Schwarzmarkt für Glücksspiel in Deutschland wächst
- Pech gehabt: Es sind nur zwei Kirschen in einer Reihe, das reicht nicht für einen Gewinn. Szene aus einer Spielothek in Deutschland.
- Foto: Wolf von Dewitz/dpa
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Berlin. Der illegale Glücksspielmarkt wächst und sorgt bei Politik, Behörden und legalen Anbietern für zunehmende Sorge in Deutschland. Ermittler berichten von steigenden Fallzahlen. Gleichzeitig warnen Fachleute vor hohen Risiken für Spielerinnen und Spieler.
Nach Einschätzung von Politikern und Suchtexperten breiten sich illegale Angebote weiter aus. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler, fordert ein konsequentes Vorgehen gegen solche Märkte. Illegale Angebote müssten stärker verfolgt werden. Gleichzeitig sollten legale Spielhallen weiter klar begrenzt bleiben, etwa durch größere Mindestabstände zwischen Betrieben.
Fiedler verweist auf die Folgen für Betroffene. „Glücksspielsucht ist aus Sicht der Abhängigen die teuerste Suchterkrankung.“ Häufig führe sie zu Überschuldung, sozialem Abstieg und Begleitkriminalität. Auch der Suchtbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, sieht ein erhebliches Risiko. Schätzungen zufolge zeigen in Deutschland rund 1,2 Millionen Menschen ein problematisches oder pathologisches Spielverhalten. Illegales Glücksspiel müsse deshalb wirksam zurückgedrängt werden. Dort gebe es keinen Spielerschutz und keine verlässliche Kontrolle.
Legale Anbieter sehen Wettbewerbsnachteil
Unternehmen der legalen Branche warnen ebenfalls vor der Entwicklung. Anbieter wie Merkur aus Espelkamp oder Löwen Entertainment aus Bingen berichten, dass immer mehr Spieler zu illegalen Angeboten abwandern.
Nach Angaben der Branche gibt es bundesweit rund 160000 legale Glücksspielautomaten. Das sind etwa 100000 weniger als noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig schätzen Fachleute die Zahl illegaler Geräte auf mindestens 60000. Manche Schätzungen gehen sogar von über 100000 Automaten aus. Sie stehen häufig in Kneipen oder in Hinterzimmern von Vereinen und anderen Einrichtungen.
Polizei entdeckt immer wieder illegale Spielrunden
Die Polizei geht regelmäßig gegen solche Angebote vor. Allein in Nordrhein Westfalen deckten Ermittler im Jahr 2025 insgesamt 350 unerlaubte Glücksspielveranstaltungen auf. Das waren 15 mehr als im Jahr zuvor.
Auch andere Bundesländer melden Fälle:
- Schleswig Holstein registrierte 2025 insgesamt 54 illegale Veranstaltungen.
- In Bayern wurden 99 Fälle aufgedeckt.
Das Landeskriminalamt geht davon aus, dass kriminelle Gruppen mit professionell organisierten Glücksspielen Einnahmen in Millionenhöhe erzielen. Teilweise gebe es Verbindungen zur organisierten Kriminalität und zu Clanstrukturen.
Strenge Regeln für legale Spielhallen
Seit dem Glücksspielstaatsvertrag gelten in Deutschland strenge Vorschriften für legale Automaten. Spieler dürfen an einem Gerät höchstens 60 Euro pro Stunde einsetzen. Zudem muss alle fünf Sekunden aktiv eine Taste gedrückt werden. Trennwände zwischen Automaten sollen verhindern, dass sich Spieler gegenseitig anstacheln.
Vertreter der Branche fordern Lockerungen dieser Regeln. Sie argumentieren, ein attraktiveres legales Angebot könnte Spieler aus dem Schwarzmarkt zurückholen. Aus der Politik kommt jedoch Widerspruch. SPD Innenexperte Fiedler hält diese Argumentation für zu einfach. Wenn das legale Angebot ausgeweitet werde, könne auch der gesamte Glücksspielmarkt wachsen. Das sei angesichts von geschätzt 300000 bis 600000 Spielsüchtigen problematisch.
Suchtbeauftragter Streeck betont ebenfalls, staatliche Schutzregeln dürften nicht aufgeweicht werden. Entscheidend sei vielmehr, illegale Angebote konsequent zu bekämpfen und die Behörden dafür besser auszustatten. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |