Haftbefehle in Koblenz aufgehoben: Fake-Abo-Ermittlungen
- Die Ermittler hatten ihre Arbeit gegen die mutmaßlichen Betrüger «Operation Chargeback» genannt. (Archivbild)
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Koblenz. Die Ermittlungen zu mutmaßlichen Online-Fake-Abos laufen weiter, neun Beschuldigte kommen jedoch vorerst aus der Untersuchungshaft. Das Landgericht Koblenz hat die Haftbefehle aufgehoben, weil ohne weitere Ermittlungen kein dringender Tatverdacht wegen Computerbetrugs oder Betrugs festgestellt werden könne.
Einige der Beschuldigten saßen nach Angaben des Gerichts mehr als elf Monate in Untersuchungshaft. Da die nötigen Nachermittlungen voraussichtlich lange dauern, seien die Haftbefehle nicht länger aufrechtzuerhalten. Über die Vorwürfe ist damit noch nicht abschließend entschieden.
Anklage in bisheriger Form nicht zugelassen
Das Landgericht hatte zuvor auch die am 18. Juni erhobene Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz in ihrer bisherigen Form nicht zugelassen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Kreditkartendaten erlangt und für Abbuchungen verwendet wurden. Davon hängt ab, ob die Vorwürfe strafrechtlich als Betrug oder als Computerbetrug einzuordnen sind.
Bei der sogenannten „Operation Chargeback“ hatten Ermittler vor knapp einem Jahr mutmaßliche Betrugs- und Geldwäschenetzwerke auf drei Kontinenten durchsucht. Beteiligt war auch das Bundeskriminalamt. Ein Chargeback ist die Rückbuchung einer Kartenzahlung, nachdem ein Kunde bei seiner Bank etwa wegen eines Betrugs eine Stornierung verlangt.
Millionen Fake-Abos und kleiner Abbuchungsbeträge
Den Dutzenden Beschuldigten wird vorgeworfen, Kreditkartendaten von Menschen aus 193 Ländern über gefälschte Webseiten genutzt zu haben. Die Seiten sollen angebliche Porno-, Dating- und Streamingangebote beworben haben. So seien mehr als 19 Millionen Fake-Abos abgeschlossen worden.
Nach den Vorwürfen waren monatliche Abbuchungen bewusst niedrig angesetzt und mit schwer verständlichen Verwendungszwecken versehen. Kreditkarteninhaber sollten die Zahlungen dadurch übersehen oder nicht eindeutig zuordnen können. Mehr als vier Millionen Karteninhaber und über 500 Scheinfirmen sollen betroffen sein.
Der mutmaßliche Gesamtschaden aus den Jahren 2016 bis 2021 liegt nach früheren Angaben der Generalstaatsanwaltschaft bei mehr als 300 Millionen Euro. Ausgangspunkt der jahrelangen Ermittlungen war demnach Montabaur im Westerwald, wo ein Beschuldigter einen Wohnsitz oder eine Firma gehabt haben soll. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |