Rothirsch: Warum „Trittsteine“ Lebensräume verbinden sollen
- Wenn Waldgebiete voneinander getrennt sind, können Rothirsche kaum wandern. Neue „Trittstein“-Vorkommen sollen Bestände wieder verbinden und Inzucht-Risiken senken.
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Rothirsch Lebensräume vernetzen. Gemeint sind kleine neue Vorkommen als „Trittsteine“, damit sich getrennte Rothirsch-Bestände wieder genetisch austauschen können und Inzucht-Risiken sinken.
Der Hintergrund ist alltagsnah, auch wenn viele den Rothirsch nur aus dem Wald kennen. Wo Wildtiere kaum wandern dürfen, entstehen isolierte Populationen. Das kann laut Studienlage langfristig die Widerstandsfähigkeit einer Art schwächen.
Die Deutsche Wildtier Stiftung verweist darauf, dass der Rothirsch als „Tier des Jahres 2026“ nur auf etwa 25 Prozent der Fläche Deutschlands vorkommt, während Rehe und Wildschweine fast flächendeckend verbreitet sind. Als Hauptgrund nennt die Stiftung weniger fehlende Lebensräume, sondern Regeln wie Rotwildbezirke, die in mehreren südlichen Bundesländern festlegen, wo Rotwild geduldet wird.
Warum Rotwildbezirke und Isolation zum Problem werden können
Besonders deutlich wird das Beispiel Bayern. Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung wird der Rothirsch dort auf 86 Prozent der Landesfläche nicht geduldet, weil Reviere außerhalb festgelegter Rotwildbezirke „rotwildfrei“ zu halten seien.
Welche Folgen eine solche Zerschneidung haben kann, zeigt laut Mitteilung eine Studie der Technischen Universität München. Demnach weisen Rothirsch-Vorkommen im Landesinneren Bayerns bereits Anzeichen genetischer Verarmung und Inzucht auf. Das ist eine wissenschaftliche Einordnung und kein akuter Alarm, aber ein Hinweis darauf, dass fehlende Verbindung zwischen Teilpopulationen ein reales Risiko sein kann.
Was mit „Trittstein-Vorkommen“ konkret gemeint ist
Nach dem 12. Rotwildsymposium in Hamburg fordert die Deutsche Wildtier Stiftung zusätzliche „Trittstein-Vorkommen“. Das sind kleinere, neu zugelassene Rothirsch-Vorkommen zwischen bestehenden Gebieten, die Wanderungen erleichtern und damit den genetischen Austausch fördern sollen.
Die Stiftung nennt als praktikables Beispiel Flächen der öffentlichen Hand. Dort könnten auch kleine Vorkommen ausreichen, um Teilpopulationen wieder besser zu verbinden.
- Grünbrücken und Korridore helfen beim sicheren Queren von Straßen und bei Wanderungen.
- Trittstein-Vorkommen sollen als zusätzliche Zwischenstationen dienen, wenn die Distanz zwischen Lebensräumen sonst zu groß ist.
- Ziel ist ein stabilerer langfristiger Bestand durch mehr genetische Durchmischung.
Einordnung: Nutzen fürs Ökosystem, Konfliktpunkt Wildschaden
Beim Symposium herrschte laut Stiftung Einigkeit, dass Rothirsche wichtige ökologische Funktionen erfüllen. Genannt werden unter anderem die Verbreitung von Pflanzensamen über viele Kilometer sowie die Rolle als Nahrungsquelle für zahlreiche Arten, vom Aaskäfer bis zum Wolf.
Gleichzeitig wird der Rothirsch in der Praxis vielerorts vor allem als potenzieller Verursacher von Wildschäden wahrgenommen. Diese Abwägung prägt die Debatte um Duldung, Jagd- und Verordnungsrecht und damit auch die Frage, ob neue „Trittsteine“ politisch und verwaltungsseitig zugelassen werden.
Als praktische Konsequenz lässt sich die Forderung so zusammenfassen: Wo rechtliche Grenzen Rothirsch-Bestände isolieren, sollen zusätzliche kleine Vorkommen helfen, Lebensräume zu verbinden und damit langfristige Risiken wie Inzucht zu reduzieren.
Autor:Meike Jakob aus Landau |