Rohes Fleisch für Hund und Katze: So wird BARF sicher und ausgewogen
- Wer Hund oder Katze roh füttert, muss Rationen und Hygiene sauber planen, damit Nährstoffe stimmen und Keime nicht zum Problem werden.
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BARF sicher füttern. Wer Hund oder Katze mit rohem Fleisch füttern will, braucht vor allem zwei Dinge: eine wirklich ausgewogene Ration und konsequente Küchenhygiene, damit es nicht zu Mangelversorgung oder vermeidbaren Keimen kommt.
Im Alltag scheitert Rohfütterung selten am guten Willen, sondern an Details wie Kalzium-Phosphor-Verhältnis, fehlenden Spurenelementen oder daran, dass rohes Fleisch Krankheitserreger in Küche und Napf bringen kann.
Darauf weist auch der Bundesverband für Tiergesundheit e.V. hin, der die wichtigsten Risiken und Stellschrauben bei rohem Fleisch für Hunde und Katzen zusammenfasst.
Ausgewogene Ration: Diese Nährstoffe sind die häufigsten Baustellen
Viele Tierhaltende wählen rohes Fleisch, Innereien und Knochen, weil es als naturnah empfunden wird. Für die Gesundheit zählt jedoch, ob die Ration den Bedarf langfristig abdeckt. Fehler in der Zusammenstellung können Unter- oder Überversorgungen auslösen, die sich erst nach Wochen oder Monaten zeigen.
Wichtige Punkte, die in der Praxis besonders oft kritisch sind:
- Energie und Eiweiß müssen zur Lebensphase passen, also zum Beispiel Wachstum, Trächtigkeit, Alter oder Aktivitätsniveau.
- Mineralstoffe und Vitamine sind nicht automatisch abgedeckt, nur weil Fleisch „hochwertig“ wirkt. Genannt werden vor allem Kupfer, Zink und Jod sowie die Vitamine A und D.
- Das Kalzium-Phosphor-Verhältnis muss stimmen, besonders wenn mit Knochen gearbeitet wird oder Knochen fehlen.
- Katzen brauchen zwingend Taurin als essenzielle Aminosäure.
- Innereien, die Schilddrüsengewebe enthalten, also sogenannter Schlund, können bei Hunden die Schilddrüsenwerte erhöhen.
Für eine bedarfsgerechte Planung kann eine tierärztliche Ernährungsberatung helfen, weil sie den individuellen Bedarf einordnet und typische Mangelkonstellationen in der Rohfütterung früh erkennt.
Keime und Viren: Was rohes Fleisch für Tier und Mensch bedeuten kann
Rohes Fleisch kann mit Krankheitserregern belastet sein. Genannt werden Bakterien wie Salmonellen, Campylobacter oder bestimmte Escherichia-coli-Stämme. Außerdem kommen Parasiten wie der Hundebandwurm oder Toxoplasmen infrage, die je nach Erreger auch für Menschen relevant sein können.
Zusätzlich können Viren eine Rolle spielen. Als aktuelles Beispiel wird die hochpathogene Aviäre Influenza genannt, also HPAI, auch Geflügelpest. In den vergangenen Jahren wurden vor allem in Asien und den USA, aber auch in einigen europäischen Ländern, Infektionen bei Katzen nach dem Verzehr von kontaminiertem rohem Geflügel oder entsprechenden Rohfuttermitteln beschrieben. Hunde gelten als weniger empfänglich, dort wurden Infektionen zumeist auf Kontakt mit toten Wildvögeln zurückgeführt.
Ein weiterer Punkt ist Aujeszky. Wegen möglicher Kontaminationen sollten Hunde und Katzen grundsätzlich kein rohes Schweinefleisch erhalten. Zwar gilt die Erkrankung in deutschen Schweinebeständen seit langem als getilgt, in anderen europäischen Ländern und bei Wildschweinen kommt sie jedoch noch vor. Für Menschen ist dieses Virus ungefährlich, für Hunde und Katzen aber tödlich. Besonders betroffen sein können Jagdhunde, wenn Kontakt zu erlegten Wildschweinen besteht oder Fleisch und Innereien verfüttert werden.
Hygiene in Küche und Napf: So sinkt das Kontaminationsrisiko
Wer mit Rohmaterialien füttert, sollte Lagerung, Zubereitung und Reinigung besonders sauber organisieren. Dabei geht es weniger um Perfektion, sondern um verlässliche Routinen.
- Fleisch aus zuverlässigen Quellen beziehen und sachgerecht gekühlt oder gefroren lagern.
- Arbeitsflächen, Näpfe und Küchenutensilien nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich reinigen.
- Hände mit warmem Wasser und Seife gründlich waschen.
Wenn Einfrieren genutzt wird, um Parasitenstadien abzutöten, ist laut Hinweis wichtig, dass das Fleisch mindestens eine Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad Celsius tiefgefroren bleibt.
Entwurmung und Kontrollen: Rohfütterung verändert die Prophylaxe
Hunde und Katzen, die mit rohem Fleisch gefüttert werden, haben besondere Anforderungen an die Parasitenprophylaxe. Entwurmungsmaßnahmen sollten regelmäßig überprüft und an das einzelne Tier angepasst werden. Tierärztliche Praxen können dazu einen Prophylaxeplan empfehlen, der zur Fütterung passt.
Mehr Hintergrundinformationen bietet der Bundesverband für Tiergesundheit e.V. unter https://www.bft-online.de.
Unterm Strich kann Rohfütterung funktionieren, wenn Nährstoffplanung, Hygiene und Parasitenprophylaxe als festes Gesamtpaket behandelt werden.
Autor:Thorsten Kornmann aus Karlsruhe |