Neue Warnregeln nach Ahr-Flut in Rheinland Pfalz: Das hat sich geändert
- Bei der Flutkatastrophe waren 184 Menschen ums Leben gekommen. (Archivbild)
- Foto: Boris Roessler/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Rheinland Pfalz. Bei neuen Unwetterlagen sollen Warnungen heute schneller und direkter bei der Bevölkerung ankommen. Nach der verheerenden Ahr-Flut im Juli vor fünf Jahren mit 184 Todesopfern hat der Deutsche Wetterdienst seine Abläufe nach eigenen Angaben deutlich verändert.
Der Deutsche Wetterdienst erklärte in Offenbach, dass das damalige Extremereignis meteorologisch gut vorhergesagt worden sei. Das Ausmaß der Katastrophe sei jedoch kaum vorstellbar gewesen. Heute sei die Aufmerksamkeit bei Behörden und Bevölkerung deutlich höher, wenn vor schweren Unwettern gewarnt werde.
Mehrere technische und organisatorische Änderungen sollen dafür sorgen, dass Warnungen schneller verbreitet und Folgen besser eingeschätzt werden können.
Warnungen direkt aufs Handy
Bei Gefahr für Leib und Leben können Warnmeldungen inzwischen per Cell Broadcast direkt auf Mobiltelefone in betroffenen Regionen gesendet werden. Die Nachricht erscheint automatisch auf dem Display vieler Geräte und erreicht Menschen auch ohne installierte Warn App.
Häufigere Berechnung der Pegelstände
Der Deutsche Wetterdienst und die Hochwasservorhersagezentralen berechnen die Lage inzwischen stündlich. Vor fünf Jahren geschah das nur alle drei Stunden. Dadurch können neue Wetterentwicklungen schneller in Prognosen einfließen und Pegelstände stabiler eingeschätzt werden.
Engere Abstimmung zwischen Experten
Während schwerer Unwetterlagen stimmen sich Wetterdienst, Katastrophenschutz und Hydrologen inzwischen enger ab. Dazu finden Videokonferenzen zwischen den Außenstellen des Wetterdienstes, Innenministerien und Hochwasservorhersagezentralen der betroffenen Bundesländer statt.
Dabei erläutern Wetterberater mögliche Entwicklungen und auch denkbare Worst Case Szenarien. Ziel ist ein gemeinsames Lagebild, damit Einsatzkräfte und Behörden besser vorbereitet sind.
Bund Länder Konferenzen bei großen Lagen
Wenn mehrere Bundesländer betroffen sein könnten, organisiert das Gemeinsame Melde und Lagezentrum von Bund und Ländern zusätzliche Konferenzen. Daran beteiligen sich unter anderem
- Technisches Hilfswerk
- Autobahn GmbH des Bundes
- Deutsche Bahn
- Bundeswehr
- Hilfsorganisationen wie DRK, Johanniter und Malteser
- ADAC und Luftrettung
Dort werden Gefahren eingeschätzt und Hilfsleistungen aus nicht betroffenen Regionen abgestimmt.
Neues Naturgefahrenportal im Internet
Zusätzlich bündelt das neue Naturgefahrenportal Warnungen von Wetterdienst, Hochwasservorhersagezentralen und Katastrophenschutz auf einer gemeinsamen Internetseite. Dort finden sich auch Informationen zu Risiken sowie Hinweise zur Vorbereitung und zum richtigen Verhalten bei Extremwetter.
Die Erfahrungen aus der Flutkatastrophe im Ahrtal haben damit zu mehreren Änderungen im Warnsystem geführt. Ziel ist eine schnellere Information der Bevölkerung und eine bessere Abstimmung der Einsatzkräfte bei Starkregen und Hochwasser. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |