Frachter im Düsseldorfer Hafen frei: Abfahrt verzögert sich
- Viel Schiff, wenig Wasser: Dieses Frachtschiff hatte sich auf einer Sandbank im Düsseldorfer Hafen festgefahren.
- Foto: Christoph Reichwein/dpa
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Düsseldorf. Für Industrie und Lieferketten bleibt das Niedrigwasser am Rhein spürbar: Im Düsseldorfer Hafen kann ein Frachter mit Mercedes-Sprintern nach seiner Befreiung von einer Sandbank noch nicht weiterfahren. Das 135 Meter lange Schiff war am 28. September bei der Ausfahrt aus einem Hafenbecken auf Grund gelaufen. Den übrigen Hafenverkehr blockierte es nach Angaben der Beteiligten nicht.
Am Dienstag, 29. September, kam das unter niederländischer Flagge fahrende Schiff zurück ins Hafenbecken. Dort wurde ein Teil der Ladung entladen. Die Logistikfirma Mosolf, die das Schiff gechartert hat, will den Tiefgang so weit verringern, dass die Fahrt trotz des niedrigen Wasserstands bis Rotterdam möglich wird.
Warten auf Vorgaben der Behörden
Mosolf wartet nach eigenen Angaben nun auf Auflagen von Wasserschutzpolizei und Hafenmeister. Es gehe darum, „mit welchem Tiefgang und demzufolge mit welcher Beladung“ das Schiff starten dürfe, sagte Mosolf-Manager Jürgen Richter der Deutschen Presse-Agentur. Für Mittwoch, 30. September, wurde ein etwas weiter sinkender Wasserpegel erwartet. Am Freitag, 2. Oktober, soll er wieder steigen. „Hoffentlich geht es dann wieder los“, sagte Richter.
Die Bergung war zuvor schwierig gewesen. Versuche, das Schiff mit einer Ankerwinde und Gewichtsverlagerungen von der Sandbank zu lösen, blieben erfolglos. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei konnte kein Schlepper eingesetzt werden, weil das Frachtschiff bei Niedrigwasser beschädigt werden könnte.
Weniger Sprinter an Bord
Vor der geplanten Abfahrt am 28. September war der Frachter mit Transportern von Mercedes-Benz Vans aus dem Düsseldorfer Sprinter-Werk beladen worden. Laut Mercedes wurden die Fahrzeuge nicht beschädigt. Die Auslieferungen am Standort Düsseldorf seien dank alternativer Transporte per Zug und Lastwagen derzeit nicht beeinträchtigt.
Nach Angaben von Mosolf hätten 190 Transporter auf das Schiff gepasst. Geladen waren zunächst 160. Nach der Teilentladung sollen noch 110 Fahrzeuge an Bord sein. Das Gewicht sei laut Richter nicht das Hauptproblem gewesen: Die 160 Transporter hätten zusammen eine Nutzlast von 390 Tonnen ergeben. Die generell zulässige Nutzlast des Frachters liege bei 3.500 Tonnen.
Kritik an der Hafen-Infrastruktur
Ein Sprecher der Neuss-Düsseldorfer Häfen sagte, der Kapitän habe vermutlich das Gewicht der Beladung falsch eingeschätzt. Mosolf widerspricht dem. Richter machte die Tiefe im Hafenbecken für die Zwangspause verantwortlich. Die Becken seien aus seiner Sicht nicht ausreichend ausgebaggert. Das Wasserniveau müsse dem Rhein entsprechen, sagte er.
Von der Sandbank befreit wurde der Frachter schließlich durch ein anderes niederländisches Schiff, das zufällig ebenfalls im Düsseldorfer Hafen lag und auslief. Es fuhr auf Bitte des Kapitäns heran und stupste den Frachter von der Sandbank. Danach konnte das Schiff zurück ins Hafenbecken fahren und entladen werden.
Das Niedrigwasser belastet den Schiffsverkehr auf dem Rhein insgesamt. Viele Frachter fahren nur noch mit geringer Ladung, einige Fähren haben ihren Betrieb eingestellt. Für die Industrie können Rohstoffe und Ersatzteile dadurch teurer werden, weil Transporte aufwendiger werden. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |