Report Mainz: Wenn Hitzetage die Trinkwasserfrage zuspitzen

Report Mainz: Hitzetage sorgen in vielen Städten und Gemeinden für Appelle zum Wassersparen. Die Umfrage zeigt, wie angespannt die Lage bei Versorgern bereits ist. | Foto: Celt Studio/stock.adobe.com
  • Report Mainz: Hitzetage sorgen in vielen Städten und Gemeinden für Appelle zum Wassersparen. Die Umfrage zeigt, wie angespannt die Lage bei Versorgern bereits ist.
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Report Mainz. Hitzetage bringen vielerorts nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Trinkwasserversorgung an Grenzen. Eine Umfrage des ARD-Politikmagazins unter Wasserversorgern zeigt, dass ein Teil der Unternehmen die Lage in Zukunft mit der bisherigen Infrastruktur kaum noch bewältigen kann.

Konkret geben knapp 19 Prozent der antwortenden Versorger an, die Versorgung sei angesichts steigender Hitzetage künftig „kaum noch“ oder „gar nicht“ zu schaffen. 45 Prozent stufen sie als „gerade noch“ bewältigbar ein, 36 Prozent als „gut“.

Mehr Verbrauch, erste Einschränkungen in Städten und Gemeinden

In diesem Sommer kletterten die Temperaturen in Deutschland an mehreren Tagen zeitweise auf Werte von teils über 40 Grad. In vielen Städten und Gemeinden folgten darauf Einschränkungen oder Appelle zum Wassersparen, weil der Verbrauch deutlich stieg.

Unter den Versorgern, die an der Umfrage teilnahmen, berichtete jedes vierte Unternehmen von solchen Maßnahmen. Insgesamt beteiligten sich an der nicht repräsentativen Befragung mehr als 140 Wasserversorger.

Report Mainz: „Das neue Normal“ bei extremer Hitze?

Im Interview ordnet Jörg Drewes, Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der Technischen Universität München, die Entwicklung als strukturelles Problem ein. Er sagt: „Ich würde es tatsächlich als das neue Normal beschreiben, was wir hier sehen. Wir haben extreme Veränderungen in beide Richtungen. Zu viel Wasser auf der einen und zu wenig Wasser auf der anderen Seite. Vor allem auch schlechter prognostizierbar. Wir kennen das aus anderen Ländern, wo die Wasserversorgung nicht 24 Stunden gewährleistet ist“.

Drewes hält es für vorstellbar, dass auch in Deutschland einzelne Kommunen während extremer Hitzeperioden zeitweise nicht durchgehend versorgt werden. Die heutige Trinkwasserinfrastruktur sei an vielen Orten nicht auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet.

Was in den nächsten Jahren teuer werden dürfte

Wie groß der Umbau werden könnte, zeigt eine Studie im Auftrag des Verbands der Kommunalen Unternehmen (VKU) aus dem Jahr 2025: Sie schätzt den Investitionsbedarf für die Wasserinfrastruktur auf 800 Milliarden Euro in den nächsten 20 Jahren. Für Anpassungen an den Klimawandel veranschlagt das Gutachten 80 bis 120 Milliarden Euro.

Genannt werden unter anderem neue Wasserpipelines, um wasserarme Bereiche mit wasserreichen Regionen zu verbinden, außerdem Talsperren, größere Wasserspeicher, zusätzliche Brunnen und neue Formen des Wassermanagements, etwa in Großstädten.

„Nur ein Tropfen auf den heißen Stein“

Seit 2023 gibt es auf Bundesebene die Nationale Wasserstrategie, die auch die Anpassung des Wassernetzes an den Klimawandel als wichtiges Ziel benennt. In der Umfrage bewerten 63 Prozent der antwortenden Versorger den Fortschritt als langsam, nur 37 Prozent als gut oder sehr gut.

Jörg Drewes, der auch Co-Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) ist, kritisiert vor allem die Finanzierung und sagt: „Da sehe ich den Bund eindeutig in der Pflicht, die Daseinsvorsorge in Zukunft zu sichern, auch für kommende Generationen“, so Drewes. [red]

Autor:

Stephanie Walter aus Wochenblatt Kaiserslautern

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