70. Geburtstag von Dynamo-Dresden-Legende Gerd Weber

Gerd Weber begeht am 31. Mai seinen 70. Geburtstag. (Archivbild) | Foto: Bernd Wüstneck/dpa
  • Gerd Weber begeht am 31. Mai seinen 70. Geburtstag. (Archivbild)
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Schwarzwald. Ein früherer Olympiasieger und DDR-Fußballstar blickt auf ein Leben zwischen sportlichem Ruhm und politischem Absturz zurück. Dynamo-Dresden-Legende Gerd Weber wird am Sonntag, 31. Mai, 70 Jahre alt und will heute vor allem nach vorn schauen.

„Irgendwann muss der Deckel drauf sein. Ich schaue jetzt nach vorn. Jeder Gedanke, der zurückgeht, ist ein vertaner Gedanke. Man kann eh nichts mehr besser machen“, sagte Weber der Deutschen Presse-Agentur vor seinem Geburtstag. Den Ehrentag will der frühere Nationalspieler ruhig verbringen. Geplant ist ein Treffen im kleinen Familienkreis mit seiner Frau, Tochter, Schwiegersohn und den beiden Enkeln in einem Wellnesshotel im Schwarzwald. Große Feiern seien nicht sein Stil.

Olympiasieg und schneller Aufstieg

Vor fast einem halben Jahrhundert gehörte Weber zu den größten Talenten des DDR-Fußballs. Am Samstag, 31. Juli, 1976 wurde er mit der DDR-Nationalmannschaft Olympiasieger in Montreal. Im Finale saß der damals 20-Jährige allerdings verletzt auf der Bank. Kurz darauf erhielt er sein Abiturzeugnis als Olympiasieger. Wegen der intensiven Fußballkarriere hatte sich seine Schulzeit deutlich verlängert. Der Spieler von Dynamo Dresden bekam Einzelunterricht an der Sportschule. „Ich war meine eigene Klasse. Das war das Beste, was es gab“, erinnerte sich Weber. Mit Dynamo Dresden gewann er dreimal die DDR-Meisterschaft und einmal den FDGB-Pokal. Für die Nationalmannschaft lief er 35 Mal auf.

Verhaftung vor Auslandsreise

Seine Karriere endete abrupt. Im Januar 1981 wurde Weber gemeinsam mit den Mitspielern Peter Kotte und Matthias Müller kurz vor einer Südamerikareise verhaftet. Die DDR-Behörden warfen ihnen versuchten „ungesetzlichen Grenzübertritt“ vor. Der Deutsche Turn- und Sportbund schloss Weber aus. Ein Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Elf Monate verbrachte der Fußballer im Gefängnis. Nach der Haft wurde ihm das Fußballspielen verboten. Auch ein begonnenes Sportstudium musste er abbrechen. „Ich hatte fünf Jahre studiert. Jetzt stand ich bei null“, erinnerte sich Weber. Halt gab ihm vor allem seine Familie.

Neuanfang nach der Flucht

Weber machte eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und arbeitete mehrere Jahre in diesem Beruf. 1989 gelang ihm mit seiner Familie die Flucht über Ungarn in den Westen. Die Familie ließ sich schließlich im Schwarzwald nieder. Dort begann Weber erneut eine Ausbildung, diesmal zum Industriekaufmann. Später arbeitete er als Kfz-Sachverständiger. Im Alltag sei er im Schwarzwald kaum erkannt worden. Trotz aller Brüche blickt Weber auch mit Stolz auf seine sportliche Zeit zurück. Die DDR-Auswahl habe damals auf höchstem Niveau gespielt. Bei der Weltmeisterschaft 1974 besiegte das Team den späteren Weltmeister. In der Olympiaqualifikation 1976 setzte sich die DDR zudem gegen den späteren Europameister Tschechoslowakei durch.

Heute halten die verbliebenen Spieler von damals wieder enger Kontakt. Das 50. Jubiläum des Olympiasiegs von 1976 wurde bereits gemeinsam gefeiert. „Unsere Zeit war schön“, sagte Weber rückblickend. dpa/red

Autor:

Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern

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