Bahn-Störung in Deutschland: Techniktausch legte Züge lahm

Die Störung im Bahnverkehr konnte gegen 0.30 Uhr behoben werden. Seither rollen die Züge wieder. | Foto: Jason Tschepljakow/dpa
  • Die Störung im Bahnverkehr konnte gegen 0.30 Uhr behoben werden. Seither rollen die Züge wieder.
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Deutschland. Tausende Reisende mussten in der Nacht auf Mittwoch, 24. Juni, eine unerwartete Zwangspause im Zugverkehr hinnehmen. Ursache für den bundesweiten Stillstand war nach Angaben der Deutschen Bahn ein geplanter Austausch einer technischen Komponente im digitalen Zugfunksystem GSM R.

Nach Angaben von Philipp Nagl, Chef der Infrastrukturgesellschaft DB InfraGo, löste der „planmäßige Tausch einer technischen Komponente“ die Störung aus. Warum der Austausch zu einem so weitreichenden Ausfall führte, wird nun untersucht. Weitere Details nannte der bundeseigene Konzern zunächst nicht.

Zugverkehr stand rund zwei Stunden still

Die Störung begann am Dienstagabend, 23. Juni, und legte den Bahnverkehr in ganz Deutschland für etwa zwei Stunden lahm. Fernzüge, Regionalbahnen, S Bahnen und auch Güterzüge waren betroffen.

Kurz nach Mitternacht konnte die Bahn das Problem beheben. Gegen 0.30 Uhr setzten sich die ersten Züge wieder in Bewegung. Am frühen Mittwochmorgen lief der Betrieb schrittweise wieder an. Laut Bahn waren am Morgen wieder alle Strecken befahrbar. Vereinzelt kam es jedoch noch zu Folgeverspätungen.

Politik fordert Aufklärung

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder verlangte eine umfassende Analyse des Vorfalls. Sollte der Ausfall mit Hardware oder einem Server Update zusammenhängen, müsse die Bahn ihre Systeme so aufstellen, dass sich ein solcher Stillstand nicht wiederholt.

Auch der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Tarek Al Wazir von den Grünen, sieht Handlungsbedarf. Das aktuell verwendete GSM System entspreche technisch dem Mobilfunkstandard 2G. Während Mobilfunknetze bereits auf 5G und perspektivisch 6G umstellen, müsse auch die Bahn ihre Infrastruktur widerstandsfähiger machen.

Ähnlich äußerte sich der Fahrgastverband Pro Bahn. Der Verband fordert mehr technische Stabilität und bessere Absicherung gegen Ausfälle im Zugfunk.

Güterverkehr weiterhin beeinträchtigt

Während der Personenverkehr am Mittwochmorgen weitgehend wieder anlief, meldeten Wettbewerber im Güterverkehr weiterhin Probleme. Nach Angaben des Branchenverbands Die Güterbahnen stand etwa die Hälfte der Güterzüge zunächst noch im Land oder an den Grenzen.

Die Branche rechnet damit, dass es mehrere Tage dauern kann, bis sich der entstandene Logistikstau vollständig aufgelöst hat.

Kritik an Notfallmanagement

Deutliche Kritik kam auch aus Nordrhein Westfalen. Verkehrsminister Oliver Krischer sprach von einem neuen Tiefpunkt bei der ohnehin schwachen Betriebsqualität der Bahn. Es könne nicht sein, dass ein einzelner technischer Defekt den gesamten Bahnverkehr in Deutschland zum Erliegen bringe.

In der Nacht strandeten zahlreiche Reisende an Bahnhöfen. Vor den Informationsschaltern bildeten sich lange Warteschlangen. Die Bahn verteilte Taxi und Hotelgutscheine. In einigen Städten waren jedoch kaum noch freie Hotelzimmer verfügbar. Zudem berichteten Fahrgäste von fehlenden Durchsagen und unklaren Informationen zum weiteren Reiseverlauf. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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