Mulchen bei Hitze: Diese 6 Gartenreste werden zu Wasserspeichern für Beete
- Mulch im Garten: Nicht nur schön anzusehen, schützt auch vor Austrocknung / Symbolbild
- Foto: maxbelchenko/stock.adobe.com
- hochgeladen von Jessica Bader
Garten. Wenn im Sommer die Erde austrocknet, muss nicht automatisch häufiger gegossen werden. Eine Mulchschicht schützt Gemüsebeete vor Sonne und Wind, hält Regenwasser länger im Boden und wird allmählich zu wertvollem Humus. Vieles, was dafür benötigt wird, fällt im Garten ohnehin kostenlos an.
Kaum ist das Gemüsebeet gegossen, wirkt die Erde bei sommerlicher Hitze schon wieder trocken. Das Wasserproblem lässt sich allerdings nicht allein mit immer größeren Gießkannen lösen. Entscheidend ist auch, wie gut der Boden die Feuchtigkeit speichern kann. Dabei hilft eine Mulchschicht aus Rasenschnitt, Laub oder anderen Pflanzenresten. Sie bedeckt die offene Erde, bremst die Verdunstung und schützt den Boden vor starker Sonneneinstrahlung. Regen und Gießwasser bleiben dadurch länger dort, wo die Pflanzen sie benötigen.
„Im Prinzip ist alles Pflanzenmaterial, das im naturnahen Garten anfällt, auch Mulchmaterial“, erklärt Corinna Hölzel, Gartenexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).
Warum Mulch den Garten vor Trockenheit schützt
Ein unbedeckter Boden verliert bei Sonne und Wind schnell Feuchtigkeit. Starke Regentropfen können die Oberfläche außerdem verschlämmen oder verkrusten. Das Wasser fließt dann leichter oberirdisch ab, statt langsam in die Erde einzusickern.
Eine Mulchschicht wirkt dagegen wie eine schützende Decke:
- Der Boden erwärmt sich weniger stark.
- Wasser verdunstet langsamer.
- Regen kann besser versickern.
- Das Bodenleben wird gefördert.
- Unerwünschte Beikräuter wachsen langsamer.
- Das Pflanzenmaterial wird nach und nach zu Humus.
Mit der Zeit verbessert der entstehende Humus die Bodenstruktur. Die Erde kann mehr Wasser aufnehmen und speichern – das Beet entwickelt sich schrittweise zu einer Art Schwamm. Mulchen ersetzt das Gießen bei längerer Trockenheit zwar nicht vollständig, kann die Abstände zwischen den Wassergaben aber deutlich verlängern.
Vor dem Mulchen erst lockern und gründlich gießen
Damit die Mulchschicht ihre Wirkung entfalten kann, sollte der Boden vorbereitet werden. Zunächst werden größere Beikräuter entfernt und die Erde oberflächlich gelockert. Ist der Boden bereits trocken, wird anschließend gründlich gegossen. Erst danach kommt das Mulchmaterial auf das Beet. Wer völlig ausgetrocknete Erde einfach abdeckt, hält nicht nur Feuchtigkeit, sondern zunächst auch die Trockenheit im Boden. Wichtig ist außerdem, die Mulchschicht regelmäßig zu kontrollieren und bei Bedarf zu ergänzen. Frisches Pflanzenmaterial verliert beim Trocknen und Verrotten deutlich an Volumen.
Diese 6 Gartenreste eignen sich besonders gut zum Mulchen
1. Brennnesseln liefern besonders viel Stickstoff
Brennnesseln sind nährstoffreich und eignen sich vor allem für sogenannte Starkzehrer. Dazu gehören Tomaten, Kartoffeln, Zucchini, Kürbisse und Gurken. Diese Pflanzen benötigen vergleichsweise viel Stickstoff für ihr Wachstum.
Die Brennnesseln können zerkleinert und rund um die Kulturpflanzen verteilt werden. Verwendet werden sollten möglichst nur Pflanzen ohne reife Blüten und Samen. Andernfalls könnten sich die Brennnesseln an unerwünschten Stellen im Beet vermehren.
2. Rhabarberblätter bedecken große Flächen
Die großen Blätter des Rhabarbers sind nahezu fertige Mulchmatten. Sie beschatten den Boden und liefern beim Verrotten unter anderem Kalium. Dieser Nährstoff spielt für den Wasserhaushalt und die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen eine wichtige Rolle. Unter den großen Blättern können sich allerdings Schnecken verstecken. Deshalb sollte die Mulchschicht regelmäßig angehoben und kontrolliert werden.
3. Rasenschnitt nur dünn auftragen
Rasenschnitt fällt in vielen Gärten regelmäßig an und enthält unter anderem Stickstoff, Phosphor und Kalium. Er lässt sich gut zwischen Tomaten, Gurken und anderen Gemüsepflanzen verteilen. Dabei ist weniger mehr: Eine etwa zwei bis drei Zentimeter dünne Schicht genügt. Wird frischer Rasenschnitt zu dick aufgetragen, kann er verkleben, faulen und unangenehm riechen. Sehr feuchter Rasenschnitt sollte deshalb zunächst etwas antrocknen und anschließend locker verteilt werden.
4. Laub wird zu wertvollem Humus
Herbstlaub gehört zu den wertvollsten Mulchmaterialien im Garten. Auf Beeten und unter Sträuchern schützt es die Erde über den Winter und wird von Bodenorganismen langsam zersetzt. Gesundes Laub kann direkt auf den Beeten verteilt werden. Blätter mit deutlichem Pilz- oder Schädlingsbefall gehören dagegen nicht unter empfindliche Pflanzen. Auch auf dem Rasen sollte keine geschlossene, dicke Laubdecke liegen bleiben, da das Gras darunter faulen kann. Ein Laubhaufen in einer ruhigen Gartenecke ist dagegen ein wertvolles Winterquartier für Igel und zahlreiche Insekten.
5. Zerkleinerter Heckenschnitt schützt besonders lange
Dünne Äste, Zweige und Blätter aus dem Heckenschnitt ergeben ein gröberes Mulchmaterial, das langsamer verrottet. Am besten wird der Schnitt vorher gehäckselt oder mit der Gartenschere zerkleinert. Bei ungehäckseltem, grobem Material darf die Schicht nach Empfehlung des BUND etwa zehn bis 20 Zentimeter stark sein. Direkt an Pflanzen sollte das Material trotzdem locker liegen, damit ausreichend Luft an den Boden gelangt. Vom Mulchen mit Kirschlorbeer rät der BUND ab. Das Schnittgut verrottet nur langsam und enthält cyanogene Pflanzenstoffe. Zudem bietet die nicht heimische Pflanze Insekten nur wenig Nahrung.
6. Beikräuter direkt im Beet weiterverwenden
Löwenzahn, Vogelmiere, Klee und die Blätter von Giersch müssen nach dem Jäten nicht automatisch in die Biotonne wandern. Pflanzen ohne reife Samen können rund um das Gemüse abgelegt werden und dort als Mulch verrotten. Vorsicht ist bei Wurzelunkräutern wie Giersch und Quecke geboten. Kleine Wurzelstücke können erneut austreiben. Die Wurzeln sollten deshalb entfernt oder mehrere Tage vollständig in der Sonne getrocknet werden.
Nicht jedes Wildkraut muss aus dem Garten verschwinden. Blühende Wildpflanzen liefern Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten wichtigen Nektar und Pollen.
Wie dick muss die Mulchschicht sein?
Die richtige Höhe hängt vom verwendeten Material ab:
- Feuchter Rasenschnitt: etwa zwei bis drei Zentimeter
- Brennnesseln und andere weiche Pflanzenreste: wenige Zentimeter locker verteilen
- Laub: ungefähr fünf bis zehn Zentimeter, je nach Blattart
- Gehäckselter Heckenschnitt: mehrere Zentimeter
- Grobes, unzerkleinertes Schnittgut: bis zu zehn oder 20 Zentimeter
Feuchtes und sehr feines Material darf nicht zu einer luftdichten Schicht zusammenkleben. Grobes Material kann dagegen dicker aufgetragen werden, weil zwischen den Pflanzenteilen ausreichend Luft bleibt.
Dieser Mulchfehler kann Bäumen und Sträuchern schaden
An Baumstämmen, Sträuchern und den Stängeln von Gemüsepflanzen sollte etwas Abstand bleiben. Liegt feuchtes Material dauerhaft direkt an Stamm oder Stängel, können Fäulnis und Pilzerkrankungen begünstigt werden. Rund um Bäume sollte deshalb keine sogenannte Mulchvulkan-Form entstehen. Besser ist eine flache Mulchscheibe mit einem freien Ring unmittelbar um den Stamm.
Fallobst eignet sich ebenfalls nicht als Mulch. Vor allem faulende oder kranke Früchte können Schädlinge anlocken und Krankheitserreger verbreiten. Sie gehören – abhängig vom Befall – auf den Kompost oder in die Biotonne.
Auch Stroh, Heu und Holzhäcksel sind möglich
Wer Stroh, pestizidfreies Heu, Holzhäcksel oder Sägespäne zur Verfügung hat, kann auch diese Materialien verwenden. Im Sinne eines natürlichen Gartenkreislaufs empfiehlt der BUND jedoch, bevorzugt das einzusetzen, was ohnehin im eigenen Garten anfällt. Auch Nachbarn geben Rasenschnitt oder Heckenschnitt häufig gerne ab. Dabei sollte allerdings geklärt sein, dass die Pflanzen nicht mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden.
Häufige Fragen zum Mulchen:
Welches Mulchmaterial ist für ein Gemüsebeet am besten?
Für Gemüsebeete eignen sich Rasenschnitt, Brennnesseln und andere weiche Pflanzenreste besonders gut. Sie verrotten relativ schnell und geben dabei Nährstoffe frei. Welches Material ideal ist, hängt auch von den angebauten Pflanzen und dem vorhandenen Gartenmaterial ab.
Kann man frischen Rasenschnitt sofort zum Mulchen verwenden?
Frischer Rasenschnitt kann verwendet werden, sollte aber nur locker und höchstens etwa zwei bis drei Zentimeter dick verteilt werden. Sehr nasses Gras lässt man besser kurz antrocknen. Zu dick aufgetragen kann es verkleben, faulen und schimmeln.
Muss vor dem Mulchen gegossen werden?
Ist die Erde trocken, sollte vor dem Mulchen gründlich gegossen werden. Die Mulchschicht hilft anschließend, diese Feuchtigkeit länger im Boden zu halten. Auf völlig ausgetrocknetem Boden kann sie ihre Wirkung zunächst nicht entfalten.
Zieht Mulch Schnecken an?
Mulch erzeugt ein feuchtes, geschütztes Klima, in dem sich auch Schnecken wohlfühlen können. Besonders unter großen Rhabarberblättern und dichtem Rasenschnitt sollte regelmäßig kontrolliert werden. Rund um junge, gefährdete Pflanzen empfiehlt sich eine dünnere und lockere Schicht.
Wann ist die beste Zeit zum Mulchen?
Gemüsebeete können vom Frühjahr bis zum Herbst gemulcht werden, sobald sich der Boden erwärmt hat. Besonders sinnvoll ist das Mulchen vor warmen und trockenen Perioden – allerdings idealerweise auf bereits feuchtem Boden.
Was darf nicht als Mulch verwendet werden?
Ungeeignet sind Pflanzen mit reifen Samen, noch lebensfähige Wurzeln von Giersch oder Quecke, krankes Pflanzenmaterial und faulendes Fallobst. Auch Rasenschnitt, der mit Pflanzenschutzmitteln belastet sein könnte, sollte nicht verwendet werden.
Muss die Mulchschicht im Herbst entfernt werden?
In den meisten Fällen kann organischer Mulch auf dem Beet bleiben. Er schützt den Boden im Winter und wird nach und nach zu Humus. Sehr dicke, verklebte oder faulende Schichten sollten allerdings aufgelockert oder teilweise entfernt werden.
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.