Niedrigwasser in Rheinland-Pfalz: Warum Fische jetzt sterben

Besonders in Nebenflüssen und Bächen sind die Überlebenschancen gering. (Archivbild) | Foto: Julian Stratenschulte/dpa
  • Besonders in Nebenflüssen und Bächen sind die Überlebenschancen gering. (Archivbild)
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Rheinland-Pfalz. Niedrigwasser verschärft in vielen Gewässern die Lage für Fische deutlich. Vor allem in kleineren Bächen und Nebenflüssen in Rheinland-Pfalz drohen nach Einschätzung des Landesfischereiverbands Fischsterben und lokale ökologische Kollapsen.

Große Flüsse führen derzeit sehr wenig Wasser. Kleinere Bäche trocknen stellenweise ganz aus oder zerfallen in einzelne Tümpel. Für Fische entsteht so eine gefährliche Kombination aus Hitze, Sauerstoffmangel und einer höheren Konzentration von Schadstoffen.

Warum Niedrigwasser so problematisch ist

Wenig Wasser erwärmt sich schneller. Warmes Wasser kann zugleich weniger Sauerstoff aufnehmen. Für Fische steigt damit der Stress, weil bei hohen Temperaturen ihr Sauerstoffbedarf zunimmt, während im Gewässer weniger Sauerstoff verfügbar ist.

Lässt zusätzlich die Strömung nach, gelangt noch weniger Sauerstoff ins Wasser. Nach Angaben des Gewässerökologen Frank Steinmann verstärken Stauhaltungen durch Wehre diesen Effekt. Besonders in langsam fließenden Abschnitten von Lahn und Nahe könne sich das Wasser rasch aufheizen.

Hinzu kommt ein weiterer Belastungsfaktor: Bei Niedrigwasser fehlt die Verdünnungskraft der Gewässer. Nährstoffe, Arzneimittelrückstände und andere Spurenstoffe aus Kläranlagen verteilen sich dann auf deutlich weniger Wasser. Genau dieses Zusammenspiel lasse Ökosysteme kippen, so Steinmann.

Diese Arten sind besonders betroffen

Empfindlich reagieren vor allem kälteliebende und sauerstoffbedürftige Arten wie Bachforelle und Äsche. Auch Jungfische des Atlantischen Lachses wachsen in kühlen Nebenflüssen von Rhein, Mosel und Nahe auf und sind dort besonders gefährdet.

Kleinere Bäche sind für viele Arten wichtige Rückzugs-, Laich- und Aufwuchsgebiete. Fallen solche Abschnitte aus, kann das auch die Bestände in größeren Flüssen schwächen. In heißen Sommern weichen zudem Karpfenartige wie Rotauge, Döbel und Hasel häufiger in kühlere Nebenbäche aus.

Nach Einschätzung Steinmanns sind inzwischen auch Hechte betroffen. Vor allem große Tiere in flachen Seen, Teichen und Weihern litten unter Sauerstoffmangel.

Warum Resttümpel kaum helfen

Trocknen Bäche aus, bleiben oft nur einzelne wassergefüllte Vertiefungen zurück. Solche Gumpen sind nach Einschätzung des Experten aber keine dauerhafte Rettung. Sie erwärmen sich schnell und werden zu sauerstoffarmen Hitzefallen.

Zudem drängen sich dort viele Tiere auf engem Raum. Das erhöht den Stress und macht Fische zu leichter Beute für Reiher oder Waschbären. Solche Resttümpel könnten allenfalls einzelne Tiere retten, nicht aber ganze Bestände.

Regen allein löst das Problem nicht

Auch ein später wieder gefülltes Bachbett bedeutet noch keine schnelle Erholung. Wiederkehrende Dürren können Populationen und ihre genetische Vielfalt dauerhaft schädigen. Bis Fische und Kleinlebewesen zurückkehren, können nach Einschätzung des Landesfischereiverbands viele Jahre vergehen.

Die niedrigen Wasserstände hängen demnach nicht nur mit der aktuellen Hitze zusammen. Es fehlen laut Verband zunehmend länger anhaltende Regenfälle im Winter und die Schneeschmelze in den Mittelgebirgen. Dadurch wird weniger Grundwasser neu gebildet. Geht dieser kühlende Zustrom zurück, fehlt Bächen im Sommer ihr Basisabfluss.

Was aus Sicht des Verbands helfen würde

Der Landesfischereiverband Rheinland-Pfalz fordert mehrere Maßnahmen, um Bäche und Flüsse widerstandsfähiger zu machen.

  • Mehr Wasser in der Landschaft halten
  • Auen und Auwälder wiederherstellen
  • Breitere Gehölzstreifen zur Beschattung anlegen
  • Entbehrliche Wehre und ökologisch unrentable Kleinstwasserkraftanlagen zurückbauen
  • Einleitungen aus Kläranlagen und Regenüberläufen stärker auf Niedrigwasserphasen ausrichten

Ohne solche Verbesserungen trifft zunehmender Hitzestress nach Einschätzung des Verbands weiter auf bereits geschwächte Gewässer. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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