Zusätzlicher Geschäftsführer für knapp 200.000 Euro? Personalpläne bei Lotto Rheinland-Pfalz umstritten
- Zehn Jahre lang war der Westerwälder Hering Landtagspräsident in Mainz, nun soll es für ihn zu Lotto Rheinland-Pfalz nach Koblenz gehen. (Archivbild)
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Rheinland-Pfalz. Bei der staatlich geprägten Lottogesellschaft im Land bahnt sich eine umstrittene Personalentscheidung an. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll der frühere Landtagspräsident Hendrik Hering von der SPD zweiter Geschäftsführer von Lotto Rheinland-Pfalz werden.
Für den Wechsel ist noch die Zustimmung des Aufsichtsrates nötig. Die Gesellschaft mit Sitz in Koblenz gehört mehrheitlich dem Land Rheinland-Pfalz. Bisher wurde sie von Jürgen Häfner allein geführt. Häfner scheidet Ende Mai nach rund zwölf Jahren aus dem Amt aus. Zu einer möglichen Nachfolge äußerte sich das Unternehmen auf Anfrage zunächst nicht.
Sechsstelliges Gehalt an der Spitze
Der bisherige Geschäftsführer erhielt nach Angaben aus einem Wirtschaftsprüfungsbericht für das Jahr 2024 eine Grundvergütung und eine erfolgsabhängige Zahlung von zusammen knapp 200.000 Euro.
Bereits zuvor war bekannt geworden, dass der langjährige CDU-Fraktionschef Christian Baldauf neuer Geschäftsführer der Lottogesellschaft werden soll. Neu ist die Überlegung, zusätzlich einen zweiten Chefposten zu schaffen. Es gilt als wahrscheinlich, dass Baldauf und Hering ihre Mandate im Landtag niederlegen. Entsprechende Schreiben lagen der Landtagsverwaltung zunächst noch nicht vor.
Kritik aus der Opposition
Die Grünen im Landtag halten die geplante Doppelspitze für problematisch. Fraktionschefin Katrin Eder erklärte, bislang sei ein zweiter Geschäftsführer nicht nötig gewesen. Deshalb stelle sich die Frage, ob zusätzliche Ausgaben für diesen Posten sachlich gerechtfertigt seien.
Nach Ansicht der Grünen dürften mögliche Mehrkosten nicht zulasten von Projekten gehen, die aus Lotto-Einnahmen finanziert werden. Dazu zählen unter anderem Förderungen für Umwelt, Kultur, Soziales und Sport.
Auch die haushaltspolitische Sprecherin Pia Schellhammer kündigte eine parlamentarische Anfrage an. Zwei Geschäftsführer seien im Vergleich der Bundesländer eher unüblich und müssten daher gut begründet werden.
Weitere Kritik von AfD und Steuerzahlerbund
Auch die AfD-Fraktion kritisierte die Personalplanung und sprach von einer Selbstbedienungsmentalität der neuen Landesregierung. Der Wissenschaftliche Dienst des Landtages soll in einem Gutachten prüfen, ob Kontrollgremien landeseigener Unternehmen stärker nach den Kräfteverhältnissen im Parlament besetzt werden müssen.
Der Bund der Steuerzahler Rheinland-Pfalz äußerte ebenfalls deutliche Zweifel. Geschäftsführer René Quante bezeichnete die Pläne als starken Tobak. Aus seiner Sicht sei ein zweiter Geschäftsführer organisatorisch nicht notwendig.
Lottogesellschaft mehrheitlich in Landeshand
Lotto Rheinland-Pfalz wurde 1948 von den Sportbünden Pfalz, Rheinland und Rheinhessen gegründet. Das Land hält heute 51 Prozent der Anteile. Weitere Gesellschafter sind die regionalen Sportbünde.
Die Gesellschaft finanziert sich aus den Einnahmen verschiedener Lotterien. Ein Teil der Erlöse wird regelmäßig an kulturelle Einrichtungen, soziale Projekte und den Sport ausgeschüttet. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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