Neid in Motivation verwandeln: So lässt sich das Gefühl nutzen

Neid zu verdrängen, ist keine gute Idee | Foto: dpa
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Neid positiv nutzen. Neid kann zeigen, was im eigenen Leben wirklich wichtig ist. Statt das unangenehme Gefühl zu verdrängen, lässt es sich als Hinweis auf eigene Wünsche und Ziele verstehen. Psychotherapeut Wolfgang Krüger erklärt, warum Neid sogar Orientierung geben kann.

Neid hat einen schlechten Ruf. In Redewendungen gilt er als blind oder hässlich, im christlichen Glauben zählt er zu den sieben Todsünden. Viele Menschen schämen sich deshalb für das Gefühl und versuchen, es zu unterdrücken.

Der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger hält das für problematisch. "Neid begleitet unser Leben in all den Dingen, die uns wichtig sind", sagt er. Ob der Neid auf eine andere Frau, die gerade Mutter geworden ist, oder auf den Kollegen, der beruflich erfolgreich ist. Das Gefühl könne zeigen, welche Wünsche oder Ziele bisher unerfüllt geblieben sind.

Neid zeigt, was im Leben wichtig ist

Krüger zufolge steckt im Neid auch eine Orientierungsfunktion. Das stechende oder kränkende Gefühl kann darauf aufmerksam machen, was im eigenen Leben fehlt oder stärker gewünscht wird.

Wird Neid dagegen verdrängt, kann das laut Krüger langfristig belasten. «Wenn wir ungeliebte Affekte verdrängen, schwächt uns das». In stressreichen Situationen könne das die Anfälligkeit für Ängste oder depressive Verstimmungen erhöhen.

Ein häufiger Reflex besteht darin, die beneidete Person abzuwerten. Erfolge anderer werden heruntergespielt oder als unwichtig dargestellt. Krüger warnt vor dieser Strategie. «Dann habe ich zwar weniger Neidgefühle, aber habe auch die potenzielle Bewunderung, die möglich wäre, zerstört».

Mit Mut und Ausdauer wird Neid zum Antrieb

Ob Neid destruktiv wirkt oder motivieren kann, hängt laut Krüger vor allem von zwei Fähigkeiten ab.

  • Lebensmut. Also das Vertrauen, dass das Beneidete zumindest teilweise selbst erreichbar sein könnte.
  • Geduld und Ausdauer. Viele Ziele entstehen erst durch zahlreiche kleine Schritte über längere Zeit.

Wer diese Voraussetzungen mitbringt, kann andere Menschen eher als Vorbilder wahrnehmen. "Dann sind Sie in der Lage, sich etwas von anderen Leuten abzugucken und auch direkt zu fragen: Wie macht ihr das?", sagt Krüger.

Den Wunsch hinter dem Neid erkennen

Nicht jeder Wunsch lässt sich exakt erfüllen. Wer etwa neidisch auf eine frisch gewordene Mutter ist, selbst aber keine Kinder bekommen kann, wird diesen Lebensweg nicht nachholen können.

Krüger rät deshalb, genauer hinzuschauen, welches Bedürfnis hinter dem Gefühl steht. In manchen Fällen lässt sich der Wunsch auf andere Weise ausleben. Im Beispiel könnte das bedeuten, im eigenen Umfeld bei der Betreuung von Kindern zu helfen.

"Ich muss im Grunde immer sehen: Da ist etwas Wichtiges, Wertvolles, das der andere hat", so der Psychotherapeut. "Das sollte ich nicht heruntermachen, sondern für mich selbst versuchen, intelligent das Maximum an Wunscherfüllung umzusetzen."

Neid wird damit weniger zum belastenden Gefühl als zu einem Hinweis darauf, welche Ziele oder Veränderungen im eigenen Leben Bedeutung haben. dpa/red

Autor:

Sarah Isele aus Mannheim-Nord

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