So wertvoll wie Regenwald: Warum Streuobstwiesen geschützt werden müssen

Gerade im Frühjahr sind die Wiesen mit ihren blühenden Bäumen ein toller Anblick.  | Foto: Jörg Halisch/dpa
  • Gerade im Frühjahr sind die Wiesen mit ihren blühenden Bäumen ein toller Anblick.
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Rheinland-Pfalz. Blühende Obstbäume prägen im Frühjahr vielerorts das Landschaftsbild. Gleichzeitig sind Streuobstwiesen einer der wichtigsten Lebensräume für Tiere und Pflanzen in Mitteleuropa. Darauf weisen Naturschutzverbände zum Tag der Streuobstwiese am Donnerstag, 24. April, hin.

Nach Angaben des Naturschutzbundes (NABU) Rheinland-Pfalz gehören diese Flächen zu den artenreichsten Biotoptypen der Region. Alte Obstsorten, unterschiedliche Baumarten und Wiesenflächen auf engem Raum schaffen viele ökologische Nischen.

Warum Streuobstwiesen so wertvoll sind

Frederik Weires vom NABU Rheinland-Pfalz beschreibt Streuobstwiesen als „Hotspots der Artenvielfalt“. In Baumkronen, Stamm und Wurzeln finden zahlreiche Tiere Lebensräume. Besonders alte Bäume mit Höhlen oder Totholz bieten Rückzugsorte für Vögel und Insekten.

Auch das Obst spielt eine Rolle. Es dient vielen Tierarten als Nahrung. Gleichzeitig bewahren Streuobstwiesen eine große Vielfalt alter Sorten. Dieses genetische Potenzial gilt als wichtiger Schatz für Landwirtschaft und Naturschutz.

Die ökologische Bedeutung ist laut Umweltverbänden enorm. Der Nutzen einer solchen Fläche sei mit der Artenvielfalt tropischer Wälder vergleichbar.

Viel Arbeit für Pflege und Erhalt

Damit die Wiesen erhalten bleiben, ist regelmäßige Pflege nötig. Dazu gehören vor allem:

  • regelmäßiges Mähen des Grünlands
  • Pflegeschnitt der Obstbäume
  • Nachpflanzen junger Bäume
  • Entfernen zu stark wachsender Sträucher

Ein Großteil dieser Arbeit erfolgt manuell oder mit kleinen Maschinen. Besonders alte Bäume müssen regelmäßig geschnitten werden. Sonst können Äste unter ihrem eigenen Gewicht oder durch große Erntemengen brechen.

Im vergangenen Jahr etwa trugen viele Apfelbäume besonders viele Früchte. Teilweise mussten Äpfel vorzeitig gepflückt oder von den Bäumen geschüttelt werden, damit Äste nicht abbrechen.

Wiesen stehen unter Druck

Trotz ihrer Bedeutung gelten Streuobstwiesen als gefährdet. Ein Grund ist der hohe Pflegeaufwand. Zudem sinkt die Nachfrage nach regionalen oder alten Obstsorten.

Viele Flächen werden deshalb vor allem von engagierten Landwirten, Privatpersonen oder Ehrenamtlichen betreut. Ohne diese Arbeit würden Wiesen verbuschen oder anders genutzt.

Neue Streuobstwiesen entstehen oft als Ausgleichsflächen für Bauprojekte. Naturschützer kritisieren jedoch, dass solche Anlagen nicht immer langfristig gepflegt werden. Dann verschwinden sie nach wenigen Jahren wieder.

Wie Engagement vor Ort aussieht

In Rheinland-Pfalz arbeiten Initiativen und Vereine zusammen, um Streuobstwiesen zu erhalten. Die Interessengemeinschaft Streuobst betreut nach eigenen Angaben rund 400 Hektar Fläche und unterstützt bei Fragen zu Sortenauswahl oder Standort.

Auch lokale Gruppen engagieren sich. In Mainz pflegt der BUND beispielsweise Wiesen an der Alten Ziegelei im Stadtteil Bretzenheim. Dort wurden auch Baumpatenschaften angeboten. Für einen festen Betrag konnte ein Obstbaum ausgewählt und mit einer persönlichen Plakette versehen werden.

Solche Projekte zeigen, dass Streuobstwiesen nicht nur ökologisch wichtig sind. Sie gelten auch als Teil der regionalen Kulturlandschaft und als Lernort für Natur und Landwirtschaft. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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