Beschwerden nicht aussitzen
Aus Angst vor Corona nicht zum Arzt?

Die Asklepiosklinik in Kandel | Foto: ps
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Südpfalz. Das Coronavirus hat viele Auswirkungen. Eine davon: Die Menschen gehen aus Angst vor Ansteckung nicht zum Arzt. Manchmal sogar trotz akuter, eventuell sogar lebensbedrohlicher Beschwerden. Dabei ist Zuwarten fast immer der falsche Weg. "Man muss beim Hausarzt keine Angst haben, sich anzustecken", sagt Dr. Jonas Hofmann-Eifler, Allgemeinmediziner und Vorsitzender der Südpfalzdocs. Und: "Anhaltende gesundheitliche Beschwerden bedürfen unbedingt einer Abklärung."

Hofmann-Eifler bestätigt, dass er in seiner Praxis in Rheinzabern Erkrankungen inzwischen deutlich später zu sehen bekommt. So werden Herz-Kreislauf-Krankheiten verschleppt, aber auch mit Leistenbruch oder Schenkelhernie kommen die Patienten erst in einem späteren Stadium als sonst in die Arztpraxen der Südpfalz. Und viele Risikopatienten nehmen ihre Kontrolltermine nicht mehr wahr.

Wenn der Patient nicht untersucht werden muss, zum Beispiel nur Laborergebnisse zu besprechen sind, dann funktioniert das inzwischen auch am Telefon, per E-Mail oder in der Videosprechstunde. Viele Arztpraxen haben sich umgestellt und bieten ihren Patienten jede Menge Service auch jenseits der Präsenz-Sprechstunden.

Der Nächste, bitte!

Vieles kann kontaktlos abgeklärt werden - aber eben nicht alles. Gute Nachricht für alle, die zum Arzt müssen: Die Hausärzte trennen inzwischen zwischen "normaler" Sprechstunde und Infektionssprechstunde. Zeitlich, viele aber auch räumlich. Somit besteht nicht die Gefahr, dass man als nicht-infektiöser Patient neben jemandem mit Bronchitis sitzt. Überhaupt ist es luftig geworden in den Wartezimmern der Südpfalz: pro zehn Quadratmetern höchstens ein Patient. Die Arztpraxen sind erfinderisch geworden, geben den Patienten Buzzer auf einen Spaziergang mit oder rufen ihre Patienten übers Autoradio auf. Desinfektion und regelmäßiges Lüften gehören selbstverständlich zum Hygienekonzept jeder Arztpraxis. Das Personal trägt FFP2-Masken  - diese werden wöchentlich kostenlos von der Kassenärztlichen Vereinigung zur Verfügung gestellt - und macht ein bis zwei Mal pro Woche einen Antigen-Schnelltest.

Nicht nur, wer unter Herzschmerzen oder Atemnot leidet, sollte sich dringend beim Arzt vorstellen, auch sämtliche Vorsorgetermine wie zum Beispiel die Darmkrebsvorsorge können wahrgenommen werden. Hofmann-Eifler rät dringend dazu, Beschwerden nicht auszusitzen. "Wir tun alles, um den Patienten die Angst vor einer Ansteckung zu nehmen", sagt Hofmann-Eifler. Seine Sorge: Dass das Gesundheitswesen eine Bugwelle potenziell kritischer Fälle vor sich her schiebt.

Denn auch in den Kliniken dominiert das Thema Corona. "Wir haben zunächst alle Nicht-Notfall-OPs verschoben", sagt Professor Dr. Jörg Stypmann, der Ärztliche Direktor der Asklepiosklinik in Kandel. Trotzdem appelliert der Chefarzt der Kardiologie an die Patienten, bei Beschwerden unbedingt vorbei zu kommen. "Wir sehen derzeit viel schlimmere Infarkte als sonst, weil sich die Patienten später vorstellen", sagt Stypmann. Notfälle werden auf jeden Fall aufgenommen. Und Stypmann glaubt, dass angesichts einer stetig sinkenden Zahl von Coronapatienten eine Rückkehr zur normalen Vorsorge möglich ist.

"Notfälle werden auf jeden Fall aufgenommen"

Der Leiter des Herzkatheterlabors macht selbst die Erfahrung, dass derzeit zu acht am Tag geplanten Untersuchungen zwischen einem und drei Patienten nicht kommen. "Die Patienten verschieben vieles", ist seine Wahrnehmung. Dabei wird auch in Kandel alles getan, um den Klinikaufenthalt so sicher wie möglich zu machen: Patienten ohne Symptome werden einem Antigen-Schnelltest unterzogen,  dessen Ergebnis nach zehn Minuten vorliegt, Patienten mit Symptomen einem PCR-Test. Sie kommen - bis das Testergebnis nach etwa 24 Stunden da ist - auf eine Isolierstation. Besucher dürfen derzeit nur in Ausnahmefällen in die Klinik - und auch nur mit einem negativen Schnelltest.

Die Schutzimpfung gegen das Coronavirus sei Thema mindestens jedes zweiten Gesprächs mit Patienten oder Klinik-Mitarbeitern, berichtet Stypmann weiter. Dass das Personal in der Kandeler Klinik noch nicht geimpft wurde, ist aus seiner Sicht ein Unding. Wo doch zwei Stationen als Corona-Stationen ausgewiesen sind und hier Coronapatienten behandelt werden. Zur Zeit wisse man nicht einmal, wann der Impfstoff überhaupt ankommt.

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Dr. Jonas Hofmann-Eifler | Foto: ps
Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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