Ein kleiner Querschnitt durch die digitalen Angebote in der Region
Verschwinden Hilfeangebote nach Corona im digitalen Nirvana?

Nachbarschaftsnetzwerke in und nach der Corona-Krise: Gibt es Alternativen zu WhatsApp, Facebook & Co?
  • Nachbarschaftsnetzwerke in und nach der Corona-Krise: Gibt es Alternativen zu WhatsApp, Facebook & Co?
  • Foto: Gerd Altmann auf Pixabay
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Region (cke.). Die Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität in der Corona-Krise scheint gewaltig. Vereine, deren Mitglieder, kirchliche Institutionen, Seniorenbeiräte, organisierte Gruppeninitiativen und Privatpersonen bieten Unterstützung in verschiedenen Bereichen der Lebens- und Nachbarschaftshilfe an. Viele Aktivitäten des ehrenamtlichen, gesellschaftlichen Engagements vor Ort, laufen im Stillen ab. Dort wo Hilfe notwendig ist, da finden sich zumeist auch Lösungen, gerade hier in den Kommunen der Vorderpfalz, wo vieles noch übersichtlich und überschaubar ist, sich die Nachbarschaft noch „Face-to-Face“ grüßt und man doch irgendwie oft ein Auge auf den Anderen, Freunde oder entferne Verwandte wirft und sei es nur durch einen freundlichen Wink oder ein kurzes Hallo beim Vorbeigehen. Es verwundert insofern nicht, dass im Flächenland Rheinland-Pfalz und speziell in der Vorderpfalz in vielen Orten die Angebote für vielfältigste Hilfen offensichtlich die nachgefragten Unterstützungs- und Hilfeleistungen, insbesondere der sog. „Risikogruppen“, bislang übersteigen und – man mag es kaum auf diese Weise beschreiben – offensichtlich kein Bedarf besteht, bzw. nur spärlich in Anspruch genommen werden.
  
Natürlich ist dieser Umstand auch ganz überwiegend den eingangs genannten, vielfältigen Aktivitäten und Initiativen zu verdanken: Ein florierendes Gemeinwesen, eine „gelebte, gesunde Gemeinschaft vor Ort“, aber auch die um schnelle, unbürokratische Lösungen - sei es via Homepage oder Facebook - bemühten Verwaltungen und deren (Ober-/Verbands-/Orts-) Bürgermeister, kompensieren und bündeln derzeit vor Ort, lokal und unmittelbar an der Keimzelle der örtlichen Gemeinschaft vieles, auf das es in der schwierigen Zeit jetzt ankommt.
    
Doch wie ist derzeit das Feld rund um die digitale Vernetzung, dem Austausch und der Kommunikation innerhalb des bürgerschaftlichen Engagements im Land bestellt? Verschwinden die aktuellen Hilfe-Timelines und „gewachsenen Netzwerke“ nach Corona im digitalen Nirvana? Gibt es Alternativen zu Facebook, WhatsApp & Co?
  
Ja, es gibt sie in der Tat, aber der „digitale Ruck“ hat offensichtlich noch nicht alle Akteure erreicht. Auch in Rheinland-Pfalz existieren bereits gute Ansätze und technische Infrastrukturen, die es zu nutzen und auch zu bewerben gilt, ohne neue Dinge entwickeln oder konzipieren zu müssen. Die Potenziale für lokales Engagement im virtuellen Raum sind insoweit vorhanden, aber ausbau- und förderfähig.
 
Nachbarschaftsplattformen / Netzwerke:
Es lohnt sich also durchaus, sich mit Plattformen und Netzwerken wie nebenan.de oder dem DorfFunk, bzw. DorfNews unter digitale-doerfer.de intensiver auseinander zu setzen. Aktuell werden sie zwar als digitale Errungenschaft zu Zeiten der Corona-Krise angepriesen, aber sie stehen schon längere Zeit (seit 2015!) den Bürger*innen vor Ort als digitale Anwendungen zur Verfügung und bieten weitaus mehr, als nur Hilfesuchende und Helfende zusammenzubringen.
 
Auf den ersten Blick wirken sie freilich schwerfälliger als Facebook, fristen quasi (noch) ein Schattendasein, aber sie gewinnen zunehmend an Nutzen, je mehr Personen, Unternehmungen, Organisationen, Kommunalverwaltungen sich beteiligen. Und bei näherer Betrachtung zeigt sich sehr schnell, dass nicht nur örtliche Facebook-Gruppen zur Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls, des gemeinschaftlichen Miteinanders und lokaler Identität beitragen können.
  
So wurde beispielweise im Rahmen des Projektes „Digitale Dörfer“ schon viel (Steuer-) Geld in die Hand genommen, um die Kommunikation zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern einer Kommune zu fördern. Klar, die Bezeichnung des Projekts ist recht ungeschickt gewählt, suggeriert sie doch, dass man ausschließlich ländlichen, hinterwäldlichen Regionen eine Plattform der Repräsentation und Kommunikation bieten möchte. Aber es steckt wahrlich mehr drin und man hätte bei der Entwicklung sicher noch größer denken müssen. Über den DorfFunk lassen sich Nachrichten, Veranstaltungen, Angebote und Gesuche sowie tagesaktuelle Informationen in eigenen Gruppen unmittelbar und direkt austauschen und DorfNewsermöglicht Kommunen und Vereinen/Organisationen Informationen per Push-Nachricht an DorfFunk Benutzer der Region zu senden. Bedauerlicherweise haben viele Kommunen die Umsetzung dieser doch guten Gesamtstrategie bisher verschlafen, sodass auf den beiden Nachrichtenkanälen derzeit vielerorts noch Funkstille herrscht. Dass das Land Rheinland-Pfalz nun kurzfristig beide Apps kostenfrei landesweit freigeschaltet hat, lässt auf eine weitere Verbreitung/Nutzung hoffen.
 
Das Netzwerk nebenan.de, eine durch das Land Rheinland-Pfalz im Rahmen der Initiative "Neue Nachbarschaften in RLP" beworbene Plattform, ist neben dem US-amerikanischen Ableger nextdoor.de, das wohl größte Nachbarschaftsnetzwerk in Deutschland. Ein Benutzerkonto erhält man bei nebenan.de nur in der (nachgewiesenen) eigenen Nachbarschaft; nur mit dieser und angrenzenden Nachbarschaften kann man in Kontakt treten, also in der Umgebung des eigenen Wohnsitzes Nachbarn kennenlernen, Kontakte aufbauen und vertiefen und sich gegenseitig helfen. Ähnlich wie bei nicht öffentlichen Facebook-Gruppen ist es bei nebenan.de unter anderem möglich, Veranstaltungen anzukündigen (wahlweise auch außerhalb der eigenen Nachbarschaft einsehbar), Mitteilungen an die Mitglieder der eigenen Nachbarschaft und die der angrenzenden Nachbarschaften zu senden (Suchen, Angebote, Empfehlungen, allgemeine Mitteilungen), Gruppen zu bilden und Mitteilungen an eine Gruppe oder ein einzelnes Mitglied zu senden. Aktuell hat das Netzwerk auch ein Corona-Hilfeportal geschaltet, über das Helfende ihre Hilfe anbieten (www.nebenan.de/register), oder Hilfesuchende nach entsprechenden Angeboten suchen können (www.nebenan.de/corona).

Nebenan.de bietet zudem an, sogenannte „Organisationsprofile“ anzulegen, die in der Regel gemeinnützigen Einrichtungen, Institutionen wie bspw. Kommunen und Vereinen vorbehalten sind (www.organisation.nebenan.de). Gewerbliche Unternehmungen und Handel können ihre Angebote lokal präsentieren und sind auf diese Weise mit den einzelnen Nutzern des Netzwerkes insgesamt vernetzt (www.gewerbe.nebenan.de/).

Ehrenamtliche Corona-Portale:
Speziell in der Corona-Krise haben sich aber auch noch weitere Portale entwickelt. Der Fokus liegt hier jedoch weniger im aktiven nachbarschaftlichen, digitalen networking untereinander, aber sie vermitteln Hilfen oder verweisen auf Angebote, sich ehrenamtlich in der Gesellschaft einzubringen. So wurde beispielsweise die vom Bistum Speyer ursprünglich für den Umgestaltungsprozess konzipierte Plattform  Segensorte auf Grund der aktuellen Situation um Corona-Hilfsangebote in den einzelnen Kirchengemeinden des Bistums erweitert. Eine größere Reichweite ist zu erwarten, wenn katholische / caritative Institutionen ihre vor Ort sicherlich reichlich angebotenen Aktionen hier künftig zentral platzieren.
 
Mit dem landeweiten Portal team-rlp.de hat das Land Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Hilfsdiensten und Wohlfahrtsverbänden Anfang April ein Stellenportal entwickelt, über das Organisationen entsprechende Anzeigen schalten und Menschen, die sich engagieren möchten, registrieren (bewerben) können. Eine direkte Kommunikation zwischen Hilfesuchenden und Helfenden erfolgt auch hier nicht. Insofern erschließt sich nicht ganz, warum man hier nicht auf bestehenden Plattformen aufgesattelt hat.

