Stifter und Mäzenaten in Mannheim
Gute Tradition

Blick ins Herschelbad.  Foto: Stadt Mannheim

Mannheim. Mannheim ohne Mäzene und Stiftungen? Undenkbar. Das wusste auch Ehrenbürger und Alt-OB Gerhard Widder, als er im Jahr 2003 bei einer Gedenkfeier am Mahnmal auf den Planken betonte: „Die jüdische Bürgerschaft hat bedeutende Stiftungen für soziale und kulturelle Zwecke geschaffen. Erinnert sei hier nur an die Stiftungen des Stadtrats und Tabakhändlers Bernhard Herschel für ein Hallenbad oder des Kaufmann-Ehepaars Henriette und Julius Aberle für die Kunsthalle“, sagte er damals.

Mittlerweile hat sich die Anzahl der Stiftungen seit 1990 beinahe verzehnfacht. „Es tut einfach gut, helfen zu können“, sagte der SAP-Mitbegründer Hans-Werner Hector einmal, als er gefragt wurde, warum er und seine Frau Josephine ihre Stiftung gegründet haben. In Mannheim und der Metropolregion ist der ist der Gedanke an Stiftungen und Mäzenatentum schon lange fest verankert. Namen wie Bassermann und Wespin sind im Stadtbild ebenso präsent wie in jüngerer Zeit Tschira, Hopp, Plattner und natürlich Heinrich Vetter.

Mehr als 375 Stiftungen haben in der Metropolregion Rhein-Neckar ihren Sitz. Sechs der zehn größten deutschen Stiftungen sind hier zuhause und tragen in vielerlei Hinsicht zur Regionalentwicklung bei. Von Zuwendungen an die regionalen Krankenhäuser über die Förderung von Grundlagenforschung bis hin zu pädagogischen Projekten für die Kleinsten und der Unterstützung von Kultureinrichtungen – Stiftungen gestalteten und gestalten stets aktiv das lokale Gemeinwesen.

Schon fast legendär ist die Verbundenheit der Mannheimer zu „Ihrem“ Nationaltheater. Mehr als einmal haben sie die Bühne vor dem finanziellen Untergang bewahrt. So sprang das Großbürgertum schon im 19. Jahrhundert mit einer beträchtlichen Summe ein, als die Theaterzuschüsse um ein Fünftel gekürzt wurden. Ohne Mäzene gebe es in Mannheim weder die Kunsthalle, noch die Reiss-Engelhorn-Museen. So deckte die Stiftung von Henriette und Julius Aberle rund ein Drittel der Baukosten der Kunsthalle ab und ermöglichte 1901 durch eine großzügige Zuwendung auch noch den Erwerb hochwertigster Kunstgegenstände. Dass am 1. Juni 2018 der neue Museumskomplex eröffnet werden konnte, ermöglichten die private 50-Millionen-Euro-Spende des SAP-Mitbegründers Dr. h.c. Hans-Werner Hector und Beiträge der Stadt Mannheim, des Landes Baden-Württemberg sowie vieler weiterer Spender als beispielhaftes Private-Public-Partnership. Als Bauherr fungierte die eigens gegründete private Stiftung Kunsthalle Mannheim.

Bernhard Herschel schenkte einer Schenkung von 500.000 Goldmark der Stadt eine „Zentral-Bad und Schwimmanstalt“. Gleich in mehrfacher Hinsicht beschenkten die Geschwister Anna und Carl Reiß die Stadt und ihre Bürger. So ging nach deren Tod nicht nur die ehemalige „Fasaneninsel“ in den Besitz der Stadt über, die heute als „Reißinsel“ unter anderem das beliebte Naherholungsziel Strandbad beherbergt, mit der Carl-und-Anna-Reiß-Stiftung bildeten sie den Grundstock des Reiss-Museums.
Immerhin hat das Stiftungswesen in ihrer Familie Tradition: Vater Friedrich Reiß rief 1882 eine Stiftung für im Dienst verunglückte Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr ins Leben.
Trotzdem hat sich das Museum 2001 namentlich verändert und wurden zu den Reiss-Engelhorn-Museen. Der Grund? Wieder ein Stifter. Der 2016 verstorbene Milliardär Curt Engelhorn brachte im Verlauf von zehn Jahren 20 Millionen Euro für das Museum auf. Auch dank seines Engagements gehört das Museum mit seinem Generaldirektor Alfried Wieczorek heute zu den weltweit führenden Häusern. Und eine weitere Familienstiftung engagiert sich hier. Dank eines „Zehn-Millionen-Euro-Glücksfalls“, einer Gabe der Bassermann-Kultur-Stiftung, entstand heute das Bassermann-Haus für Musik und Kunst in C 4.
Eine weiterer Schub für Kunst, Kultur und Forschung.

Die 2013 gegründete Brombeeren-Stiftung an den Reiss-Engelhorn-Museen entstand auf Initiative von Traudl Engelhorn-Vechiatto in Gedenken an ihren verstorbenen Mann Peter Engelhorn. Mit einem Stiftungskapital in Höhe von 20 Millionen Euro ausgestattet, ist sie eine von drei Stiftungen, die den Mannheimer Museumskomplex maßgeblich tragen.

Ein Bericht über das Stiftungswesen in Mannheim wäre nicht vollständig, ohne das jahrzehntelange Engagement von Heinrich Vetter zu erwähnen. Dieser wollte sich mit seinem karitativen Wirken immer als „Anstifter“ verstanden wissen, der nicht nur Geld spendete, sondern stets anregen wollte, dass auch andere seinem beispielhaften Einsatz folgten. Von seiner geschäftstüchtigen Großmutter hat er die unternehmerische Tüchtigkeit und die Ausdauer geerbt, von seiner Mutter den tiefen katholischen Glauben. Ihre letzten Worte kurz vor ihrem Tod, nahm sich der Sohn Zeit seines Lebens zu Herzen: „Vergiss mir nicht, auch an die zu denken, denen es nicht so gut geht“. In der Satzung seiner Stiftung verpflichtet der „Ehrenanstifter Mannheims“ seine Nachfolger, Aktivitäten zu fördern, die vorrangig dem Wohle Mannheims und seiner Einwohner dienen.

Die Akteure der Neuzeit können in Mannheim und der Region also auf ein reiches Erbe zurück blicken, wenn sie „etwas an die Gesellschaft zurückgeben“, wie Dietmar Hopp im Rahmen des zweiten Stiftertages der Metropolregion erklärte. Ein Credo, wie es allen in der Region tätigen Stiftern und Mäzenen zugrunde liegt. env/gai

Autor:

Peter Engelhardt aus Mannheim

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