Pfand auf Weinflaschen: Warum sich das System jetzt durchsetzen könnte
- Der Handel zögert noch bei der Einführung von 0,75 Liter Mehrweg-Weinflaschen. (Archivbild)
- Foto: Bernd Weißbrod/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Möglingen. Mehrwegflaschen für Wein könnten langfristig Einwegflaschen ersetzen. Doch im Handel kommt das System bislang langsamer voran als erhofft. Vor allem Supermärkte zögern noch mit der breiten Einführung.
Seit März 2023 sind standardisierte 0,75-Liter-Pfandflaschen für Wein im Umlauf. Initiiert wurde das System von der Genossenschaft Heuchelberger Weingärtner aus Schwaigern im Kreis Heilbronn. Dafür gründeten mehrere Betriebe die Wein-Mehrweg eG mit Sitz in Möglingen im Kreis Ludwigsburg.
Nach Angaben des Vorstands Werner Bender sind derzeit rund 1,1 Millionen Mehrweg-Weinflaschen im Markt. Mehr als 60 verschiedene Weine werden bereits darin abgefüllt. Ziel der Initiative ist es, innerhalb der kommenden zwölf Monate zwischen 2,5 und 3 Millionen Flaschen in Umlauf zu bringen. Erst dann gilt das System als flächendeckend etabliert.
Noch Zurückhaltung im Handel
Viele Händler begegnen dem Thema Mehrweg bei Wein weiterhin vorsichtig. Laut Bender fehlt es bislang an der nötigen Marktdurchdringung. Gleichzeitig wachse der Druck durch steigende Energiepreise sowie knapper werdende Rohstoffe.
Bei Verbraucherinnen und Verbrauchern stoße das Konzept dagegen auf Interesse. Das Thema Nachhaltigkeit spiele beim Einkauf eine immer größere Rolle.
Diese Händler machen bereits mit
Einige Handelsketten und Getränkehändler testen oder nutzen das System bereits.
- Kaufland bietet die Pfandflaschen seit Herbst in rund 200 Filialen in Süddeutschland an. Rückgabe ist bundesweit an den Leergutautomaten möglich.
- Edeka Südwest stellt einzelnen Märkten entsprechende Artikel über den Großhandel zur Verfügung.
- Auch Getränkehändler wie Getränke Hoffmann und Fristo führen die Flaschen in zahlreichen Filialen.
Andere große Handelsketten halten sich noch zurück. Aldi Süd, Lidl und Rewe führen derzeit keine Weinflaschen im Mehrwegsystem. Als Grund nennen Unternehmen unter anderem das Fehlen einer alltagstauglichen nationalen Branchenlösung.
Einheitliche Flasche für das Mehrwegsystem
Um das Pfandsystem zu vereinfachen, entwickelte die Wein-Mehrweg eG eine standardisierte Flasche. Sie ist in grünem und weißem Glas erhältlich. Auch eine Mehrwegkiste aus recyceltem Material gehört zum Konzept. Die Individualisierung erfolgt über das jeweilige Etikett der Winzer.
Hinter der Genossenschaft stehen derzeit 14 Betriebe. Darunter sind elf Genossenschaften aus Württemberg, zwei Weingüter aus Baden sowie ein Importeur. Zusammen repräsentieren sie mehr als fünf Prozent der deutschen Weinproduktion.
Vor allem im Südwesten und in Teilen Bayerns sind die Pfandflaschen bereits verbreitet. Die Initiative sucht nun weitere Partner aus Handel und Weinbau, um das System bundesweit auszubauen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |