetrug mit Handys: Zoll jagt Bande in 19 Ländern
- 1700 Steuer-, Zoll- und Polizeifahnder vollstrecken etwa 160 Durchsuchungsbeschlüsse in 19 Ländern
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Essen. Am Dienstag, 29. September, berichtet das Zollfahndungsamt Essen um 10.47 Uhr über einen internationalen Großeinsatz in 19 Ländern gegen eine mutmaßliche Betrugsbande im Handyhandel. Seit den Morgenstunden vollstrecken rund 1700 Steuer-, Zoll- und Polizeifahnder etwa 160 Durchsuchungsbeschlüsse in Österreich, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Estland, Finnland, Deutschland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Polen, Portugal, Rumänien, der Slowakei, Spanien, der Schweiz und den Niederlanden. Im Vereinigten Königreich wird eine Zeugin vernommen.
Sieben Haftbefehle waren bereits am Samstag, 26. September, in Österreich, Deutschland und Spanien vollstreckt worden. Darunter sollen die beiden mutmaßlichen Anführer der Organisation sein. Zudem wurden 15 Objekte durchsucht. Eine große Zahl digitaler und analoger Beweismittel sowie Vermögenswerte wurde am Samstag und am Dienstag beschlagnahmt und gesichert. Koordiniert werden die Maßnahmen vom Zollfahndungsamt Essen gemeinsam mit der Europäischen Staatsanwaltschaft, dem Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität Nordrhein-Westfalen und der Polizei Düsseldorf.
Die Europäische Staatsanwaltschaft in Köln ermittelt gegen eine Organisation wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung, des gewerblichen und bandenmäßigen Einfuhrschmuggels, des Mehrwertsteuerbetrugs, des bandenmäßigen Betrugs und des Verstoßes gegen das Markenrecht. Die Gruppe soll mehr als eine Million Mobiltelefone führender Hersteller als Neuware verkauft haben, obwohl es sich tatsächlich um gebrauchte Geräte gehandelt haben soll. Nach Angaben der Ermittler entstand Verbrauchern in der EU ein geschätzter Betrugsschaden von mindestens 300 Millionen Euro. In mehreren EU-Staaten soll zudem ein Mehrwertsteuerausfall von 30 Millionen Euro entstanden sein, allein in Deutschland mindestens 25 Millionen Euro.
Nach den Ermittlungen im Komplex „Troja“ sollen die Mobiltelefone aus gebrauchten Bauteilen in Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammengebaut worden sein. Anschließend seien sie gereinigt, als neue Mobiltelefone verpackt und in die Niederlande verschickt worden. Von dort sollen sie zu Lagern in Deutschland transportiert und über Online-Marktplätze an Endkunden in der gesamten EU verkauft worden sein.
Die Ermittler gehen außerdem davon aus, dass Briefkastenfirmen in Österreich, Bulgarien, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz seit 2018 eine umsatzsteuerliche Sonderregelung für Wiederverkäufer betrügerisch genutzt haben. Dabei soll die sogenannte Differenzbesteuerung angewandt worden sein, obwohl die Voraussetzungen dafür nicht vorlagen. Statt nur die Marge zu besteuern, hätte nach Angaben der Ermittler die Umsatzsteuer auf den gesamten Netto-Verkaufspreis berechnet werden müssen. Das System soll Kunden in der gesamten EU getäuscht und in den betroffenen Ländern erhebliche Steuerausfälle verursacht haben.
Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch einen Bericht des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung. Für alle betroffenen Personen gilt die Unschuldsvermutung, bis ihre Schuld vor den zuständigen Gerichten bewiesen ist. Verbraucher, die den Verdacht haben, Opfer dieses Betruges geworden zu sein, können sich per E-Mail an Troja.GZD@zka.bund.de wenden. Telefonische Anfragen sind nach Angaben der Behörden nicht möglich.
Autor:Blaulichtmeldungen aus dem Südwesten aus Rheinhessen |