Auto-Proteste in Deutschland: IG Metall warnt vor Jobabbau
- IG-Metall-Chefin Benner: «VW muss endlich wieder seiner Verantwortung als sozialer Arbeitgeber gerecht werden».
- Foto: Moritz Frankenberg/dpa
- hochgeladen von dpa content
Wolfsburg. Für Beschäftigte der Auto- und Zulieferindustrie wächst in der Krise die Sorge um Jobs und Standorte: In Wolfsburg und an vielen weiteren Orten hat IG-Metall-Chefin Christiane Benner den Druck auf Unternehmen und Politik erhöht. Bei einer Aktion im VW-Stammwerk sagte sie laut Mitteilung, Beschäftigte bundesweit wollten zeigen, „dass es ihnen reicht“. „Überall brennt gerade die Hütte“, erklärte Benner.
Die Gewerkschaftschefin kritisierte die Vorstände großer deutscher Autokonzerne scharf. Unternehmen wie Volkswagen, BMW, Audi, Bosch, Mercedes und Porsche hätten lange für gute Qualität und erfolgreiche Exporte gestanden. Nun warf Benner den Unternehmensspitzen vor, die Branche „mit Vollgas gegen die Wand“ zu fahren und danach „Fahrerflucht“ zu begehen.
Was die IG Metall von Unternehmen und Politik fordert
Benner verlangte mehr Verantwortung für das „Autoland Deutschland“, die Beschäftigten und die Arbeitsplätze. Von der Politik forderte sie verlässliche Rahmenbedingungen, damit Investitionen in den Umbau der Industrie planbarer werden. Dazu zählten aus Sicht der IG Metall:
- bezahlbare Energie für Betriebe
- Förderung eines „Made in EU“-Ansatzes
- Schutz vor unfairem Wettbewerb
- Finanzhilfen für Zulieferer im Umbau
- Beibehaltung der Altersteilzeit-Regelungen
Die Beschäftigten müssten sich in der Umbruchphase zugleich auf Sozialpolitik und Industriepolitik verlassen können, sagte Benner.
Konflikt bei Volkswagen gilt als Signal für die Branche
Besondere Bedeutung misst Benner dem laufenden Konflikt bei Volkswagen bei. Dessen Ausgang habe „enorme Strahlkraft“ für Hersteller und Zulieferer in Deutschland. VW müsse wieder seiner Verantwortung als sozialer Arbeitgeber gerecht werden. Veränderung gehe nur mit der Belegschaft, nicht gegen sie.
Benner kritisierte Sparprogramme als falschen Weg aus der Krise. „Den letzten Cent aus den Beschäftigten herauspressen, ihn an die Aktionäre verteilen und Werke dichtmachen: Das ist kein Weg aus der Krise“, sagte sie. Zukunft entstehe nicht durch Sparprogramme. Von gut bezahlten Vorständen erwarte sie bessere Ideen.
Medien waren zu der Aktion auf dem Werksgelände nicht zugelassen. Nach Angaben von Betriebsrat und IG Metall hatte der Konzernvorstand um VW-Chef Oliver Blume dies in der vergangenen Woche verfügt. Die IG Metall rief für Montag, 21. September, zu Aktionen an bundesweit mehr als 200 Orten auf. Erwartet wurden mehr als 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |