Nährstoffe im Alter sichern: Wann Präparate sinnvoll sind
- Nährstoff-Booster oder unnötiges Risiko? Die größte Gefahr bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist die unkontrollierte Dosierung.
- Foto: Christin Klose/dpa-mag
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Nahrungsergänzungsmittel im Alter. Für ältere Menschen sind Präparate meist nicht nötig, wichtiger sind ausgewogene Ernährung, Bewegung und ein Blick auf mögliche Risiken bei unkontrollierter Einnahme.
Werbebotschaften wie "Mehr Energie", "Besseres Gedächtnis" oder "Mehr Vitalität" wirken gerade im Alter verlockend. Die Verbraucherzentrale NRW ordnet solche Versprechen aber nüchtern ein. "Doch Nahrungsergänzungsmittel sind keine Wundermittel", warnt Angela Clausen.
Das größte Problem sei oft die Dosierung. "Denn mehr ist nicht besser", sagt die Ökotrophologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale. Vor allem bei regelmäßig eingenommenen Präparaten könne zu viel des Guten die Gesundheit belasten.
Überdosierung und Wechselwirkungen sind die größten Risiken
Gerade bei fettlöslichen Vitaminen wie Vitamin D kann eine Überdosierung laut Clausen zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen. "Zu viel Vitamin D kann den Kalziumspiegel im Blut erhöhen, was zu Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Muskelschwäche führen kann." In extremen Fällen könnten sich Nierensteine bilden oder sogar schwere Nierenschäden auftreten.
Auch Brausetabletten können problematisch sein. "Sie enthalten häufig größere Mengen verstecktes Natrium, also einen Salz-Bestandteil, der bei Menschen mit Bluthochdruck diesen zusätzlich erhöhen kann", klärt Clausen auf.
Besonders kritisch sind mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten. "Das gilt ganz besonders für Nahrungsergänzungsmittel mit pflanzlichen Zutaten. Auch Laborwerte können verfälscht werden, so beeinflusst beispielsweise die Einnahme von Biotin einen Biomarker für Herzinfarkt."
Meist reicht eine ausgewogene Ernährung aus
Statt auf viele Präparate zu setzen, ist aus Sicht der Verbraucherzentrale im Alltag meist ein anderer Weg sinnvoll. Ein aktiver Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, ausreichend Schlaf, Krafttraining gegen Muskelabbau, Zeit an der frischen Luft und eine ausgewogene Ernährung reichen in vielen Fällen aus, um den Nährstoffbedarf zu decken.
- Kalzium steckt vor allem in Milch und Milchprodukten sowie in kalziumreichen Mineralwässern.
- Vitamin B12 findet sich fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln.
- Jod liefern vor allem Seefisch und jodiertes Speisesalz.
- Vitamin B6 steckt in Vollkornprodukten, Fleisch, Fisch und verschiedenen Nüssen.
- Folsäure ist reichlich in grünem Gemüse, Orangen, Tomaten, Vollkornprodukten und Erdnüssen enthalten.
- Vitamin D bildet der Körper durch Sonnenlicht selbst, ergänzt durch fetten Fisch, Eigelb und bestimmte Pilze. Wer wenig Zeit im Freien verbringt, kann den Vitamin-D-Spiegel ärztlich kontrollieren lassen.
- Eiweiß bleibt im Alter besonders wichtig. Ab 65 Jahren steigt der tägliche Bedarf laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung von 0,8 auf etwa 1 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Hülsenfrüchte wie Soja, Linsen und Erbsen sowie Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier sind gute Quellen.
Für ältere Menschen gilt damit vor allem diese praktische Einordnung: Nahrungsergänzungsmittel sollten kein Standard sein, sondern eher die Ausnahme nach ärztlicher Abklärung. dpa/red
Autor:Sarah Isele aus Mannheim-Nord |