Rekordtief am Rhein bei Kaub: Folgen für Schiffe und Betriebe
- Zu wenig Wasser: Bei Oestrich-Winkel im hessischen Rheingau liegen Sportboote auf dem Grund des Rheins.
- Foto: Thomas Frey/dpa
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Kaub. Niedrigwasser kann im Rheingebiet Lieferketten belasten und Transporte verteuern: Am Pegel Kaub in Rheinland-Pfalz sind die Werte erstmals leicht in den negativen Bereich gefallen. Der Messpunkt am Mittelrhein ist für die Binnenschifffahrt besonders wichtig. Für die kommenden Tage erwarten die zuständigen Fachbehörden dort zwar wieder positive Werte, aber nur im einstelligen Zentimeterbereich.
Wichtig für die Einordnung: Ein Pegelwert ist nicht die tatsächliche Wassertiefe. Er zeigt den Wasserstand an einem festgelegten Messpunkt. Die Fahrrinne ist tiefer. Dennoch wirkt sich der extreme Niedrigwasserstand deutlich auf die Schifffahrt aus, weil Schiffe weniger Ladung aufnehmen können oder Engstellen nicht mehr sicher passieren.
Warum der Pegel Kaub so wichtig ist
Der stellvertretende Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein in Bingen, Florian Krekel, verweist auf den bisherigen Tiefstand von 25 Zentimetern aus dem Jahr 2018. Dieser Wert sei am 5. August erstmals unterschritten worden. „Seitdem krebsen wir mit so niedrigen Wasserständen herum“, sagt Krekel. Aktuell sei zu wenig Regen in Sicht, um den Rhein schnell wieder deutlich steigen zu lassen.
Auch an anderen Orten ist die Lage angespannt. In Köln wurde am 28. September ein Rekordtiefstand verzeichnet. In Düsseldorf könnten die Pegelwerte nach der Vorhersage der Bundesanstalt für Gewässerkunde und der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung bis Freitag, 2. Oktober, sogar auf minus 11 Zentimeter fallen. Das wäre dort so wenig wie nie zuvor.
Was Fachleute jetzt für nötig halten
Nach Einschätzung von Jens Schwanen, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg, braucht der Rhein vor allem länger anhaltenden Regen. „Wir bräuchten eigentlich für zwei Wochen kontinuierlichen Landregen, vor allem im Südwesten Deutschlands“, sagt Schwanen.
Krekel beschreibt die derzeitige Lage drastisch: „Im Moment speist sich der Rhein - grob gesagt - nur noch aus Kläranlagen, Gletschereis und ein bisschen Grundwasserzufluss.“ Die Gletscherschmelze in den Alpen dürfte mit weniger starkem Sonnenschein nachlassen. Das Grundwasser erhole sich in warmen und trockenen Phasen nur langsam. „September und Oktober sind die klassischen Niedrigwassermonate“, sagt Krekel.
Folgen für Schiffe, Häfen und Betriebe
Auf dem besonders betroffenen Abschnitt zwischen St. Goar und Mainz sind nach Angaben des BDB nur noch vereinzelt Güterschiffe unterwegs. Die Schifffahrt stehe zwar weiter als Dienstleister bereit, könne aber nur mit deutlich weniger Ladung fahren. Gefahren werde nur, solange dies sicher möglich sei.
Für den Abschnitt zwischen St. Goar und Rüdesheim gilt laut Krekel: Viele Schiffe können bei nur noch 1,50 Meter oder sogar 1,20 Meter Wasserstand in der Fahrrinne nicht mehr verkehren. Damit trifft das Niedrigwasser besonders Transporte von Massengütern.
Thomas Puls, Experte für Verkehr und Infrastruktur am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, sieht den Rhein verkehrlich erneut stark eingeschränkt. Mit Ausnahme weniger Spezialschiffe, die den Engpass mit stark reduzierter Ladung passieren könnten, sei der Rhein „de facto erneut zweigeteilt“. Mittelrhein, Oberrhein und Zuflüsse seien damit wieder von wichtigen Häfen wie Duisburg und Rotterdam abgeschnitten.
Welche Branchen besonders betroffen sind
Nach Einschätzung von Puls sind wichtige Logistikketten weitgehend unterbrochen. Besonders betroffen sind Güter, die sich nur schwer auf andere Verkehrsträger verlagern lassen.
- Raffinerien: Kraftstoffe werden im Rheingebiet häufig per Binnenschiff transportiert.
- Chemieindustrie: Werke wie BASF in Ludwigshafen beziehen viele Vorprodukte über den Fluss.
- Stahlwerke: Feste Massengüter lassen sich kaum vollständig auf Schiene oder Straße verlagern.
- Containertransporte: Sie können laut Puls noch am ehesten auf andere Verkehrsträger ausweichen.
Sprunghafte Ausschläge an der Zapfsäule im Rheingebiet erwartet Puls derzeit nicht. Die Lage habe sich bereits zuvor nicht richtig entspannt. Teile ausfallender Produktionen könnten später nachgeholt werden. Die wirtschaftlichen Effekte des diesjährigen Niedrigwassers ließen sich daher noch nicht beziffern.
Welche Lösungen diskutiert werden
Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt fordert eine Vertiefung der Fahrrinne zwischen St. Goar und Mainz um 20 Zentimeter. Das Vorhaben ist seit vielen Jahren geplant, kommt aber nur langsam voran. Außerdem dringt der Verband auf mehr Förderung für Schiffe, die besser für Niedrigwasser geeignet sind.
Der Umweltverband WWF setzt stärker auf natürliche Wasserspeicher. Gewässerschutz-Referentin Beatrice Claus sieht in den wiederkehrenden Niedrigwasserrekorden ein Zeichen der Klimakrise. Wälder, Moore, Feuchtgrünland und Flussauen könnten Wasser in der Landschaft halten und Flüsse in Trockenzeiten stützen. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |