Mehr Azubis in Rheinland-Pfalz: Handwerk bleibt gefragt
- Das Handwerk findet bei jungen Menschen wieder mehr Interesse. (Symbolbild)
- Foto: Leonie Asendorpf/dpa
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Rheinland-Pfalz. Wer für das neue Ausbildungsjahr noch eine berufliche Perspektive sucht, findet im Handwerk weiterhin viele offene Stellen. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz ist das Interesse an einer Ausbildung in den mehr als 130 Handwerksberufen zuletzt gestiegen.
In den vier Handwerkskammern wurden im vergangenen Jahr 5.682 neue Ausbildungsverträge eingetragen. In diesem Jahr sind es bislang bereits 6.029. Nach Einschätzung von Geschäftsführer Axel Bettendorf reicht das wachsende Interesse aber noch nicht aus, um alle Ausbildungsangebote der Betriebe zu besetzen.
Warum das Handwerk für Bewerber attraktiver wird
Nach Beobachtung der neuen Chefin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, Ulrike Mohrs, profitiert das Handwerk bei der Ausbildung auch von der konjunkturellen Schwäche in anderen Bereichen. Viele Betriebe hätten Aufträge und suchten gezielt Fachkräfte sowie künftige Nachfolger für ihre Unternehmen.
Das Handwerk biete aus Sicht der Kammern gute Chancen auf einen sicheren Arbeitsplatz, frühe finanzielle Selbstständigkeit und Aufstiegsmöglichkeiten. Auch die Perspektive auf eine eigene Existenz spiele für viele Berufe eine wichtige Rolle.
Viele Berufe gelten als krisenfest und technisch modern
Ein weiterer Grund für das steigende Interesse ist nach Einschätzung der Fachleute, dass viele handwerkliche Tätigkeiten kaum durch künstliche Intelligenz oder Automatisierung ersetzt werden können. Zugleich habe sich das Bild vieler Berufe verändert.
Handwerksbetriebe arbeiten heute oft an Themen, die viele Menschen direkt betreffen:
- Energieversorgung und Wärmepumpen
- Photovoltaik und Klimaschutz
- Mobilität und Wohnungsbau
- Gesundheit und Lebensqualität
- Digitale Steuerungstechnik und smarte Gebäudesysteme
Nach Darstellung von Mohrs ist Handwerk deshalb längst nicht mehr nur mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden. In vielen Bereichen gehe es auch um hoch technisierte Arbeitsplätze und ökologische Lösungen.
Wo weiterhin viele Ausbildungsplätze frei bleiben
Besonders gefragt waren nach Angaben Bettendorfs bei jungen Männern zuletzt Berufe wie Kraftfahrzeugmechatroniker für Pkw-Technik, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik sowie Tischler. Bei jungen Frauen war erneut vor allem der Beruf der Friseurin stark nachgefragt.
Viele andere Berufe blieben dagegen weniger bekannt und dadurch oft unbesetzt. Das gelte etwa für Gebäudereiniger, Gerüstbauer, Straßenbauer, Beton- und Stahlbetonbauer, Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker oder Orthopädieschuhmacher.
Auch Lebensmittelhandwerke wie Bäckereien, Fleischereien und Konditoreien haben es laut Handwerkskammern schwer, genügend Nachwuchs zu finden. Als Gründe gelten frühe Arbeitszeiten, Wochenendarbeit und ein körperlich fordernder Alltag.
Warum freie Stellen nicht immer besetzt werden
Nicht jede Bewerbung passe zu Berufswunsch, Schulabschluss, persönlichen Voraussetzungen und den Erwartungen der Betriebe. Hinzu komme vor allem in Rheinland-Pfalz die Mobilität. Ein Ausbildungsplatz in der Eifel oder im Westerwald sei für Jugendliche aus Mainz nicht ohne weiteres erreichbar. ÖPNV, Führerschein, Fahrtkosten und Wohnmöglichkeiten spielten deshalb eine wichtige Rolle.
Was Fachleute jetzt raten
Aus Sicht der Handwerkskammern sollte Berufsorientierung früher beginnen und deutlich praxisnäher ablaufen. Wer einen Beruf und einen Betrieb direkt erlebe, entscheide sich häufiger für eine Ausbildung. Die Bundesagentur für Arbeit wirbt zudem dafür, Beratungsangebote zur Berufsorientierung und zum Erwerbsleben stärker zu nutzen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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