Schreiadler schützen: Kurze Jagdwege erhöhen die Chancen fürs Küken

Wenn Wiesen nahe am Brutwald naturnah bewirtschaftet werden, finden Schreiadler schneller Beute und das Nest bleibt seltener unbewacht. | Foto: jonnysek/stock.adobe.com
  • Wenn Wiesen nahe am Brutwald naturnah bewirtschaftet werden, finden Schreiadler schneller Beute und das Nest bleibt seltener unbewacht.
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Schreiadler schützen. Kurze Wege zur Beute können den Bruterfolg erhöhen, weil dann häufiger ein Elternvogel am Horst bleibt und das Küken vor Fressfeinden schützt.

Darauf zielt ein Artenschutzprojekt der Deutschen Wildtier Stiftung: Brut- und Nahrungsräume in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg werden so verbessert, dass Schreiadler direkt in Nestnähe genug Nahrung finden. Hintergrund ist eine typische Schwachstelle in der Brutzeit. Müssen beide Altvögel gleichzeitig weite Strecken zur Jagd fliegen, bleibt das Nest unbewacht. Dann haben Habicht, Marder oder Waschbär leichtes Spiel, wie Projektleiterin Andrea Andersen im Verbundprojekt „Gemeinsam für den Schreiadler“ erläutert.

Die praktische Idee dahinter ist einfach. Wenn Beute in der Nähe verfügbar ist, kann ein Elternteil am Horst bleiben, das Küken wärmen und Angreifer vertreiben. Genau diese Zeit am Nest gilt als entscheidender Faktor, wenn Küken in den ersten Wochen besonders verletzlich sind.

Welche Maßnahmen rund um den Horst helfen können

Ein Schwerpunkt des Projekts ist die Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben nahe von Brutwäldern. Mitarbeitende beraten dazu, wie sich Grünland naturnah und schreiadlerfreundlich bewirtschaften lässt und welche Förderprogramme einen finanziellen Ausgleich ermöglichen.

Als Beispiel nennt das Projekt die sogenannte Staffelmahd:

  • Ein Teil der Wiese wird kurz gemäht.
  • Ein anderer Teil bleibt höher stehen und dient Kleinsäugern, Amphibien und Reptilien als Rückzugsraum.

Der Nutzen für die Art entsteht über die Jagdweise. Der Schreiadler gilt als geschickter Bodenjäger. Wenn eine Maus aus dem höheren Bewuchs wechselt, kann der Adler sie am Boden leichter erbeuten und in kurzer Zeit ins nahe Nest tragen. So sinkt die Zeitspanne, in der das Küken ungeschützt ist.

Zum Projekt gehört auch ehrenamtliche Unterstützung. Freiwillige kontrollieren Nester und Bruterfolg regelmäßig und melden Störungen, etwa durch Forstarbeiten, frühzeitig. Gegen natürliche Beutegreifer hilft das jedoch nicht immer. Im vergangenen Jahr wurden laut Projektangaben trotz Schutzbemühungen sechs Küken Opfer von Räubern.

Wie knapp die Lage teils ist, zeigen die Zahlen aus dem Nationalen Artenhilfsprogramm. Bei rund 130 Brutpaaren in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg flogen im vergangenen Jahr insgesamt 65 Jungvögel aus. In Mecklenburg-Vorpommern wurden 53 Jungvögel gezählt, das waren 22 mehr als im Jahr 2024. In Brandenburg lag der Bruterfolg 2025 bei 12 Jungvögeln, nach 17 im Jahr 2024.

Ergänzend setzen die Partner auf Jungvogelmanagement. 2025 wurden 26 Eier aus Nestern entnommen und in einer Potsdamer Aufzuchtstation künstlich ausgebrütet. Drei Küken überlebten die kritische Anfangsphase nicht. Die Aufzucht der übrigen Tiere verlief erfolgreich. Im September sollen 23 gesunde Jungvögel ausgewildert werden. Den Zug ins afrikanische Winterquartier müssen sie ohne Eltern bewältigen.

Getragen wird das Vorhaben von der Deutschen Wildtier Stiftung, der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe und der Stiftung Umwelt und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern. Es wird im Rahmen des Nationalen Artenhilfsprogramms durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

Unterm Strich zeigt das Projekt vor allem eines: Wenn Lebensräume so gestaltet werden, dass Nahrung näher am Horst verfügbar ist, steigen die Chancen, dass Küken die ersten Wochen überstehen. [red]

Autor:

Thorsten Kornmann aus Karlsruhe

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