Sperrungen in Rheinland-Pfalz: Spediteure am Limit
- Bis Container in Seehäfen wie Rotterdam oder Antwerpen ankommen, kann es ein schwieriger Weg sein. (Symbolfoto)
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Rheinland-Pfalz. Lieferungen können teurer und unzuverlässiger werden, weil Spediteure in Rheinland-Pfalz derzeit auf Straße, Schiene und Rhein gleichzeitig unter Druck stehen. Niedrigwasser, gesperrte Straßen, Baustellen und hohe Dieselpreise machen die Planung für viele Logistikunternehmen deutlich schwieriger.
Besonders betroffen sind mittelständische Betriebe, die Waren für Industrie, Handel und Häfen bewegen. In der Branche heißt es, eine schnelle Entspannung sei nicht absehbar.
B9 in Speyer und Rheinbrücken werden zu Nadelöhren
Ein Beispiel ist die Vollsperrung der B9 in Speyer. Zwei defekte Brückenbauwerke machen sie nötig. Nach Angaben von Andreas Roer, Geschäftsführer bei Contargo Wörth-Karlsruhe, gebe es keine einigermaßen akzeptable Umfahrung.
Auch weiter nördlich stockt der Verkehr. Die Kurt-Schumacher-Brücke über den Rhein zwischen Ludwigshafen und Mannheim ist wegen Korrosionsschäden dicht. In einer Region mit großen Industriebetrieben wie BASF und Daimler Truck entstehen dadurch zusätzliche Engpässe.
Alexander Kay Steinberg, Geschäftsführer der Edgar Graß Speditions GmbH aus dem Westerwald, verweist auf weitere Belastungen der vergangenen Jahre. Dazu zählen die Sperrung der Sauerland-Autobahn A45 wegen Brückenarbeiten und die gesperrte Salzbachtalbrücke an der A66 in Wiesbaden. Umwege treiben nach seinen Worten die Kosten nach oben. Überfüllte Lkw-Parkplätze verschärfen zudem den Fahrermangel, weil der Beruf unattraktiver werde.
Niedrigwasser am Rhein verteuert Transporte
Contargo nutzt Straße, Schiene und Binnenwasserstraßen. Der Rhein ist dabei zentral. Doch das Projekt zur Vertiefung der Fahrrinne im Mittelrheintal kommt seit Jahrzehnten nicht voran. Fachlich heißt es Abladeoptimierung Mittelrheintal.
Der Sommer habe gezeigt, dass Niedrigwasser-Phasen häufiger würden, sagt Roer. Schiffe können dann weniger laden, damit sie nicht zu tief im Wasser liegen. Das trifft eine wichtige Achse zwischen Rhein-Neckar, Rhein-Main, Rhein-Ruhr sowie den Häfen Rotterdam und Antwerpen.
„Der Rhein ist nicht irgendeine Wasserstraße, er ist die Lebensader unserer Wirtschaft“, sagt Dirk Hensel, Vorsitzender des Speditions- und Logistikverbandes Hessen/Rheinland-Pfalz.
Roer sieht in einer Vertiefung allein jedoch keine vollständige Lösung. Wenn Wasser fehle, helfe auch eine tiefere Fahrrinne nur begrenzt. Er spricht sich deshalb für langfristige Maßnahmen wie Schleusen und Rückhaltebecken aus.
Warum Kunden am Ende mehr zahlen können
Bei Niedrigwasser müssen Transporte aufwendiger organisiert werden. Fracht wird teils mit Schiffen mit geringem Tiefgang durch den Mittelrhein gebracht und später wieder auf andere Binnenschiffe umgeladen. Alternativ wird eine sogenannte Landbrücke mit Lastwagen genutzt, um den Mittelrhein zu umgehen.
Die Schiene kann nach Angaben aus der Branche derzeit kaum entlasten. Die für den Güterverkehr wichtige rechtsrheinische Bahnstrecke wird generalsaniert.
Der Mehraufwand kann Lieferpläne durcheinanderbringen. Zudem fallen bei niedrigen Wasserständen Zuschläge an. Roer nennt ein Beispiel: Bei einem 40-Fuß-Container von Wörth nach Rotterdam oder Antwerpen werde bei einem Pegel in Kaub von unter 40 Zentimetern ein Kleinwasserzuschlag von 1.280 Euro fällig. Dieser Zuschlag erhöhe nicht den Gewinn, sondern minimiere Verluste, sagt Roer.
Ferienzeit und Dieselpreise verschärfen die Lage
Die Niedrigwasser-Phase begann in diesem Jahr früh im Sommer und fiel in die Urlaubszeit. Zeitweise sei etwa ein Viertel der eigenen Fahrer im Urlaub gewesen, berichtet Roer. Das erschwerte das Ausweichen auf die Straße zusätzlich.
Hinzu kommen hohe Dieselpreise und starke Schwankungen. Steinberg sagt, für die Branche wäre mehr Kontinuität wichtig. Selbst ein höherer Dieselpreis sei besser kalkulierbar als starke Ausschläge.
Die Disposition werde insgesamt komplizierter. Transporte müssten häufiger umgebucht, geteilt oder zwischen Verkehrsträgern gewechselt werden. Das kann auch Probleme mit Zollpapieren verursachen.
Branche fordert Entlastung bei Abgaben
Eine zeitweise Aufhebung des Sonntagsfahrverbots sieht Roer nur begrenzt als Hilfe. Fahrer, die sonntags unterwegs sind, müssen an einem anderen Tag ruhen. Unternehmen müssten außerdem Zuschläge zahlen.
Der Speditions- und Logistikverband Hessen/Rheinland-Pfalz fordert wie der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung, die aus seiner Sicht doppelte CO2-Belastung des Transportgewerbes zu beenden. Gemeint sind der nationale Emissionshandel und der CO2-Zuschlag auf die Lkw-Maut.
Rheinland-Pfalz Wirtschaftsminister Michael Ebling sprach bei einer Veranstaltung des Verbandes am Frankfurter Flughafen von einem Wendepunkt. Der Sommer habe gezeigt, dass Infrastruktur widerstandsfähiger und verlässlicher werden müsse. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |