Tempo-30-Abschnitte senken Unfälle auf Hauptstraßen deutlich
- Symbolbild: Gezielte Tempo-30-Abschnitte auf Hauptstraßen können Unfälle und besonders schwere Verletzungen deutlich reduzieren. Eine UDV-Studie zeigt den Effekt auch dort, wo viele schneller als 30 km/h fahren.
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Tempo-30 Abschnitte Unfallreduzierung. Gezielte Tempo-30-Abschnitte auf innerstädtischen Hauptverkehrsstraßen können die Zahl der Unfälle spürbar senken, selbst wenn viele Autofahrende schneller als 30 km/h fahren.
Wer regelmäßig auf mehrspurigen Stadtstraßen unterwegs ist, kennt die kritischen Stellen zwischen großen Kreuzungen, mit Straßenbahn, Radverkehr und vielen Spurwechseln. Genau dort können Tempo-30-Schilder als zusätzliches Aufmerksamkeitssignal wirken und die Unfallfolgen in der Praxis abmildern.
Hintergrund sind Auswertungen der Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Untersucht wurden Tempo-30-Strecken zwischen großen Kreuzungen bis 750 Meter Länge, auf denen vorher Tempo 50 galt.
Was die Studie konkret gemessen hat
Die UDV hat 84 Tempo-30-Abschnitte sowie angrenzende Tempo-50-Abschnitte auf 42 Hauptverkehrsstraßen in sechs Städten untersucht. Die Abschnitte wurden zwischen 2016 und 2021 eingerichtet. Ausgewertet wurden Unfalldaten drei Jahre vor und zwei bis drei Jahre nach der jeweiligen Anordnung. Zusätzlich flossen Messungen von Geschwindigkeiten und Fahrzeugmengen, Floating-Car-Daten und weitere Vorher-Nachher-Analysen ein.
Insgesamt wurden 2.428 Unfälle mit Personenschaden ausgewertet, davon 419 in Tempo-30-Abschnitten.
Ergebnis: weniger Unfälle, besonders weniger schwere
Im Vergleich zur Situation vorher blieb in den untersuchten Tempo-30-Abschnitten laut UDV jeder sechste Unfall mit Verunglückten aus. Die Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten und Getöteten sank um mehr als die Hälfte. Der Effekt zeigte sich besonders in komplexen Verkehrssituationen, etwa auf mehrspurigen Straßen oder im Mischverkehr mit Straßenbahnen.
Zur Einordnung gehört auch: 43 Prozent der schweren Unfälle blieben trotz Tempo 30 bestehen.
Warum es hilft, obwohl viele schneller fahren
Die UDV verweist darauf, dass sich nur rund ein Viertel an Tempo 30 hielt. Etwa die Hälfte fuhr schneller als 36 km/h. Rund jeder Siebte lag sogar über 47 km/h. Die mittlere Geschwindigkeit war damit kaum langsamer als zuvor.
Trotzdem sanken die Unfallzahlen. Als Erklärung nennt die UDV die Signalwirkung: Ein Tempo-30-Schild auf einer Hauptstraße, auf der sonst Tempo 50 gilt, kann an sensiblen oder komplexen Stellen die Aufmerksamkeit erhöhen. Messbare Verkehrsverlagerungen in Nebenstraßen wurden in den untersuchten Fällen nicht festgestellt.
Welche Unfallarten besonders zurückgingen
Die Studie zeigt Rückgänge vor allem bei Kollisionen zwischen Kraftfahrzeugen. Unfälle mit Fußgängern nahmen ebenfalls ab, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau. Schwere Unfälle sanken bei allen Verkehrsteilnehmenden, auch bei Radfahrenden.
Bemerkenswert ist, dass nicht nur Unfälle zurückgingen, bei denen das Tempolimit unmittelbar eine Rolle spielt. Genannt werden auch Dooring-Unfälle oder Rad-Alleinunfälle.
Was das für Städte und den Alltag im Straßenverkehr bedeutet
Die UDV betont, dass sich aus den Ergebnissen keine Aussage für ein stadtweites oder flächendeckendes Tempo 30 ableiten lässt. Untersucht wurde ausdrücklich der Wechsel von Tempo 50 auf gezielt angeordnete Tempo-30-Abschnitte.
Als praktische Konsequenz ergibt sich vor allem eine Einordnung, wann Tempo 30 besonders plausibel ist:
- an sensiblen Stellen wie Schulwegen oder Zebrastreifen
- in komplexen Abschnitten zwischen großen Kreuzungen
- auf mehrspurigen Straßen mit vielen Konfliktpunkten
- im Mischverkehr, zum Beispiel mit Straßenbahnen
Gleichzeitig bleibt Tempo 30 laut UDV nur ein Baustein. Sichere Überwege, ausreichende Sichtbeziehungen, passende Straßenraumgestaltung und Geschwindigkeitskontrollen bleiben wichtige Faktoren.
Weiterführende Materialien zur Studie bietet die UDV online unter www.udv.de.
Kontakt zur UDV: Kirstin Zeidler, Telefon 030-2020-5820, E-Mail k.zeidler@gdv.de.
Unterm Strich spricht die Auswertung dafür, Tempo-30-Abschnitte dort zu setzen, wo viele Konflikte zusammenkommen und ein zusätzliches Aufmerksamkeitssignal im Alltag die Unfallfolgen messbar reduzieren kann.
Autor:Meike Jakob aus Landau |