Liefer- und Abholdienste:
Global denken - lokal handeln: Das ist insbesondere in der jetzigen Situation mehr denn je angesagt und es ist insofern wichtig und richtig, dass man aus Sorge um die Existenz des örtlichen Einzelhandels, der Handwerks- und Gewerbetreibenden, der Gastronomie, der Bauern und der vielen anderen mittelständischen Betriebe auf Plattformen setzt, die Angebot und Nachfrage über das Internet zusammenbringen und miteinander vernetzt / verknüpft. Hier haben sich im Verlauf der letzten Wochen echte virtuelle Marktplätze entwickelt, es wurden vielfältige Liefer- und Abholdienste quasi aus der Erde gestampft, insbesondere um sich die "Vielfalt von Handel und Gastronomie nach Hause" zu holen. Um echte Kommunikationsplattformen handelt es sich dabei aber nicht, sondern eher um eine Verlinkung zu den einzelnen regionalen Anbietern und Aktionen, die man per Webseite, Mail oder telefonisch ordern kann. Einen guten zentralen Überblick ohne lästige Einzelsuche gewährleisten derzeit z.B. folgende Adressen im Internet: www.rheinpfalz-verbindet.de ,www.pfalz.de, oder www.pfalz.ihk24.de . Es bleibt zu wünschen, dass diese Listen auch nach der Corona-Krise aktuell gehalten und gepflegt werden, denn sie stellen wahrlich eine kunden- und serviceorientierte Bereicherung der vielfältig bestehenden Liefer- und Abholservices mit einigen neuen und guten Ideen / Konzepten dar.
 
Ein Quantensprung wäre hingegen, wenn Kommunen, Wirtschaftsförderer und Verbände gemeinsam eine koordinierende Rolle einnehmen und ihr Engagement auf Portalen wie lokalwirkt.de bündeln. Im Gegensatz zu anderen Angeboten stehen auf dieser Plattform alle Daten als Open Data für die freie weitere Nachnutzung zur Verfügung. So können zum Beispiel kommunale Webseiten, Presse- und Mediendarstellungen und Gutscheinplattformen die Restaurantverzeichnisse und weiterführende Informationen übernehmen und auf eigenen Webseiten darstellen. Vorteil: Eine höhere Reichweite und nur eine Stelle, an der die Daten redaktionell gepflegt werden.
     
Gutscheinportale:
Auch sogenannte Gutscheinportale wie zB. lokal.help bieten dem lokalen Handel und der Gastronomie in der Krise Unterstützung. Unter dem Slogan “Rette Deinen Lieblingsort” können Kunden Gutscheine kaufen und damit dem “Lieblingsort” bzw. der “Lieblingsgaststätte” oder dem “Lieblingsgeschäft” in der schwierigen Zeit unter die Arme greifen, quasi einen Kredit gewähren, den man nach der Krise einlösen kann oder eben nicht. Selbiges gilt beispielsweise auch für die Initiative der Sparkassen.
Angesichts der aktuellen Umstände kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Gutschein-Anbieter in finanzielle Not geraten und Gutscheine deshalb nicht eingelöst oder erstattet werden können.
 
Fazit:
Die Corona-Krise hat innerhalb weniger Wochen ganz wesentlich zur digitalen Vernetzung der Bevölkerung beigetragen. Einige Plattformen werden im Laufe der Zeit wieder eingedampft werden, da der Aufwand sie weiter zu betreiben enorm sein wird, sie wenig Potenzial der direkten Kommunikation und des Austausches bieten, sie nur bis zu einem gewissen Grad für einzelne Personen/Gruppen oder zu einem bestimmten Zeitpunkt von Bedeutung sind oder unter Verzicht spezieller Technologien auch keinen innovativen Anspruch / Charakter haben, der den Anforderungen in der heutigen Zeit gerecht wird.

Bestehende Plattformen wie nebenan.de oder (Teil-) Projekte wie Digitale-Dörfer hingegen haben durchaus ein hohes Potenzial sich neben Facebook zu einem echten „regional social Player“ zu entwickeln, denn das soziale Netz der Nachbarschaft als System informeller Hilfe und des regionalen, (virtuellen) Austauschs, des Kontakts und der Kommunikation im nachbarschaftlichen Miteinander wird auch außerhalb von Krisenzeiten zunehmend an Bedeutung gewinnen. Informationen und Angebote müssen daher gebündelt, koordiniert und miteinander vernetzt werden, damit sie vor Ort kontinuierlich und nachhaltig funktionieren und nicht schon morgen im virtuellen Nirvana verschwunden sind. Es lohnt sich also für Alternativen zu Facebook zu werben und zu mobilisieren.
 
Eine Analyse erstellt von: Clemens Keller
   
Eine Übersicht der im Bericht genannten Angebote inkl. aller Einzellinks finden Sie auch als PDF-Liste unter:
https://www.yumpu.com/s/fLGajwZ0zRgIY8qs

Autor:

Clemens Keller aus Römerberg-Dudenhofen

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