Lesetrend in Mainz: Silent Book Club bringt Menschen zusammen

Gemeinsam und doch irgendwie auch für sich mit dem Buch, das ist Teil des Konzepts des Silent Book Clubs in Mainz und anderer vergleichbarer Angebote.  | Foto: Helmut Fricke/dpa
  • Gemeinsam und doch irgendwie auch für sich mit dem Buch, das ist Teil des Konzepts des Silent Book Clubs in Mainz und anderer vergleichbarer Angebote.
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Mainz. Gemeinsam lesen statt allein auf dem Sofa. In Mainz treffen sich Bücherfans regelmäßig zum sogenannten Silent Book Club. Das Konzept verbindet ruhige Lesezeit mit zwanglosem Austausch und gewinnt auch in Rheinland Pfalz immer mehr Anhänger.

An einem warmen Sommerabend sitzt eine kleine Gruppe auf Stühlen vor einem der ältesten Häuser der Mainzer Altstadt. Es ist ungewöhnlich still. Nur Tauben sind zu hören. Der Grund ist einfach. Alle lesen.

Der Silent Book Club Mainz wurde 2024 gegründet. Die Treffen sind kostenlos und offen für alle. Eine Mitgliedschaft ist nicht nötig. In der Regel kommen Interessierte zweimal im Monat zusammen.

Zu Beginn stellen die Teilnehmer kurz ihr mitgebrachtes Buch vor. Danach folgt etwa eine Stunde stille Lesezeit. Wer möchte, bleibt anschließend noch zum Gespräch.

Ganz unterschiedliche Bücher auf dem Tisch

Die Auswahl der Bücher ist bunt gemischt. Eine Teilnehmerin liest „Die Enigma der Otilia“ des rumänischen Autors George Călinescu. Ein anderer hat sich klassische Literatur vorgenommen und greift zu Erzählungen von Alexander Puschkin. Wieder jemand anderes liest den Roman „Weird Girls“ der nordirischen Autorin Gráinne O'Hare. Manchmal entscheidet sogar das Cover über den Kauf.

Das Konzept wirkt auf Außenstehende zunächst ungewöhnlich. Menschen treffen sich, um dann jeder für sich zu lesen. Doch genau das macht den Reiz aus.

Ruhige Lesezeit und trotzdem Gesellschaft

Teilnehmer berichten, dass sie in der Gruppe leichter zur Ruhe kommen. Gleichzeitig bleibt Lesen ein eher stilles Hobby. In der Runde entsteht trotzdem ein Gefühl von Gemeinschaft.

Für Zugezogene kann das Treffen auch eine Gelegenheit sein, neue Leute kennenzulernen. Gleichzeitig bleibt der Ablauf locker. Niemand muss ein bestimmtes Buch lesen oder sich vorbereiten.

Wenn das Wetter schlechter ist, findet der Leseabend in den Räumen des Vereins kunSTück statt. Der Verein stellt Raum für unterschiedliche Kulturangebote zur Verfügung. Das Prinzip passt gut zum Silent Book Club. Sozialer Austausch ist möglich. Er wird aber nicht erzwungen.

Stiftung Lesen sieht positiven Trend

Auch die in Mainz ansässige Stiftung Lesen bewertet das Konzept positiv. In ruhiger Umgebung falle vielen Menschen die Konzentration leichter. Gleichzeitig entstehe nach der Lesezeit oft ein Austausch über Bücher und Ideen.

Ähnliche Clubs gibt es inzwischen auch in anderen Städten in Rheinland Pfalz. Von Trier bis Koblenz entstehen Treffen nach dem gleichen Prinzip.

Nach Einschätzung der Stiftung senken solche Angebote die Hürden zum Lesen. Ohne Pflichtlektüre und ohne Zeitdruck fällt der Einstieg leichter. Treffen in Bibliotheken oder Buchhandlungen stärken zudem die lokale Gemeinschaft.

Im Kern erinnert das Konzept an das „freie Lesen“, das aus der Leseförderung für Kinder bekannt ist. Nur eben für Erwachsene. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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