Warum Ritter Sport seine Schokolade plötzlich mit Stickern beklebt
- Wegen neuer EU-Vorgaben überklebt Ritter Sport alte Verpackungen mit Stickern. (Symbolbild)
- Foto: Bernd Weißbrod/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Waldenbuch. Wer im Handel eine Ritter-Sport-Tafel kauft, kann derzeit Packungen mit Aufklebern sehen: Der Schokoladenhersteller aus Waldenbuch im Kreis Böblingen passt seine Verpackungen wegen einer EU-Richtlinie an.
Seit mehreren Monaten überklebt das Familienunternehmen nach eigenen Angaben bestehende Schokoladentafeln. Unter dem Sticker verschwindet ein Werbeclaim, mit dem Ritter Sport jahrelang geworben hatte: „100 % zertifiziert nachhaltiger Kakaobezug“. Der Kakaobezug sei nach Unternehmensangaben weiterhin vollständig zertifiziert.
EU-Regel soll Greenwashing erschweren
Grund ist die sogenannte EmpCo-Richtlinie der EU. Sie tritt nach Angaben des Unternehmens Ende September in Kraft und soll Greenwashing unterbinden. Vage Begriffe wie „umweltfreundlich“ oder „nachhaltig“ sollen künftig nur noch erlaubt sein, wenn sie auf der Verpackung detailliert belegt werden.
Für Käufer bedeutet das vor allem: Umwelt- und Nachhaltigkeitsangaben auf Verpackungen müssen genauer erklärt werden. Ritter Sport verweist darauf, dass die neue Verpackung künftig auf der Vorderseite die Auslobung „ohne Zusatz von Aromen“ tragen soll. Auf der Rückseite soll der Hinweis auf den weiterhin 100 Prozent zertifizierten Kakaobezug mit weiteren Angaben stehen.
Warum vorhandene Packungen beklebt werden
Wie viele Tafeln überklebt werden müssen, konnte eine Sprecherin nicht sagen. Der Packungsrelaunch mit neuer Folie sei in vollem Gange, lasse sich aber nicht innerhalb weniger Monate umsetzen. Dem Unternehmen sei wichtig gewesen, keine Folien zu vernichten.
Ritter Sport befürwortet nach eigenen Angaben grundsätzlich Maßnahmen, die Transparenz schaffen und Verbrauchern Klarheit geben. Zugleich sieht das Unternehmen eine Herausforderung in der verbleibenden Rechtsunsicherheit bei Umsetzung und Auslegung in verschiedenen europäischen Ländern.
Stellenabbau und hohe Kakaopreise belasten das Unternehmen
Die Verpackungsumstellung trifft Ritter Sport in einer wirtschaftlich angespannten Phase. Ende April hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass nach einem Verlust im vergangenen Jahr etwas mehr als jede zehnte Stelle wegfallen soll. Es wäre der erste Stellenabbau in der mehr als 110-jährigen Unternehmensgeschichte.
Als Gründe nannte Ritter Sport stark gestiegene Rohstoffpreise, vor allem bei Kakao. Auch Energie und Verpackungen hätten das Geschäft zuletzt belastet. Zudem sei eine deutliche Kaufzurückhaltung zu spüren. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |