Torffreie Erde: Was beim Gärtnern wirklich zählt
- Was genau landet im Balkonkasten? Beim Kauf von Gartenerde sollte man darauf achten, dass sie frei von Torf ist. (zu dpa: «Auch eine Frage der Erde: So geht klimaschonendes Gärtnern»)
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Torffreie Erde. Berlin – Die Wahl der richtigen Erde entscheidet nicht nur über das Pflanzenwachstum, sondern auch über Klima- und Umweltschutz im Alltag. Wer im Garten, auf dem Balkon oder in Kübeln pflanzt, beeinflusst mit dem Substrat direkt den CO2-Ausstoß und den Schutz empfindlicher Moore.
Manche Zimmerpflanzen kommen sogar ganz ohne Erde aus. Glücksbambus, Monstera, Ficus Benjamini, Philodendron oder einzelne Kräuter wachsen auch im Wasser. Voraussetzung ist eine hohe Feuchtigkeitsverträglichkeit und ein halbschattiger Standort mit indirektem Licht, wie der Industrieverband Agrar (IVA) erläutert. Nährstoffe erhalten diese Pflanzen über flüssigen Dünger.
Sobald es um Gartenbeete oder Balkonkästen geht, spielt Erde eine zentrale Rolle. Sie bestimmt, wie gut Pflanzen Wasser speichern, Nährstoffe aufnehmen und langfristig gesund bleiben.
Boden und Pflanzen müssen zusammenpassen
Dass nicht jede Erde für jede Pflanze geeignet ist, zeigt das Beispiel der Kräuterspirale. «Oben wachsen wärmeliebende Arten, etwa Rosmarin, Lavendel oder Thymian. Hier kann der Boden mager sein, also mit hohem Sandanteil», erklärt Corinna Hölzel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). In diesem Bereich wird Gartenerde etwa zur Hälfte mit Sand gemischt.
Nach unten hin steigt der Humus- und Nährstoffanteil. «Im mittleren Bereich mit höherem Humusanteil fühlen sich Melisse und Oregano wohl. Ganz unten, wo es feucht und nährstoffreich ist, kommen Minze, Schnittlauch und Petersilie gut zurecht», so Hölzel. Gärtner können den Boden gezielt anpassen, indem sie Kompost untermischen oder Sand hinzufügen.
Wer keine eigene Mischung herstellen möchte, findet im Handel spezielle Erden für Kräuter, Tomaten oder Rhododendren. Diese sind auf den jeweiligen Nährstoffbedarf abgestimmt.
Warum torffreie Erde fürs Klima entscheidend ist
Für klimaschonendes Gärtnern rät der BUND ausdrücklich zu torffreier Erde. «Torf stammt aus Mooren, die wertvolle Lebensräume für zahlreiche seltene Tiere und Pflanzen sind. Wird Torf abgebaut, wird dieser Lebensraum unwiederbringlich zerstört», sagt Hölzel.
Moore speichern große Mengen Kohlenstoff. Beim Trockenlegen für den Torfabbau wird dieser als CO2 freigesetzt und verstärkt den Klimawandel. Torffreie Substrate vermeiden diesen Effekt und gelten daher als deutlich umweltverträglicher.
Wo torffreie Erde erhältlich ist
Torffreie Produkte sind inzwischen weit verbreitet. Sie finden sich in Gartencentern, Baumärkten und in der Datenbank der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe auf der Webseite torffrei.info. Als verlässlich gelten die Kennzeichnungen «torffrei» und «ohne Torf». In sogenannter Bio-Erde kann dagegen ein Torfanteil enthalten sein.
Viele torffreie Erden bestehen aus Rindenhumus, Holz-, Kokos-, Chinaschilf- oder Hanffasern. Zusätze wie Sand, Lavagranulat oder Tonminerale verbessern Struktur und Nährstoffversorgung. Regionale Produkte haben zudem kürzere Transportwege.
Eine weitere Alternative ist Kompost aus dem eigenen Garten oder aus kommunalen Anlagen. Gartenkompost ist oft nährstoffreicher als Torf und macht zusätzlichen Dünger überflüssig. Für Anzuchterde empfiehlt der BUND eine Mischung aus Gartenerde, Kompost und Sand zu gleichen Teilen.
Besonderheiten bei torffreien Substraten
Je gröber das Substrat, desto schneller fließt Wasser ab. Feinkrümelige Komposterde speichert Feuchtigkeit gut. Rindenhumus trocknet schneller aus und sollte häufiger gegossen oder mit feineren Bestandteilen gemischt werden.
Entscheidend ist, das Austrocknen der Erde zu beobachten und das Gießen anzupassen. Mulchen mit organischem Material kann zusätzlich vor Wasserverlust schützen. Wer vorab den Wasser- und Nährstoffbedarf der Pflanzen kennt, vermeidet Pflegefehler und unnötigen Aufwand. dpa
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |