Neue Schutzsysteme im Ahrtal: Lehren aus der Flut 2021
- 135 Menschen kamen ums Leben, mehrere Hundert wurden verletzt und einer gilt immer noch als vermisst. (Archivbild)
- Foto: Boris Roessler/dpa
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Rheinland-Pfalz. Nach der verheerenden Flut im Ahrtal mit 135 Toten sind Warnsysteme, Katastrophenschutz und Bauplanung grundlegend verändert worden. Ziel ist, eine Katastrophe wie im Juli 2021 künftig früher zu erkennen und Menschen schneller in Sicherheit zu bringen.
Fünf Jahre nach der Flut wurden zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Sie reichen von neuen Warnketten über technische Verbesserungen bei Pegeln bis zu veränderten Bau- und Evakuierungskonzepten.
Frühere und klarere Warnungen
Im Bereich Information und Vorwarnung hat das Land mehrere Systeme erweitert. Bürger und Kommunen sollen kritische Situationen schneller erkennen können.
- Die Internetseite hochwasser.rlp.de zeigt Warnlagen bereits auf der Startseite. Meldungen enthalten konkrete Handlungsempfehlungen.
- Eine zusätzliche Vorwarnstufe informiert früher über mögliche Gefahren.
- Medien können Hochwasserinformationen automatisch in ihre Redaktionssysteme übernehmen.
- Die Wasserstandsvorhersage für den Pegel der Ahr wurde von 24 auf 48 Stunden verlängert. Dazu kommt eine Unsicherheitsspanne.
- Neue und wasserfeste Pegel messen die Lage im Fluss. Ein Pegel arbeitet erstmals bundesweit mit Satellitenübertragung.
- Warnungen werden auch über Apps wie Nina, über Cell Broadcast und über das Naturgefahrenportal verbreitet.
Trotz aller Technik bleibt eine Einschränkung. Extremereignisse lassen sich weiterhin nur mit großen Unsicherheiten vorhersagen, erklärt das Landesamt für Umwelt.
Mehr Platz für den Fluss
Auch beim Wiederaufbau im Ahrtal wurden Konsequenzen gezogen. Gebäude und Infrastruktur sollen künftig weniger anfällig für Hochwasser sein.
- Bewohner wurden beraten, Häuser hochwassersicher umzubauen. Schlafräume sollen etwa in oberen Etagen liegen.
- Entlang der Ahr wurde zusätzlicher Rückhalteraum geschaffen.
- Einige besonders gefährdete Flächen dürfen nicht mehr bebaut werden.
- Neue Brücken werden so geplant, dass sich weniger Treibgut stauen kann.
Neuer Katastrophenschutz im Land
Rheinland-Pfalz hat außerdem seine Organisation für den Bevölkerungsschutz umgebaut.
- Das Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz dient als zentrales Kompetenzzentrum.
- Das Lagezentrum Bevölkerungsschutz ist rund um die Uhr besetzt und kann sofort Warnungen auslösen.
- Die Polizei erhielt zwei Hubschrauber mit Rettungswinden für Einsätze bei Hochwasser.
- Kommunen wurden mit Fahrzeugen und Technik ausgestattet. Schulungen sollen die Einsatzkräfte besser vorbereiten.
Neue Alarmpläne im Ahr-Kreis
Auch der Landkreis Ahrweiler hat seine Abläufe nach der Flut grundlegend verändert. Heute existiert ein abgestimmtes System aus Alarm- und Einsatzplänen für Hochwasser, Starkregen, Warnung und Evakuierung.
Die Warnkette ist klar geregelt. Solange eine Lage vor Ort beherrschbar bleibt, führen die Kommunen den Einsatz. Ab Alarmstufe vier übernimmt der Kreis die Einsatzleitung und informiert auch die Bevölkerung.
Warnungen sollen über mehrere Kanäle gleichzeitig verbreitet werden. Sirenen dienen als Weckruf. Weitere Informationen folgen über Radio, Warn Apps, Cell Broadcast oder Lautsprecherdurchsagen.
Für den Ernstfall sind außerdem Evakuierungswege und Aufnahmeorte festgelegt. Menschen sollen bei Gefahr gezielt aus dem Ahrtal auf höher gelegene Bereiche geführt werden.
Bewusstsein für Risiken gestiegen
Die Flut im Sommer 2021 traf viele Menschen unvorbereitet. Heute sei das Risikobewusstsein deutlich größer, sagt die rheinland pfälzische Umweltpolitik. Schutz funktioniere jedoch nur im Zusammenspiel aus staatlicher Planung und eigener Vorsorge der Bevölkerung. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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