Mehr Quereinsteiger im Weinbau: Was sie antreibt
- Die einstige Weinmanagerin Eva Raps und der ehemalige Schweizer Käseproduzent Urban Kaufmann fühlen sich auch als Winzer noch Käseprodukten verbunden.
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Rheinland-Pfalz. Wer Wein aus der Region kauft oder Weingüter besucht, trifft in Rheinland-Pfalz und im Rheingau häufiger auf Winzerinnen und Winzer, die aus völlig anderen Berufen kommen. Nach Einschätzung des Deutschen Weininstituts mischen immer mehr Quereinsteiger im Weinbau mit. Eine Statistik dazu gibt es nach Angaben von DWI-Sprecher Ernst Büscher nicht, der Trend sei in der Branche aber schon länger Thema.
Warum der Beruf für Umsteiger attraktiv ist
Winzer gilt für viele als vielseitiger Beruf, weil viele Schritte in einer Hand liegen: Rebschnitt, Arbeit im Keller, Vermarktung und Verkauf. Büscher beschreibt die Spannweite so: „morgens im Weinberg, abends auf High Heels oder im Anzug bei einem Verkaufsevent“. Dazu kommen für manche Ausbildungs- und Berufsabschnitte im Ausland.
In der Ausbildung verändert sich die Herkunft der Nachwuchskräfte besonders deutlich. Laut Büscher geht die Quote der Auszubildenden, die nicht aus einem Familienweingut kommen, auf 50 Prozent zu. Zugleich stehen Betriebe unter Druck. Steigende Kosten und Löhne, weniger Weinkonsum, Gesundheitsbewusstsein, Überproduktion, internationale Konkurrenz und US-Zölle belasten die Branche. Die Ausbildungszahlen seien bereits leicht rückläufig.
Vom Käse zum Wein im Rheingau
Urban Kaufmann produzierte 14 Jahre lang Käse in einem Schweizer Dorf. Mit 40 habe sich seine „innere Stimme“ gemeldet: „Es gibt auch Weinbau.“ Sein Vater habe täglich Wein getrunken, er selbst habe Weinproben besucht und immer mehr Interesse am Weinbau entwickelt. Heute betreibt Kaufmann mit Eva Raps das Weingut Kaufmann in Eltville-Hattenheim am Rhein.
Raps war zuvor Geschäftsführerin des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter. Sie hielt nach eigenen Worten „Ausschau nach einem Weingut, gerne auch mit einem Winzer“. Kaufmann suchte ein Weingut. Aus der beruflichen Partnerschaft wurde auch privat ein Paar. Den Betrieb kauften beide von einem örtlichen Winzer, der sie beim Start noch ein Jahr lang beriet.
Das VDP-Weingut arbeitet biodynamisch, beschäftigt drei feste Mitarbeiter plus Aushilfen und kommt nach Angaben von Raps auf fast eine Million Euro Jahresumsatz. Im Winter sollen auch Käsefondue-Weinproben-Abende Kunden anziehen, passend zu Kaufmanns früherem Beruf.
Anwalt wird Steillagenwinzer an der Mosel
Florian Wecker ist Jurist wie schon mehrere Generationen vor ihm. „Wein hat mich magnetisch angezogen“, sagt der 47-Jährige. Als Anwalt und Weinliebhaber begleitete er einen Makler auf Reisen nach Italien und Frankreich, um Verkäufe und Käufe von Weingütern juristisch zu unterstützen.
Sein Wunsch, selbst im Weinberg zu arbeiten, sei dabei gewachsen. Es folgten ein Praktikum bei einem Südtiroler Winzer, ein Masterstudium Weinbau in Montpellier sowie Hilfe bei der Weinlese in Portugal und Argentinien. Heute bewirtschaftet Wecker Riesling auf Schieferhängen bei Traben-Trarbach an der Mittelmosel. Begonnen hat er mit einem verwilderten Weinberg.
Der Biowinzer beschreibt den Einstieg als langen Weg. Rücklagen aus der Juristerei habe er einsetzen müssen. Bei größeren Investitionen, etwa für eine neue Maschine, nehme er als Anwalt wieder Mandate an. Seine Zulassung habe er nicht abgegeben.
Nordpfalz: Ferienhaus wird Weinprojekt
Auch Robert Boudier und Elmar Koeller in Stetten im Donnersbergkreis kamen aus anderen Berufen. Boudier arbeitet als Diabetologe, Koeller als Gesundheitsökonom. Das Paar kaufte zunächst einen Pfarrhof als Ferienhaus und wollte nebenbei nur 400 bis 500 Flaschen Wein im Jahr produzieren.
Daraus wurde ein deutlich größeres Projekt. Weitere historische Gebäude kamen hinzu, Koeller vergleicht das mit „Monopoly“. Heute produziert der Betrieb mehrere Zehntausend Flaschen im Jahr und betreibt Erlebnisgastronomie. Nach Angaben Koellers schreibt das Projekt seit drei Jahren schwarze Zahlen und hat 13 feste Mitarbeiter.
Für Stetten bedeutet das zusätzliche Belebung durch Gastronomie und Veranstaltungen. Am Anfang seien die Quereinsteiger von anderen Winzern belächelt worden, sagt Koeller. Mit der Zeit werde man aber ernst genommen. Wie viele Umsteiger künftig in den Weinbau kommen, bleibt wegen der angespannten Lage der Branche offen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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