Eichenprozessionsspinner mehren sich – ist der Klimawandel schuld?
Das Rheinland-Pfalz Zentrum für Klimawandelfolgen informiert

  • Foto: Foto: Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen
  • hochgeladen von Stephanie Walter

Rheinland-Pfalz. Seit einigen Jahren sorgt er auch in Kaiserslautern immer wieder für Schlagzeilen: Der Eichenprozessionsspinner. Gerade erst mussten wegen eines Befalls mit der Schmetterlingsraupe 14 Spielplätze für mehrere Tage gesperrt werden. Doch wo lebt der Eichenprozessionsspinner eigentlich und welche Auswirkungen auf seinen Lebensraum hat der Klimawandel? Das Rheinland-Pfalz Zentrum für Klimawandelfolgen informiert.

Der wärmeliebende Eichenprozessionsspinner (EPS) kam bereits Mitte des 19. Jahrhunderts in den Mosel- und Rheintälern vor. Er war lange Zeit relativ selten, bis ab 1984 eine deutliche Zunahme der Populationsdichte beobachtet wurde. Heute zählt der Südosten von Rheinland-Pfalz zusammen mit Landesteilen Nordrhein-Westfalens, Hessens, Bayerns und nahezu ganz Baden-Württemberg zum Hauptverbreitungsgebiet des Nachtfalters in Deutschland.
Massenvermehrungen entwickelten sich in der Vergangenheit vor allem unter warm-trockenen Bedingungen, daher wird der Klimawandel als eine Ursache für die europaweit zunehmende Populationsdichte diskutiert. Tatsächlich kann die Witterung verschiedene Entwicklungsphasen des Falters beeinflussen – sowohl positiv als auch negativ.
So können auf der einen Seite hohe Apriltemperaturen dazu führen, dass die Raupen früher schlüpfen, die Raupenentwicklungszeit profitiert von warm-trockenen Bedingungen. Andererseits könnte eine klimabedingte Verschiebung des Raupenschlupfs vor den Blattaustrieb der Eichen ein Verhungern der Raupen zur Folge haben, ebenso könnten früher geschlüpfte Raupen durch Spätfrost erfrieren. Auch Extremereignisse (Sturm, Hagel, Starkregen) im August können sich negativ auf den Falterflug auswirken, Gespinste abreißen und das Verfaulen der Raupen zur Folge haben. Zu berücksichtigen sind ferner die natürlichen Gegenspieler der Raupe, deren Population ebenfalls vom Klimawandel beeinflusst werden könnte – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Eichenprozessionsspinner.
Wie sich die Populationsdichte in Zukunft in Rheinland-Pfalz entwickeln wird, lässt sich heute noch nicht abschätzen. Das Zusammenspiel der einwirkenden Faktoren ist vielfältig und das Wissen über die Auswirkungen von Veränderungen auf die Entwicklung des Falters noch gering.
Eine intensive Beobachtung der Populationsdichte und Verbreitung scheint aber aus Sicht des Gesundheitsschutzes dringlich. Denn die Brennhaare der Raupen können bei Kontakt schwere allergische Reaktionen hervorrufen.
Nach der Häutung verbleiben die Haare im Gespinst oder fallen zu Boden. Durch den Wind können sie dabei auch leicht im Umkreis verteilt werden. Probleme kann ein Befall von Eichen zum Beispiel im Bereich von Schulhöfen oder Kindergärten bereiten, aber auch in Naherholungsgebieten, städtischen Grünanlagen und Privatgärten können die Raupenhaare zum Problem für die Nutzer und Grünpfleger werden. Die Forstliche Versuchsanstalt Baden-Württemberg überwacht die Entwicklung des Eichenprozessionsspinners und veröffentlicht regelmäßig Handlungsempfehlungen. (ps)
 
Weitere Informationen: https://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/schaden/insekten/fva_eichenprozessionsspinner_aktuell/index_DE.

Dieser Beitrag erscheint in der Reihe Klimawandel / Extremereignisse in Kooperation mit dem Rheinland-Pfalz Zentrum für Klimawandelfolgen.

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