Trauer vor dem Tod bewältigen: Was Angehörigen helfen kann

Ein geliebter Mensch wird nicht mehr gesund: In solchen Fällen beginnt die Trauer der Angehörigen schon vor dem Tod. | Foto: Paul Zinken/dpa
  • Ein geliebter Mensch wird nicht mehr gesund: In solchen Fällen beginnt die Trauer der Angehörigen schon vor dem Tod.
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Trauer vor dem Tod bewältigen. Gefühle zuzulassen, darüber zu sprechen und Unterstützung anzunehmen, kann Angehörige in der Zeit einer unheilbaren Erkrankung entlasten. Denn der Abschied beginnt für viele Menschen nicht erst mit dem Tod.

Wenn ein nahestehender Mensch schwer erkrankt, verändert sich der Alltag oft schrittweise. Gespräche sind anders, gemeinsame Pläne werden unsicher und vertraute Rollen in der Familie verschieben sich. Diese Verluste können schmerzen, obwohl der erkrankte Mensch noch da ist.

Die Trauerberaterin Tanja M. Brinkmann beschreibt diese Zeit als Trauer vor dem Tod. «Die Trauer vor dem Tod besteht aus zahlreichen Verlusten, die Menschen in dieser Zeit erleben. Die erkrankte Person ist physisch noch da, man verbringt Lebenszeit mit ihr und gleichzeitig verabschiedet man sich aber auch schon von ihr», sagt sie. Häufig beginne diese Form der Trauer mit der Diagnose einer unheilbaren Erkrankung, die zum Tod führt.

Angst, Erschöpfung und Hoffnung können gleichzeitig da sein

Trauer zeigt sich in dieser Situation nicht nur als Traurigkeit. Angst und Unsicherheit seien typisch, sagt Brinkmann. Auch Überforderung, Erschöpfung, Verzweiflung, Schuldgefühle oder Neid auf Menschen ohne vergleichbare Belastung können dazugehören.

Die Empfindungen ähneln damit vielfach der Trauer nach einem Todesfall. Einen wichtigen Unterschied sieht die Beraterin in der Hoffnung. «Hoffnung ist eine Besonderheit bei der Trauer vor dem Tod», sagt Brinkmann. Sie kann sich auf eine neue Therapie oder auf zusätzliche gemeinsame Zeit richten.

Eigene Gefühle müssen nicht verborgen bleiben

An- und Zugehörige stellen ihre eigenen Bedürfnisse oft zurück, weil sie selbst nicht erkrankt sind. «Das, was häufig passiert, ist, dass die An- und Zugehörigen ihre Gefühle und Bedürfnisse hintenanstellen, weil sie ja nicht erkrankt sind», sagt Brinkmann.

Entlastend kann es sein, Gedanken, Sorgen und offene Fragen nicht dauerhaft zu verdrängen. Das kann auch in Gegenwart der erkrankten Person möglich sein, sofern beide dafür offen sind. Die Vorstellung, immer stark sein zu müssen, erschwert nach Einschätzung der Beraterin mitunter gerade den Austausch.

Aus ihren Beratungen weiß Brinkmann: «Wenn es doch solche Begegnungen gab, wo beide heulend nebeneinandersaßen und sich zum Beispiel über die Bestattung unterhalten haben, sind das für die Beziehung und die Erinnerung ganz wesentliche Momente.»

Offene Gespräche schaffen Raum für das, was wichtig ist

Wie offen über den bevorstehenden Tod gesprochen werden kann, hängt davon ab, wie weit beide Seiten ihn annehmen können. Einen offenen Umgang erlebt Brinkmann jedoch oft als «sehr heilsam». Dann kann es etwa darum gehen, den Alltag trotz Therapie und Einschränkungen möglichst vertraut fortzuführen oder einen besonderen gemeinsamen Wunsch umzusetzen.

Auch Bestattungswünsche und ungeklärte familiäre Themen können ihren Platz haben. Einen vermeintlich richtigen Abschied gibt es allerdings nicht. «Auch An- und Zugehörige befinden sich in einem absoluten Ausnahmezustand, in einer Extremsituation», sagt Brinkmann.

Rituale oder bestimmte Gespräche können hilfreich sein, wenn sie beiden wichtig sind und das Gegenüber dafür offen ist. Druck, noch etwas Bestimmtes erledigen oder aussprechen zu müssen, ist dabei keine Entlastung.

Das soziale Umfeld kann Angehörige auffangen

Neben der gemeinsamen Zeit braucht es für Angehörige eigene Ansprechpersonen. «Die größte Unterstützung, die trauernde Menschen vor dem Tod haben, ist bestenfalls ihr soziales Umfeld», sagt Brinkmann. Eine Kollegin, ein Nachbar oder vertraute Freunde können zuhören und Raum für Sorgen geben.

Auch das Behandlungsteam, Hospizbegleiterinnen und -begleiter sowie Seelsorgende können begleiten. Entscheidend ist nicht, den Abschied perfekt zu gestalten, sondern Belastung und Gefühle nicht allein tragen zu müssen. [dpa/red]

Autor:

dpa content aus Ludwigshafen

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