Niedrigwasser am Rhein: IHK warnt vor immensem Schaden
- Der «Pegel Kaub» gilt für die Schifffahrt als kritischer Punkt bei der Frage nach einer durchgehenden Passierbarkeit des Flusses. (Archivbild)
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Rheinland-Pfalz. Autofahrer und Unternehmen in Rheinland-Pfalz können die Folgen des Niedrigwassers am Rhein noch länger spüren, unter anderem durch höhere Transportkosten und Preise an der Zapfsäule. Die Industrie- und Handelskammer sieht die Lage als kritisch. „Es ist eine wirklich kritische Situation“, sagte Nicole Rabold, verkehrspolitische Sprecherin der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz.
Warum der Pegel bei Kaub so wichtig ist
Der Abschnitt am Mittelrhein zwischen St. Goar und Mainz gilt als zentraler Engpass auf der deutschen Wasserstraße. Fällt der Pegel beim rheinland-pfälzischen Kaub unter 40 Zentimeter, ist nach Einschätzung der IHK eine wirtschaftlich sinnvolle Binnenschifffahrt kaum noch möglich.
Ein Pegelstand zeigt nicht die tatsächliche Wassertiefe bis zum Flussboden. Er ist eine relative Wasserhöhe, gemessen an einem festgelegten Punkt. Für Schiffe zählt vor allem die Fahrrinnentiefe. Das ist der Bereich, in dem normalerweise bestimmte Breiten und Tiefen für den Verkehr vorhanden sind.
Frachtschiffe fahren nur eingeschränkt
Nach einigen Regenfällen war der Pegel in Kaub zuletzt zwar leicht gestiegen. In den vergangenen Tagen lag er aber wieder unter dem bisherigen Tiefstwert von 25 Zentimetern aus dem Jahr 2018. Im Sommer war der Pegel bereits einstellig.
Die Folge: Güterschiffe können entweder gar nicht mehr oder nur noch leer fahren. Das verteuert Transporte deutlich, wie eine Sprecherin der IHK Rheinhessen ergänzte. Auch in Köln wurden historische Tiefstände erreicht. Dort lag der Pegel zuletzt wieder unter dem früheren Tiefstwert von 69 Zentimetern aus dem Jahr 2018.
Was das für Verbraucher bedeutet
Nach Einschätzung der IHK können die Auswirkungen länger spürbar bleiben. Rabold verwies besonders auf Kraftstoffpreise. „Es wird noch bis Oktober dauern, bis wir wieder bei normalen Preisen sind“, sagte sie.
- Bei niedrigem Wasserstand können Schiffe weniger Fracht laden.
- Unternehmen müssen Transporte teurer planen oder auf andere Wege verlagern.
- Das kann Lieferketten belasten und einzelne Verbraucherpreise beeinflussen.
Schaden könnte immens werden
Wie hoch der volkswirtschaftliche Schaden in diesem Jahr ausfällt, ist laut Rabold noch offen. Im Niedrigwasserjahr 2018 lag er bei rund 2,4 Milliarden Euro. Seitdem wurden Investitionen getätigt und die Logistik verbessert, etwa durch Niedrigwasserschiffe und bessere Wasserstandsprognosen.
„Ob der Schaden den von 2018 übertreffen wird, bleibt abzuwarten“, sagte Rabold. Schon jetzt sei aber davon auszugehen, dass der Schaden „immens“ sein werde. Mit Blick auf den Klimawandel müsse außerdem damit gerechnet werden, dass Niedrigwasserjahre häufiger auftreten. Aus Sicht der IHK kann eine einzelne Maßnahme das Problem nicht lösen. Eine Vertiefung des Rheins könne helfen. Zugleich müsse der Bund deutlich mehr in Wasserstraßen investieren. dpa/red
Autor:Anouar Touir aus Ludwigshafen |