ÖKO-TEST warnt vor Bisphenolen in vielen Dosenkonserven

In Dosenlebensmitteln sind laut Öko-Test noch immer zu viele Bisphenole enthalten. | Foto: harjiyo/stock.adobe.com
  • In Dosenlebensmitteln sind laut Öko-Test noch immer zu viele Bisphenole enthalten.
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Öko-Test. Dosenravioli, Linseneintopf oder Ananas sind für viele ein schneller Vorrat im Alltag. Der aktuelle Test zeigt aber: Viele Dosenkonserven sind weiterhin deutlich mit Bisphenolen belastet, obwohl das Verwendungsverbot für Bisphenol A bereits greift.

Insgesamt wurden 52 Dosenlebensmittel untersucht, darunter Ravioli, Gemüse, Ananas, Heringsfilets und Softdrinks. Das wichtigste Ergebnis: Nur sechs Produkte waren nicht messbar oder nur sehr gering mit Bisphenolen belastet, bei 42 Produkten fiel die Belastung dagegen hoch oder sehr hoch aus.

Besonders auffällig ist, dass es erstmals auch Dosenlebensmittel ohne nachweisbares Bisphenol A, Bisphenol S oder Bisphenol F gibt. Gleichzeitig zeigt der Test, dass viele Hersteller noch nicht am Ziel sind und Verbraucherinnen und Verbraucher mit Konserven weiterhin relevante Eintragsquellen für diese Stoffe im Alltag haben.

So fallen verschiedene Produkte im Öko-Test mit Bisphenolen auf

Bei den Einzelbewertungen stechen sowohl positive als auch negative Beispiele heraus. Genannt werden dürfen wegen der Zahl der getesteten Produkte nur wenige besonders auffällige Produkte.

  • Maggi Ravioli in Tomatensauce – Note „sehr hoch“
  • Speisezeit Linseneintopf – Note „sehr hoch“
  • Bio Primo Linseneintopf rustikal – Note „nein“ bei Belastung Bisphenole
  • Sea Gold Heringsfilets geteilt in Tomatensauce – Note „nein“ bei Belastung Bisphenole
  • Uludağ Gazoz – Note „sehr gering“

Die stärkste BPA-Belastung wurde bei den Maggi Ravioli in Tomatensauce gemessen. Eine Portion überschreitet die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als tolerabel angesehene tägliche Aufnahmemenge den Angaben zufolge um ein Vielfaches.

Warum Bisphenole problematisch sind

Bisphenol A gilt als hormonwirksame Chemikalie. Der Stoff kann das Hormonsystem beeinflussen und wurde bereits als reproduktionstoxisch eingestuft, also als Stoff, der die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann.

Die europäische Behörde EFSA hat ihre tolerierbare tägliche Aufnahmemenge für BPA 2023 drastisch gesenkt. Hintergrund sind Hinweise darauf, dass BPA schon in sehr kleinen Mengen das Immunsystem beeinträchtigen könnte.

Auch Bisphenol S und Bisphenol F spielen im Test eine wichtige Rolle. Für beide Stoffe gibt es zwar noch keinen eigenen TDI, sie gelten aber ebenfalls als kritisch, und in mehr als der Hälfte der getesteten Produkte wurden erhöhte oder stark erhöhte Gehalte an BPS oder BPF gefunden.

Woher die Belastung in Dosen kommt

Als wichtige Quelle gelten die Beschichtungen von Konservendosen. Lange Zeit wurden vor allem Epoxidharz-Lacke verwendet, aus denen Bisphenole in das Lebensmittel übergehen können.

Auffällig ist, dass nicht nur die Innenbeschichtung relevant sein dürfte. Der Test legt nahe, dass auch Außenlacke eine Rolle spielen können, etwa wenn beim Stapeln der Dosen ein Kontakt zwischen Außen- und Innenseite entsteht.

Nach Herstellerangaben sind Innenbeschichtungen ohne bewusst eingesetztes BPA inzwischen oft Standard. Bei den Außenbeschichtungen läuft die Umstellung jedoch vielerorts noch, und genau dort scheint ein Teil des Problems zu liegen.

Was das für den Einkauf bedeutet

Für den Alltag ist die wichtigste Botschaft klar: Frische Lebensmittel sind oft die bessere Wahl, wenn sich Bisphenole aus Dosen vermeiden lassen. Das gilt besonders bei Produkten, die regelmäßig auf dem Speiseplan stehen.

Wer auf Konserven angewiesen ist, kann auf Produkte achten, die im Test gar nicht oder nur sehr gering belastet waren. Einen Überblick über den vollständigen Test bietet ÖKO-TEST .

Praktisch ist außerdem ein einfacher Küchentipp: Angebrochene Dosen sollten nicht in der Dose aufbewahrt werden. Besser ist es, den Inhalt in ein Schraubglas umzufüllen und im Kühlschrank zu lagern.

FAQ zu Bisphenolen in Dosen

Warum wurden gerade Dosenkonserven getestet?

Konservendosen gelten seit Jahren als wichtige Quelle für die Aufnahme von Bisphenol A über Lebensmittel. Die Stoffe können aus Beschichtungen in den Inhalt übergehen.

Sind Dosenkonserven jetzt verboten?

Nein. Es gibt kein direktes Verbot für die getesteten Lebensmittel. Verboten ist schrittweise die absichtliche Verwendung bestimmter Bisphenole in Materialien mit Lebensmittelkontakt, wobei Übergangsfristen gelten.

Was können Verbraucherinnen und Verbraucher konkret tun?

Wer die Belastung senken möchte, sollte möglichst oft zu frischen Lebensmitteln oder zu Produkten mit sehr geringer Belastung greifen. Angebrochene Konserven sollten in Glasbehälter umgefüllt werden.

Die untersuchten Produkte wurden im April und Mai 2026 eingekauft. Das ist wichtig, weil einige Hersteller nach dem Test bereits Umstellungen bei den Dosenbeschichtungen angekündigt oder begonnen haben.

Autor:

Sarah Isele aus Mannheim-Nord

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